Technikpanne Massenhaft Organspender-Daten in Großbritannien vertauscht

Herz statt Hornhaut, Lunge statt Leber: Informationen britischer Organspender könnten wegen eines technischen Defekts massenhaft vertauscht worden sein. Bis zu 800.000 Fälle sollen laut einem Zeitungsbericht fehlerhaft in der nationalen Datenbank abgelegt sein - jetzt ermitteln die Behörden.

OP-Besteck: 14 Millionen Spendenwillige in Großbritannien
Corbis

OP-Besteck: 14 Millionen Spendenwillige in Großbritannien


London - Schock für britische Organspender: Die nationale Datenbank für Spendeneinträge ist von einem folgenschweren technischen Fehler betroffen. Die von Spendern angegebenen Wünsche könnten vertauscht worden sein, erklärte der Nationale Dienst für Gesundheit, Blut und Transplantationen am Wochenende. Dem Problem werde jetzt nachgegangen.

Um wie viele Fälle es sich dabei handelt, gab die Behörde nicht bekannt. Insgesamt werden in der Liste 14 Millionen Spendenwillige geführt. Der britischen Zeitung "Sunday Telegraph" zufolge könnten davon 800.000 Spender betroffen sein. 45 von ihnen sind inzwischen verstorben.

Ihnen wurden nach dem Tod Organe entnommen. Doch ob es sich dabei um die richtigen handelte, ist jetzt ungewiss. Denn der Fehler in der Datenbank könnte eben dies verhindert haben: So werden möglicherweise Menschen, die beispielsweise ihre Lunge oder Haut spenden wollten, in der Liste als Spender für Augenhornhaut oder Herzen geführt.

Eine Behördensprecherin wollte die Zahlen aus dem "Sunday Telegraph" nicht kommentieren. Man gehe aber davon aus, dass nur eine geringe Zahl der potentiellen Organspender von dem Irrtum betroffen sein könnten.

Schwerer Schlag für die britische Regierung

Die Zeitung schreibt, dass bereits 400.000 potentielle Spender kontaktiert worden seien. Mit weiteren 400.000 soll in Kürze Kontakt aufgenommen werden, um die Daten zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Der Datenbankfehler könnte bereits 1999 entstanden sein, schreibt der "Sunday Telegraph" weiter. Damals seien Daten der Verkehrsbehörde in den Datenbestand des Nationalen Dienstes für Gesundheit, Blut und Transplantationen eingepflegt worden.

Der Vorfall kommt zur Unzeit für die britische Regierung, die mehr Bürger zum Spenden ermuntern will. So plant der britische Premierminister Gordon Brown derzeit das spanische System im eigenen Land einzuführen. In Großbritannien gilt bislang die sogenannte Zustimmungslösung für Organspender, in Spanien die Widerspruchslösung.

So kommt jeder Bürger in Spanien als Organspender in Frage - es sei denn, er hat sich vorher ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Bei der in Großbritannien - und auch Deutschland - geltenden Regelung muss jeder, der sich zur Spende bereiterklärt, dies durch einen Spenderausweis nachweisen.

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