Supervirus Tödlicher Erreger aus dem Labor

Hochgefährlich wie die Vogelgrippe - gleichzeitig ansteckend wie ein banaler Schnupfen: Niederländische Forscher züchten im Labor ein Virus, das für großes Aufsehen sorgt - und die Sorge über möglichen Bioterrorismus schürt. Seither tobt eine Debatte: Dürfen die Daten veröffentlicht werden?

Mikroskop-Aufnahme eines Influenzavirus: Gefährliche Mutationen befürchtet
REUTERS/ CDC

Mikroskop-Aufnahme eines Influenzavirus: Gefährliche Mutationen befürchtet


In den Augen vieler Virologen ist es ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen drohende Seuchen, die der Menschheit eines Tages zum Verhängnis werden könnten: Im November wird bekannt, dass Forscher aus Rotterdam um den Molekularbiologen Ron Fouchier im Labor eine besonders gefährliche Variante des Vogelgrippevirus H5N1 gezüchtet haben.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass nur fünf Mutationen im Erbgut von H5N1 genügen, um die Eigenschaften des Erregers so zu verändern, dass er seinen Wirt nicht nur sehr effizient töten kann, sondern dass er auch noch ebenso ansteckend wie Schnupfen ist.

Die Ergebnisse sorgen für eine heftige Kontroverse - und ein riesiges Medienecho: Dürfen die Resultate öffentlichgemacht werden? Oder könnten sie in die falschen Hände geraten und als Bauplan für eine Biowaffe missbraucht werden? Und sie werfen eine weitere brisante Frage auf: Wie verhindert man, dass ein solch gefährliches Virus nicht versehentlich aus dem Labor entfleucht?

Dazu fällte das Gremium der US-Regierung für Biosicherheit (National Science Advisory Board for Biosecurity, NSABB) ein Urteil, das bisher beispiellos ist. Es forderte Wissenschaftsmagazine dazu auf, bestimmte Details der Fouchier-Experimente - darunter auch die Sequenzdaten des Virenerbguts, nicht zu veröffentlichen. Das Journal "Science", bei dem Fouchier das Manuskript seiner Studien eingereicht hat, ist diesbezüglich noch zu keiner Entscheidung gekommen. Derzeit prüfen Experten, wie man einerseits das Recht der Fachwelt auf wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse bewahren kann - ohne dabei die Bevölkerung einer potentiellen Gefahr auszusetzen.

An dieser Stelle wird die Wissenschaftsgemeinde eine große Verantwortung übernehmen müssen.

cib

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