Transplantationen in Deutschland Zahl der Organspender steigt auf Rekordniveau

Knapp 1300 Menschen wurden im vergangen Jahr in Deutschland nach dem Tod die Organe entnommen. Die Zahl der Transplantationen stieg damit im Vergleich zum Vorjahr leicht an. Doch die Mehrheit der Deutschen besitzt keinen Organspendeausweis.

Organentnahme an der Uniklinik Jena: Rund 8000 Deutsche benötigen eine neue Niere
dpa

Organentnahme an der Uniklinik Jena: Rund 8000 Deutsche benötigen eine neue Niere


Frankfurt am Main - Die Zahl der Organspenden hat 2010 einen Rekord erreicht. "Noch nie konnte in Deutschland so vielen Patienten mit einer Transplantation geholfen werden wie im vergangenen Jahr", berichtete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in Frankfurt. "Nach dem Einbruch der Organspendezahlen 2008 und dem Stillstand 2009 geht es nun wieder aufwärts."

Nach den vorläufigen Zahlen für 2010 wurden 1296 Menschen nach ihrem Tod Organe entnommen - damit zählte die DSO 79 Spender mehr als im Vorjahr. Die Zahl der gespendeten Organe stieg von 3897 auf 4205. "Mit jeder Organspende retten wir Menschenleben", betonte der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste. So wurden im vergangenen Jahr 4326 Organe von toten Spendern verpflanzt - 275 mehr als im Jahr zuvor. 12.000 Patienten stehen jedoch weiterhin auf der Warteliste. Zwei Drittel von ihnen benötigen eine neue Niere.

Die Koordinierungsstelle freut sich vor allem über die positiven Entwicklungen in der Mitte Deutschlands. In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland stieg die Zahl der Organspender um mehr als 45 Prozent. Das zeige, dass auch in anderen Regionen noch "genügend Potential vorhanden ist", glaubt Kirste. Um weiter voran zu kommen, müssten alle beteiligten Institutionen "ihre Aufgaben verbindlich erfüllen".

Die DSO wünscht sich zum Beispiel, dass die Rahmenbedingungen zur Meldepflicht der Krankenhäuser bundesweit vereinheitlicht werden. "Potentielle Organspender müssen verlässlich erkannt und deren Wille umgesetzt werden. Deshalb brauchen wir mehr Verbindlichkeiten für alle Partner im System."

Aufmerksamkeit durch Steinmeiers Nierenspende

Neuen Schwung erhofft sich die DSO auch von der großen Aufmerksamkeit, für die im vergangenen Jahr die Nierenspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier gesorgt hat. Rund jede fünfte in Deutschland transplantierte Niere stammt von einem lebenden Spender: Da Menschen zwei Nieren besitzen, ist es möglich, dass Gesunde eins dieser Organe zur Transplantation zur Verfügung stellen. In der aktuellen Statistik der DSO tauchen diese allerdings nicht auf, da sie sich nur auf Organe toter Spender bezieht.

Laut einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat die Spendebereitschaft grundsätzlich zugenommen. Stimmten vor zwei Jahren auf Nachfrage 67 Prozent der 14- bis 75-Jährigen einer Organspende zu, stieg ihr Anteil zuletzt auf 74 Prozent. Dennoch haben nach unterschiedlichen Angaben nur 14 bis 25 Prozent einen Spenderausweis.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland laut DSO mit einer Quote von jährlich rund 16 Organspendern pro eine Million Einwohner deutlich zurück. In Belgien, den USA, Österreich, Frankreich, Italien und Finnland sind es mehr als 20, in Spanien sogar 34.

wbr/dpa



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