US-Studie Drohnenpiloten sind gestresst wie Kampfflieger

Kampfflieger haben nach ihren Einsätzen oft mentale Probleme, doch nun zeigt eine Studie der US-Streitkräfte: Den Piloten von Drohnen geht es ganz ähnlich - obwohl sie in der Heimat in sicheren Büroräumen arbeiten. Sie leiden an Depressionen und posttraumatischem Stress.

Drohnenpiloten in den USA (Archivbild): Ferngesteuerte Kriegseinsätze
Getty Images

Drohnenpiloten in den USA (Archivbild): Ferngesteuerte Kriegseinsätze


Hamburg - Bei der U.S. Air Force schieben rund 1300 Drohnenpiloten Dienst - laut einer Studie haben sie mit ähnlichen gesundheitlichen Folgen zu kämpfen wie Piloten in herkömmlichen Einsätzen. Das berichtet die "New York Times". Viele Drohnenpiloten fahren nach ein paar Stunden Kriegseinsatz nach Hause wie normale Schichtarbeiter. Trotzdem sind sie laut Studie von Angststörungen, Depression, posttraumatischem Stress, Drogenmissbrauch und Suizidgedanken ähnlich oft betroffen wie Kampfflieger.

Für die bisher einmalige Studie im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums wurden die elektronischen Krankenakten von 709 Drohnenpiloten aus den Jahren 2003 bis 2011 ausgewertet, ebenso die Krankenakten von 5256 Piloten bemannter Flugzeuge. Ausgewertet wurden damit die Befunde von Ärzten. Vorherige Untersuchungen hatten sich zum Teil nur auf Berichte von Betroffenen gestützt, schreibt die "New York Times".

Das Ergebnis der Untersuchung des Armed Forces Health Surveillance Center: Zwischen den Piloten, die Flugzeuge steuern, und denen, die Drohnen fernsteuern, gebe es hinsichtlich der Diagnosen kaum einen Unterschied. Die mentalen Probleme der beiden Berufsgruppen seien aber geringer als die des übrigen Air-Force-Personals.

Eine Autorin der Studie hatte erwartet, dass der Einsatz vor dem Bildschirm sogar noch größere gesundheitliche Folgen haben könnte: Schließlich würden die Piloten der Drohnen sehen, was sie kaputt schießen, während die Piloten in ihren Flugzeugen schnell wegfliegen. Das hatte vor einiger Zeit auch der US-Militärexperte P.W. Singer in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE vermutet.

Während erste Ergebnisse der Studie tatsächlich darauf hindeuteten, ergab eine Bereinigung der Daten um Faktoren wie Alter, Anzahl der Einsätze und vorherige mentale Probleme dann aber ein ähnliches Bild wie bei Kampffliegern. Derzeit, berichtet die Zeitung weiter, bildet die Air Force mehr Drohnenpiloten aus als Jagdflieger und Bomberpiloten zusammen. 2015 soll die Zahl der Drohnenpiloten die der Bomberpiloten übertreffen.

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Moewi 23.02.2013
1.
Das ist ja furchtbar! Die armen Drohnenpiloten mit ihrer 150%-nur militärische-Treffer-Erfolgsquote sind also genauso gestresst wie die glücklosen Helden, die Hochzeitsgesellschaften bombardieren? Wer hätte das gedacht? Vielleicht ist es gesünder, als Kollateralschaden umzukommen: Man ist zwar früher tot, dafür aber total ungestresst. Echt ey: Die armen Piloten. So'n Mist, aber auch, jetzt muss ich mich heute abend in den Schlaf weinen.
vask 23.02.2013
2.
Wirkt auf mich wie ein Versuch den öffentlichen Gegenwind zu entschärfen und diese neue Strategie nicht wie völlig "abstrahiertes" Töten wirken zu lassen. "Schließlich würden die Piloten der Drohnen sehen, was sie kaputt schießen" Wenn ich sowas lese frage ich mich aber auch, was das für zartbesaitete Leute sind, die sich da entschließen Soldat zu werden. Dass das kein Ponyhof-Besuch ist, sollte doch jedem klar sein.
Dr_EBIL 23.02.2013
3. Ptsd
Oft eine Umschreibung für Schuldgefühle. Wenn man sich die nicht freigegebenen Informationen der US-Regierung zusammenpuzzelt, sind schon ca. 3000 Zivilisten gestorben und in fast jedem Kampfeinsatz sterben Zivilisten. Logisch, wenn man eine Rakete mit enormer Sprengkraft in eine Struktur mit Menschen jagt, wo man Terroristen. Bei den sogenannten Signature Strikes können es auch mal 100 % Zivilistenquote sein. Wenn die Dronen mit ihren unscharfen Kameras z.b. etwas sehen, dass aussieht wie ein Gewehr greifen sie an. Dazu kommt noch das dual tab, also sie schiessen auf Helfer, die Verwundete bergen wollen, weil sie annehmen, das müssten Freunde der Terroristen sein. Interessant finde ich auch die Aufteilung der Arbeit. Es gibt den Spotter und den Shooter. Der Spotter oder Späher befielt immer dem Schützen abzudrücken. Das senkt die Hemmschwelle. Der Schütze sagt: "ich habe ja nur abgedrückt auf Befehl" Der Späher sagt: "Ich habe nicht abgedrückt." Bis Nachts die bösen Träume kommen. Aber nicht bei allen. Es ist eine Minderheit der Soldaten. Manche Menschen sind auch einfach wirklich nur böse. Z.B. John Brennan, der Chef der CIA, der diese Morde ständig verteidigt und sich gleichzeitig Katholik nennt. (PTSD kann man auch kriegen, wenn man in eine traumatische Situation gerät ohne eigenes Zutun. Aber das ist bei Drohnenpiloten nicht der Fall.)
trompetenmann 23.02.2013
4. Wundert mich eigentlich nicht.
Interessant ist die Frage, ob die Nähe zur Familie durch den Kriegseinsatz im Schichtdienst eher positiven oder eher negativen Einfluss hat? Könnte mir vorstellen, dass es die Situation nicht unbedingt einfacher macht, wenn die räumliche Dinstanz zum Kriegsschauplatz fehlt.
quark@mailinator.com 23.02.2013
5. ...
Irgendwann kommt der Krieg auch zu denen nachhause ... nur leider wird es vermutlich eher unschuldigere Bürger treffen. Dieses Töten aus 100%iger Sicherheit ist amoralisch und gehört verboten. Erst wenn man sein eigenes Fell riskiert bemüht man sich hinreichend um die Frage, ob ein bestimmter Angriff auch wirklich sein muß und moralisch gerechtfertigt ist. Wenn nur Dollars auf dem Spiel stehen, fällt das Töten viel zu leicht. Wer sich für so einen "Job" hergibt, hat ganz andere mentale Probleme als "nur" PTSS, der sollte mal seinen Wertekompass neu justieren. Leider werden dadurch solche Abteilungen von Natur aus nur mit Leuten besetzt, die auf bestimmte Weise ticken. Am Ende landet sowas in Nürnberg und Den Haag.
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