Berliner Klinik: Frühchen-Leiche an Charité verschwunden

Durch eine Obduktion sollte die Todesursache eines Frühchens geklärt werden, das an der Berliner Charité gestorben war. Doch die Leiche des Kindes ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit nicht auffindbar.

Virchow-Klinikum Berlin: Staatsanwaltschaft plante Obduktion des toten Frühchens Zur Großansicht
dapd

Virchow-Klinikum Berlin: Staatsanwaltschaft plante Obduktion des toten Frühchens

Berlin - Die Ereignisse an der Charité überschlagen sich: Ärzte und Hygiene-Experten gehen ersten Hinweisen nach, die zur Ursache der tödlichen Infektion eines Frühgeborenen führen könnten. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Dann wurde am Dienstag ein Gynäkologe der Klinik von Unbekannten zusammengeschlagen. Am Mittwoch schließlich erklärte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, die Leiche des gestorbenen Frühchen sei derzeit nicht auffindbar.

"Die Leiche ist nicht da", antwortete er auf die Frage nach dem Obduktionsergebnis. Weitere Angaben wollte er zunächst nicht machen. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte zu Wochenbeginn die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. Das Frühgeborene war am 5. Oktober nach der Infektion mit einem sogenannten Serratia-Keim gestorben.

Das mit einem Herzfehler geborene Kind war am Deutschen Herzzentrum erfolgreich operiert worden. Danach war jedoch die Darmkeim-Infektion, die es sich vermutlich auf einer Frühgeborenen-Station der Uni-Klinik Charité zugezogen hatte, aufgekommen. Die Todesursache sollte durch eine Obduktion geklärt werden.

Charité verteidigt Personal

Petra Gastmeier, Leiterin des Hygiene-Instituts der Charité, räumte am Dienstag ein, dass es "die eine oder andere verpasste Handdesinfektion" gegeben haben könnte. Aber auch dem Hinweis von Eltern werde nachgegangen, dass möglicherweise ein Babybad als Keimquelle in Frage komme. Im September gab es eine Rückrufaktion von zwei Anbietern.

Außerdem wurde bekannt, dass sich bereits im Juli zwei Frühchen an der Charité mit den Darmkeimen, die für das herzoperierte Frühgeborene am 5. Oktober tödlich waren, angesteckt haben, ergänzte Gastmeier. Eines dieser Kinder habe sich bei seiner Mutter infiziert, die Ursache für die Erkrankung des zweiten Babys im Krankenhaus sei noch unklar. Auch ist bislang offen, ob der Ausbruch im Oktober auf die Fälle im Juli zurückgeht oder neue Ursachen hat.

Gastmeier verteidigte das Hygieneverhalten des Krankenhauspersonals. Untersuchungen hätten ergeben, dass eine Übereinstimmung von 92 bis 93 Prozent mit den Hygienevorschriften auf den betroffenen Stationen vorliegt. Frei wies darauf hin, dass 250 Frühchen-Patienten zur fraglichen Zeit auf der Station gelegen hätten, ohne sich infiziert zu haben.

Mittlerweile gebe es auf drei Frühgeborenenstationen der Charité und auf zwei Stationen des Deutschen Herzzentrums einen Aufnahmestopp, weil dort infizierte Kinder lägen. Die Kinder haben allesamt gut auf die Behandlung mit Antibiotika angesprochen, heißt es.

nik/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
pennywise_the_clown 24.10.2012
Zitat von sysopDurch eine Obduktion sollte die Todesursache eine Frühchens geklärt werden, das an der Berliner Charité gestorben war. Doch die Leiche des Kindes ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit nicht auffindbar. Totes Frühchen an Charité: Leiche des Kindes verschwunden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/totes-fruehchen-an-charite-leiche-des-kindes-verschwunden-a-863123.html)
Eine Leiche ist nicht mehr auffindbar ?! Klar bei der Obduktion kömmte ja ein Kunstfehler hrauskommen. Wenn es bei diesem Verschwinden bleibt, müsste der Richter mit Strafen reinhauen die die betroffen noch jahrelang wimmern lassen.
2. so ein quatsch
shark65 24.10.2012
Zitat von pennywise_the_clownEine Leiche ist nicht mehr auffindbar ?! Klar bei der Obduktion kömmte ja ein Kunstfehler hrauskommen. Wenn es bei diesem Verschwinden bleibt, müsste der Richter mit Strafen reinhauen die die betroffen noch jahrelang wimmern lassen.
Ein Kunstfehler bei einem Infektionstod? You made my day
3. O weiowei,
Annabelle1811 24.10.2012
das sieht nach einer größeren Story aus, noch dazu, wo der Obergynäkologe von Unbekannten verprügelt worden ist.
4. eben... deswegen...
Annabelle1811 24.10.2012
Zitat von shark65Ein Kunstfehler bei einem Infektionstod? You made my day
Vielleicht war das nicht der Fall und es wird etwas völlig anderes dadurch rauskommen.
5. eieiei......
senfdazu 24.10.2012
...und die 7-8% reichen locker für den Start einer Infektionskette....es ist immer das Selbe. Immungeschwächte patienten in einem Krankenhaus, besonders ganz Junge und ganz Alte, benötigen 100% Hygiene ! - Gibt es nicht ? - Dann muss mit Toten gerechnet werden....
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Medizin
RSS
alles zum Thema Krankenhäuser
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 35 Kommentare
Fotostrecke
Bakterien: Winzige Mitbewohner im Darm

Fotostrecke
Hygiene im Krankenhaus: Keine Transparenz im Kampf gegen Keime

Die Autorin auf Twitter: