Boston/Hamburg - Doppelte Handtransplantationen sind nach wie vor eine Seltenheit, weltweit ist das in den letzten eineinhalb Jahrzehnten ein knappes Dutzend Mal gelungen. Richard Mangino, der sich in einem Bostoner Krankenhaus nur eine Woche nach seiner Operation der Presse vorstellte, ist guter Hoffnung, dass man ihn in Zukunft dazuzählen wird: Wenige Tage nach der komplizierten Operation gelang es ihm bereits, einige Finger leicht zu bewegen. Noch sind seine Hände gefühllos, doch seine Chancen stehen gut, dass sich das im Lauf der Zeit ändert.
Seine Ärzte rechnen mit sechs bis neun Monaten, vergangene Fälle zeigten aber, dass das auch deutlich länger dauern kann. Für Mangino ist das Ganze trotzdem schon jetzt eine Art Happy Ending zu einer persönlichen Katastrophe: 2002 entwickelte er durch von Nierensteinen ausgelöste Komplikationen eine Sepsis. Die Ärzte retteten sein Leben, mussten aber alle vier Gliedmaßen unterhalb von Ellenbogen und Knien amputieren.
Inzwischen ist Mangino 65 und Großvater. Jetzt hofft er darauf, einmal seinem Enkel über den Kopf streichen zu können und vielleicht sogar einmal Bälle für ihn zu werfen.
Handtransplantationen sind auch rund 15 Jahre nach den ersten erfolgreichen Versuchen alles andere als Routine. An Richard Manginos Operation nahmen rund 40 Ärzte teil, die ganze Prozedur dauerte etwa zwölf Stunden. Bei solchen Operationen kommt es darauf an, wirklich für alles eine Verbindung zu finden - von Haut über Muskeln, Sehnen und Knochen bis hin zu den einzelnen Blutgefäßen.
Zuletzt machte eine doppelte Handtransplantation im Mai 2011 weltweit Schlagzeilen: Bei einer Frau, die von einem Schimpansen angegriffen worden war, hatten Ärzte nicht nur beide Hände, sondern auch ein Gesicht transplantiert. Obwohl die Operation zunächst als Erfolg verbucht worden war, kam es bei den Händen zu Komplikationen, nachdem die Patientin an einer Lungenentzündung erkrankte. Die transplantierten Hände mussten daraufhin wieder entfernt werden.
pat/reuters
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