Transplantation: US-Soldat ohne Gliedmaßen bekommt neue Arme

Bei einem Anschlag im Irak wurde der US-Soldat Brendan Marrocco vor vier Jahren schwer verletzt. Er verlor alle vier Gliedmaßen. Nun bekam er die Arme eines Toten transplantiert. Medizinisches Neuland ist der Eingriff nicht - aber ein emotionales Thema in den USA.

Washington - Es ist ein Fall, der Amerika bewegt: Vor vier Jahren verlor der Soldat Brendan Marrocco bei einer Bombenexplosion im Irak seine vier Gliedmaßen. Nun sind ihm die beiden Arme eines Toten transplantiert worden. "Es fühlt sich unglaublich an. Ich habe so lange darauf gewartet", sagte der 26-Jährige im Johns Hopkins Hospital in Baltimore, wo er operiert wurde.

Medizinisch ist der Eingriff kein Neuland: Im Münchner Klinikum rechts der Isar glückte solch eine Transplantation bereits im Sommer 2008. Seitdem hat es zahlreiche weitere Armverpflanzungen gegeben. Auch zwei Beine verpflanzten Mediziner bereits. Die Operation in Baltimore ist deswegen vor allem ein emotionales Thema in den USA, wo es zahlreiche Kriegsveteranen mit ähnlichen Verletzungen wie Brendan Marrocco gibt.

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Transplantation: Zwei Arme für Brendan Marrocco
Der Aufwand für die Transplantation, die erste ihrer Art in Baltimore, war immens: An dem 13-stündigen Eingriff im Dezember seien 16 Chirurgen beteiligt gewesen, erklärte der leitende Arzt W.P. Andrew Lee nach einem "CNN"-Bericht. In den vergangenen anderthalb Jahren habe das Team die Prozedur insgesamt viermal geübt.

Dem Patienten stehe nun eine sehr harte und lange Rehabilitation bevor, erklärten die Mediziner. Die Nerven regenerierten sich nur sehr langsam. "Die nächsten zwei bis drei Jahre wird die Handtherapie Brendans Vollzeitjob sein. Sechs Stunden am Tag, jeden einzelnen Tag, sobald die Nerven genügend gewachsen sind", sagte Transplantationsmedizinerin Jaimie Shores. "Er wird sehr hart arbeiten müssen."

Marrocco, der bereits Beinprothesen benutzt, strahlte vor der Presse dennoch demonstrativ Zuversicht aus - und rief andere in einer ähnlichen Lage auf, niemals die Hoffnung aufzugeben: "Das Leben wird immer besser. Du lebst noch, sei einfach hartnäckig und arbeite hart." Er selbst werde es auch machen. Auf seinen größten Wunsch angesprochen, antwortete Marrocco: "Ich habe Autofahren geliebt. Ich freue mich darauf, es wieder tun zu können." Außerdem wolle er wieder Sport treiben können.

chs/dpa

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