Frühchen-Tod an Bremer Klinik: Schwere Mängel auf allen Ebenen

Am Klinikum Bremen-Mitte starben drei Frühchen, doch die Ursache des Keimskandals bleibt unklar. Der am Montag veröffentlichte Abschlussbericht der Bremischen Bürgerschaft macht jedoch auf erhebliche Mängel aufmerksam. Dem Krankenhaushygieniker fehlte die Qualifikation.

Klinikum Bremen-Mitte: Auf der Frühchenstation starben Babys an multiresistenten Keimen Zur Großansicht
dapd

Klinikum Bremen-Mitte: Auf der Frühchenstation starben Babys an multiresistenten Keimen

Bremen - Der Skandal um den Keimausbruch, in dessen Folge drei Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte starben, findet mit dem Abschlussbericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ein vorläufiges Ende. Die Folgen für das Krankenhaus sind allerdings langfristig: Die Geburtsstation bleibt geschlossen.

Die genauen Hintergründe des Ausbruchs multiresistenter Bakterien zu benennen, war nicht möglich, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Abschlussbericht. Es seien jedoch zum Teil erhebliche Hygienemängel in der Klinik und Hygienemanagement-Fehler beim Krankenhausverbund Gesundheit Nord festgestellt worden, schreiben Experten des Ausschusses.

Der Krankenhaushygieniker am Klinikum Bremen-Mitte habe nicht die erforderliche ärztliche Qualifikation gehabt, kritisierten die Abgeordneten. Die Besetzung der Intensivstation für Neugeborene mit Pflegepersonal sei problematisch gewesen. Der Keimausbruch sei wegen mangelhafter Dokumentation zu spät erkannt und das Gesundheitsamt zu spät informiert worden. Das Gesundheitsamt habe die Einhaltung von Hygienestandards in den bremischen Krankenhäusern nicht überprüft.

Es fehlte an Struktur und Kompetenz

Der Krankenhaushygieniker Walter Popp, der im Auftrag der Staatsanwaltschaft ein Gutachten erstellt hatte, befand Bremens Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) an dem Hygieneskandal mitschuldig. Ihre Behörde und die Geschäftsführung des Klinikverbunds würden die meiste Verantwortung für die Missstände tragen, sagte Popp vor dem Untersuchungsausschuss im Oktober.

So seien Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention nicht befolgt worden. Diese hätten etwa eine bessere personelle Ausstattung auf der Frühchenstation vorgesehen. Wären die Empfehlungen, die allerdings rechtlich erst ab 2016 gelten, umgesetzt worden, wären weniger Schäden aufgetreten, so Popp.

Moralisch sei die Behörde bereits jetzt schon verpflichtet gewesen, das Personal aufzustocken. Denn bei dem bestehenden Betreuungsschlüssel sei die notwendige Desinfektion der Hände vor jeder neuen Berührung mit einem Kind unmöglich. Die Mitarbeiter der Klinik trügen die geringste Verantwortung für die Hygienefehler, so Popp. Sie seien angesichts der personellen Unterbesetzung überfordert gewesen. Zudem habe es nicht genügend Hygienefachkräfte gegeben.

Drei Frühgeborene waren 2011 am Klinikum Bremen gestorben, viele Babys erkrankten. Auch nach dem Umbau und einer umfangreichen Desinfektion der Frühchenstation war der gefährliche Darmkeim 2012 wieder aufgetaucht, wieder erkrankten Kinder. Die Abteilung wurde geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Chefarzt der Frühgeborenenstation. Die Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) hatte bislang eine persönliche Verantwortung zurückgewiesen.

nik/dpa/afp

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