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Streit um Wirksamkeit: Roche will Tamiflu-Daten freigeben

Tamiflu-Produktion bei Roche (September 2006): Studiendaten werden freigegeben Zur Großansicht
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Tamiflu-Produktion bei Roche (September 2006): Studiendaten werden freigegeben

Nach jahrelangem Streit mit Forschern lenkt der Pharmariese Roche ein: Die Firma will alle ihre Studienergebnisse zum bekannten Grippemittel Tamiflu veröffentlichen. Allerdings erst nach und nach.

Berlin - An insgesamt 74 klinischen Studien zur Wirksamkeit des Grippemittels Tamiflu war Roche beteiligt. Doch nur zu einem Bruchteil von ihnen wollte die Firma auch Daten veröffentlichen - und das obwohl Forscher jahrelang für die vollständige Publikation der Daten gekämpft hatten. Im Kern geht es um die Frage, ob das Unternehmen womöglich ein zu positives Bild von der Wirksamkeit des Medikaments gezeichnet hat - weil weniger positive Studien zurückgehalten worden sein könnten.

Das wäre durchaus problematisch, schließlich haben Behörden wie die Weltgesundheitsorganisation oder die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Empfehlungen zum Einsatz von Tamiflu ausgesprochen - ohne dass sie dabei auf die vollständigen Studiendaten zugreifen konnten.

Seit 2002 hat Roche mit seinem Grippemittel einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Dollar gemacht. Und bereits 2009 hatte die Cochrane Collaboration, die unparteiisch Nutzen und Schaden medizinischer Therapien und Arzneimittel untersucht, Zweifel an der Wirksamkeit von Tamiflu angemeldet - vor allem ging es um die Frage, ob das Mittel Komplikationen wie eine Lungenentzündung verhindern kann.

Nun hat Roche dem Fachmagazin "British Medical Journal" nach einem jahrelangen Streit um die Herausgabe der Daten zugesichert, die Ergebnisse von allen 74 Tests zugänglich zu machen. Die Veröffentlichung soll im Laufe der kommenden Monate passieren. Das Unternehmen hatte bereits im Februar zugesichert, Forschern mehr Einblick in die Daten geben zu wollen. Bisher hatte die Cochrane Collaboration aber nur Zugriff auf zehn Studien. Roche hatte das unter anderem damit begründet, dass die Forscher keine Vertraulichkeitserklärung hätten unterzeichnen wollen.

In einem BBC-Interview kritisierte Sile Lane, Kampagnendirektor der Organisation Sense about Science, die sich neben anderen für die Freigabe der Studiendaten stark gemacht hatte, es sei nicht in Ordnung, dass es jahrelanger Bemühungen bis zum jetzigen Schritt bedurft habe. Ein Roche-Sprecher erklärte, man verstehe und unterstütze Forderungen an die Pharmaindustrie, transparenter im Bezug auf klinische Daten zu sein.

Das "British Medical Journal" hatte angekündigt, ab diesem Jahr nur noch Studien zu veröffentlichen, deren Daten von den Pharmakonzernen vollständig zur Verfügung gestellt werden - damit außenstehende Forscher sie überprüfen können.

chs

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1. optional
Rahvin 05.04.2013
Genug Geld verdient. Jetzt kann man zugeben, dass das Mittel an und für sich so nötig ist wie ein Kropf und den Krankheitsverlauf maximal um einen Tag verkürzen kann.
2. Ein bisschen was geht noch
dr.u. 05.04.2013
Zitat von RahvinGenug Geld verdient. Jetzt kann man zugeben, dass das Mittel an und für sich so nötig ist wie ein Kropf und den Krankheitsverlauf maximal um einen Tag verkürzen kann.
Nee, noch nicht genug Geld verdient. Da die Studien und deren Ergebnisse erst nach und nach veröffentlicht werden sollen, wird mal wohl kaum als erstes die Studien veröffenlichen, die an der Wirksamkeit des Medikamentes zweifeln lassen. So lange kann man dann noch munter weiter Geld verdienen.
3. Das Thema ist ernst genug!
analyse 05.04.2013
Wenn es um das Verhindern massenhaften Sterbens durch mutierte Virusstämme geht,sind alle Daten offenzulegen,einschließlich der Herstellungsrezepte! Alle Gewinnüberlegungen sind dann drittrangig und können später geklärt werden.Im Übrigen:bei einer Pandemie mit möglichen vielen Millionen Toten ist der Einsatz jeden Mittels gerechtfertigt auch wenn die Mortalitätsrate nur um 1% sinken würde! Bei der spanischen Grippe wären das bis zu 500000 Menschen gewesen..Und die Mortalitätsraten bei einem neuen vorher unbekanntem Virus sind nicht vorhersehbar! Es gab schon Seuchen mit weit höherer Sterblichkeit,als die oft genannten 20 bis 30%.Jede Art der Prophylaxe ist in solchen Fällen gerechtfertigt,und wir sollten uns freuen,wenn sie nicht "nötig" waren,aber in der wachsamkeit nicht nachlassen!
4.
kami-katze 05.04.2013
"Das wäre durchaus problematisch, schließlich haben Behörden wie die Weltgesundheitsorganisation oder die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Empfehlungen zum Einsatz von Tamiflu ausgesprochen - ohne dass sie dabei auf die vollständigen Studiendaten zugreifen konnten" Aha. Und warum tun die Behörden das? Warum nicht erst Empfehlungen aussprechen, wenn ALLE Daten geprüft wurden? Hatten denn die Zulassungsbehörden alle Daten? Man versteht es nicht.
5. Was'n das für'n Blödsinn
dr.u. 05.04.2013
Zitat von analyseWenn es um das Verhindern massenhaften Sterbens durch mutierte Virusstämme geht,sind alle Daten offenzulegen,einschließlich der Herstellungsrezepte! Alle Gewinnüberlegungen sind dann drittrangig und können später geklärt werden.Im Übrigen:bei einer Pandemie mit möglichen vielen Millionen Toten ist der Einsatz jeden Mittels gerechtfertigt auch wenn die Mortalitätsrate nur um 1% sinken würde! Bei der spanischen Grippe wären das bis zu 500000 Menschen gewesen..Und die Mortalitätsraten bei einem neuen vorher unbekanntem Virus sind nicht vorhersehbar! Es gab schon Seuchen mit weit höherer Sterblichkeit,als die oft genannten 20 bis 30%.Jede Art der Prophylaxe ist in solchen Fällen gerechtfertigt,und wir sollten uns freuen,wenn sie nicht "nötig" waren,aber in der wachsamkeit nicht nachlassen!
Ein Medikament zu verabreichen, dass kaum oder gar nicht wirkt, bzw. dess Wirksamkeit gegen die virale Erkrankung signifikant fragwürdig ist, ganz im Gegensatz zu seinen Nebenwirkungen), grenzt ja schon an Körperverletzung. Zwangmedikation kann und darf nie ein Weg sein. Und was die Vogelgrippe H5N1 angeht, so gab es im Zeitraum 2003 bis 2013 weltweit gesicherte 622 Erkrankungen und 371 Todesfälle. Und dafür wollen Sie am besten 8Mrd. Menschen Impfen oder prophylaktisch zwangsbehandel?? Eine Pandemie sieht anders aus. Geldschneiderei mit medizinischer Panikmache nicht.
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Cochrane Reviews sind aufwendige, systematische und standardisierte Übersichtsarbeiten (Metaanalysen), die das verfügbare Wissen aus wichtigen Studien zu einem medizinischen Thema sammeln und bewerten. Weltweit gibt es 52 Cochrane Review-Gruppen, deren Autoren aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommen. Die Autoren der Reviews sind nicht nur Mediziner, sondern etwa auch Statistiker oder Epidemiologen, außerdem Rechercheure. Cochrane Reviews zeichnen sich durch eine besonders ausführliche Suche nach der verfügbaren Literatur zu einem Thema aus. Ein Cochrane Review untersucht immer eine konkrete Frage, zum Beispiel: "Kann man Harnwegsinfekte durch Cranberry-Saft verhindern?" Alle Cochrane Reviews sind ähnlich aufgebaut, die Kernaussage wird immer leicht verständlich zusammengefasst.
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