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Studie an Rhesusaffen: Mers-Virus findet sich tief in der Lunge

Neuartiger Erreger: Eingefärbte Mers-Viren in der Lunge eines Rhesusaffen Zur Großansicht
NIAID/ RML

Neuartiger Erreger: Eingefärbte Mers-Viren in der Lunge eines Rhesusaffen

Das neuartige Coronavirus Mers bereitet Medizinern große Sorgen. Wissenschaftler haben jetzt untersucht, wie die Infektion bei Rhesusaffen verläuft, um mehr über das Virus herauszufinden. Doch die Krankheit nimmt bei den Tieren einen anderen Verlauf.

Das Mers-Virus vermehrt sich einer aktuellen Studie zufolge vorwiegend in bestimmten Zellen tief in der Lunge. Dies könne sowohl die Schwere der Erkrankung erklären als auch die niedrige Ansteckungsrate zwischen Menschen, berichtet ein internationales Forscherteam um Emmie de Wit von den National Institutes of Health in Hamilton (US-Bundesstaat Montana).

Die Forscher hatten sechs Rhesusaffen mit dem Erreger infiziert und dann den Infektionsverlauf analysiert, wie sie im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

Seit September 2012 haben sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 130 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus Mers ("Middle East Respiratory Syndrom") angesteckt - diese Fälle wurden alle durch aufwendige Labortests bestätigt. 58 Menschen starben in Folge der Infektion. Die Patienten entwickeln grippeähnliche Symptome mit Atembeschwerden und mitunter Nierenversagen. Noch ist unklar, woher das Virus stammt und wie es sich verbreitet. Wahrscheinlich ist es mehrmals von Tieren, möglicherweise Dromedaren, auf den Menschen übergesprungen.

Die Versuchsaffen erkrankten nach dem Kontakt mit dem Erreger in milder Form. Am ersten Tag nach der Infektion schieden die Tiere die meisten Viren aus, vorwiegend durch die Nase, aber auch durch die Kehle. Zwar waren die Erreger später noch in den oberen Atemwegen und im Lymphgewebe nachweisbar, vor allem aber vermehrten sie sich in den unteren Atemwegen. Insbesondere fanden sich die Viren in den Pneumozyten, also jenen Zellen, die die Lungenbläschen - auch Alveolen genannt - auskleiden. Dies könne erklären, warum die Tiere so wenige Viren ausschieden und warum die Übertragung unter Menschen selten zu sein scheine, schreiben die Virologen.

Kritik am Tierversuch

Allerdings müsse man bei Vergleichen zwischen Rhesusaffen und Menschen vorsichtig sein, mahnen sie und verweisen darauf, dass die Infektion bei vielen Menschen tödlich ende. Dies könne jedoch auch daran liegen, dass bei Menschen vermehrt schwere Fälle dokumentiert seien, oder daran, dass die schweren Verläufe mit anderen Begleiterkrankungen zusammenhingen.

Christian Drosten von der Uni-Klinik Bonn sieht den Wert von Primatenstudien vor allem darin, dass man so Impfungen oder Medikamente prüfen könne. "Aus ethischen Gründen sollte man das aber nur dann tun, wenn ein Wirkstoff extrem erfolgversprechend ist und wenn man zudem sicher ist, dass der Krankheitsverlauf des Tiers dem des Menschen entspricht. Dies scheint hier nicht der Fall zu sein", sagt der Virologe und verweist auf den milden Krankheitsverlauf bei den Affen.

wbr/dpa

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