Hinrichtungen per Giftspritze: Deutscher Hersteller beschränkt Narkosemittel-Export in die USA

Henker in den USA wollen das Narkosemittel Propofol für ihre Todesspritzen nutzen - hergestellt wird es durch Fresenius Kabi aus Hessen. Nach Protesten von Menschenrechtsaktivisten beschränkt Fresenius nun den Export - die EU Kommission prüft die Aufnahme des Mittels in die Anti-Folter-Verordnung.

Narkosemittel Propofol: "Wir beliefern keine Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden" Zur Großansicht
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Narkosemittel Propofol: "Wir beliefern keine Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden"

Hamburg - Das Narkosemittel Propofol, das einige amerikanische Strafvollzugsbehörden für die Giftcocktails bei Hinrichtungen einsetzen wollen, werden die Beamten in US-Gefängnissen wohl nicht nutzen können. Der Hersteller Fresenius Kabi aus Hessen hat den Export seines Narkosemittels Propofol in die USA eingeschränkt.

Aufgrund von Lieferschwierigkeiten anderer Hersteller ist Fresenius Kabi momentan der einzige Anbieter von Propofol in den USA. Die FDA hat das Medikament auf die Liste der von Lieferengpässen bedrohten Arzneimittel ("drug shortages") gesetzt. In den nächsten Wochen will allerdings der amerikanische Wettbewerber Hospira seine Propofol-Produktion in den USA, die wegen technischer Probleme unterbrochen war, wieder aufnehmen.

"Wir werden die Zahl unserer Großhändler in den USA reduzieren", bestätigt Fresenius-Sprecher Joachim Weith SPIEGEL ONLINE. Aktuell waren dies über 30 - schließlich gelte es, Propofol schnell für über 15.000 Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen in den USA bereit halten zu können - es ist eines der am häufigsten eingesetzen Narkosemittel weltweit.

Fresenius arbeite ab sofort nur noch mit 13 Händlern zusammen, diesen werde vertraglich untersagt, Propofol an Gefängnisse oder Strafvollzugsbehörden weiterzugeben. Bei Vertragsverletzung drohten harte Strafen, sagt Weith - der Händler verliere umgehend das Recht, Propofol zu vertreiben. Das klinge vielleicht nicht nach einer besonders harten Maßnahme, so der Konzernsprecher, tatsächlich lägen die Umsatzeinbussen für den betroffenen Händler dann im siebenstelligen Bereich. "Wir wollen sicherstellen, dass Propofol nicht auf legalen Wegen in Gefängnisse gelangen könne", sagt Weith. Illegale Wege könne man niemals verhindern.

EU überarbeitet Anti-Folter-Verordnung

Noch im Juni hatte Fresenius Kabi, eine Tochter des gleichnamigen DAX-Konzerns, auf Anfrage erklärt, den Export in die USA nicht einschränken zu wollen. Allein in den USA komme der weltweit eingesetzte Wirkstoff in mehr als 15.000 Krankenhäusern, Arztpraxen, Zahnarztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen rund 50 Millionen Mal pro Jahr zum Einsatz. Es sei "faktisch nicht machbar", die Lieferung in die USA so zu steuern, dass verhindert werden kann, dass das Narkosemittel auch für Todesspritzen missbraucht wird.

Die Maßnahmen von Fresenius sind auf Initiative von Menschenrechtsorganisationen wie der britischen Initiative "Reprieve" und Amnesty International zustande gekommen. Die EU-Kommission überarbeitet aktuell ihre Anti-Folter-Verordnung. "Wir hoffen auf eine Neufassung im nächsten Jahr. Aber noch kann ich nicht sagen, ob es gerechtfertigt sein wird, Propofol auf die Liste zu setzen oder nicht. Man muss erst sehen, ob es tatsächlich für Hinrichtungen benutzt wird", erklärte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton.

nik/dpa

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1. Soso...
niemat 12.09.2012
Zitat von sysopHenker in den USA wollen das Narkosemittel Propofol für ihre Todesspritzen nutzen - hergestellt wird es durch Fresenius Kabi aus Hessen. Nach Protesten von Menschenrechtsaktivisten beschränkt Fresenius nun den Export - die EU Kommission prüft die Aufnahme des Mittels in die Anti-Folter-Verordnung. Todesspritze: Fresenius beschränkt Propofol-Export in die USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,855308,00.html)
... es wird angedacht Propofol in die Anti-Folter-verordnung der EU aufzunehmen. Sind ja ganz witzige dort. Ich hoffe es folgen noch Zytostatika, Insuline, Barbiturate, Opioide, Antikoagulantien, Katecholamine, Plasmaexpander, Diuretika etc. etc..
2. Was ist das denn für Schwachsinn ?
iffel1 12.09.2012
Fresenius darf sich nicht vorschreiben lassen und selbst anderen auch nicht vorschreiben, an wen das Narkosemittel ausgeliefert wird, wenn das legal ist. Und offenbar kommt doch sowieso jeder ran, wie man bei Mikle Jackson gesehen hat.
3. Ja genau
caneslunarum 12.09.2012
nach dem die US Geheimdienste mit Wasser sogar foltern (Waterboarding) sollte man auch Wasser auf irgendsoeine Liste setzen und scharf überwachen versteht sich
4. In Hessen hergestellt? Wie passend!
Federal-States-Of-Europe 12.09.2012
Das Mittel wird also in Hessen hergestellt, dem einzigen Bundesland der Bundesrepublik Deutschland, in dem es die Todesstrafe in der Tat noch gibt, nur nicht angewendet wird, da Hessen dem Bund beigetreten ist und die Bundesgesetze dem Landesgesetz überstehen. Aber passend ist es wohl trotzdem, oder?
5. Titel:Henker
kdshp 12.09.2012
Zitat von sysopHenker in den USA wollen das Narkosemittel Propofol für ihre Todesspritzen nutzen - hergestellt wird es durch Fresenius Kabi aus Hessen. Nach Protesten von Menschenrechtsaktivisten beschränkt Fresenius nun den Export - die EU Kommission prüft die Aufnahme des Mittels in die Anti-Folter-Verordnung. Todesspritze: Fresenius beschränkt Propofol-Export in die USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,855308,00.html)
Hallo, wie lächerlich ist das denn? Aber als 2 größter waffenlieferant dürfen wir weiter machen.
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Fotostrecke
Todesspritze: Kein Gift mehr aus Europa

Methoden der Vollnarkose
Gasnarkose
Die Gasnarkose ist die älteste Form der Narkose, angewandt wird sie bis heute. Die am häufigsten eingesetzten Gase sind Sevofluran, Desfluran oder Isofluran.

Narkosegase machen wie auch Injektions-Narkosemittel immer nur einen Teil der Narkose aus. Weil die Schlafmittel Schmerzen nur schlecht oder gar nicht lindern, muss der Narkosearzt zusätzlich Schmerzmittel einsetzen, meist werden sogenannte Opioide verwendet.

Die Narkosegase atmet der Patient über die Lunge ein, ihre Wirkung entfaltet sich im Gehirn. Der Anästhesist orientiert sich für die Narkosetiefe an der Konzentration des Narkosegases in der Atemluft des Patienten.

Lange Zeit bewirkten Gasnarkosen beinahe regelmäßig Übelkeit und Erbrechen nach der Operation. Mittlerweile haben Narkoseärzte verschiedene Möglichkeiten, dieses Risiko zu senken.
Injektionsnarkose
Mittlerweile werden viele Narkosen mit Hilfe von über die Vene verabreichten Medikamenten durchgeführt. Der Patient schläft entweder nur durch diese Mittel oder bekommt zusätzlich noch Narkosegas. Das bekannteste intravenöse Schlafmittel ist Propofol. Injektions-Schlafmittel nehmen keine Schmerzen, weswegen auch sie mit Schmerzmitteln kombiniert werden müssen.

Bei Injektionsnarkosen ist das Risiko von Übelkeit und Erbrechen nach der Operation geringer als bei Gasnarkosen. Anders als bei Narkosegasen kann bei injizierten Medikamenten allerdings nicht genau gemessen werden, wie hoch die Konzentration des Schlafmittels im Blut gerade ist. Der Anästhesist orientiert sich an den klinischen Zeichen des Patienten: Blutdruck, Puls, Schwitzen, Tränenfluss oder Bewegungen.
Überwachung
Bei allen Vollnarkosen überwacht ein Anästhesist schon vor dem Einschlafen des Patienten eine Vielzahl von Körperfunktionen. Während der gesamtem Operation passt er auf Atmung, Schlaftiefe und Kreislauf auf.

Dazu werden ständig Blutdruck und Puls gemessen, ein EKG geschrieben, bei verschiedenen Operationen auch ein vereinfachtes EEG (Hirnstrommessung). Klinische Zeichen wie Schwitzen, Tränenfluss oder Bewegungen geben dem Anästhesisten weitere Hinweise, wie tief die Narkose sein muss.

Im Aufwachraum kontrollieren Anästhesisten und Pflegekräfte auch nach dem Wachwerden noch, wie es dem Patienten geht.
Beatmung
Während Vollnarkosen muss der Patient immer vom Anästhesisten beatmet werden, denn in der tiefen Narkose atmet der Körper nicht mehr von selbst. Dazu bekommt der Patient normalerweise einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingelegt, wenn er bereits schläft. In vielen Fällen reicht heute auch eine Beatmungsmaske, die nur in den Mund-Rachen-Raum geschoben wird.