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Traumaforschung: Schrecken brennt sich schnell ins Gehirn

Traumatische Erlebnisse verändern die Gehirnaktivität binnen weniger Tage. Dies ergab eine Studie mit Überlebenden des Sichuan-Bebens in China. Betroffene wiesen in mehreren Gehirnarealen andere Aktivitätsmuster auf als Menschen ohne ein solches Schockerlebnis.

Stadt Beichuan in der Provinz Sichuan (August 2008): Überlebende trauern um Familienmitglieder, die bei dem schweren Beben ums Leben gekommen sind Zur Großansicht
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Stadt Beichuan in der Provinz Sichuan (August 2008): Überlebende trauern um Familienmitglieder, die bei dem schweren Beben ums Leben gekommen sind

Washington - Um die Wirkung traumatischer Erlebnisse zu untersuchen, unterzogen die Forscher 44 gesunde Überlebende des Sichuan-Bebens einer Magnetresonanztomografie. Bei den schweren Erdstößen im Mai 2008 waren fast 70.000 Menschen gestorben. Auf den Hirnscans entdeckten die Hirnforscher, dass besonders das Zusammenspiel zwischen den Gehirnregionen eingeschränkt ist. Dadurch sei die Funktion des Gehirns beeinträchtigt, berichtet das Team um Su Lui von der Universität Sichuan in Chungdu im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Während der Untersuchung fielen den Wissenschaftlern veränderte Aktivitätsmuster auf, selbst wenn die traumatisierten Menschen nicht bewusst an das Erdbeben dachten. Forscher hatten bereits herausgefunden, dass beim wiederholten Durchleben von negativen wie positiven Erlebnissen jedes Mal dieselben Hirnbereiche aktiv sind wie beim eigentlichen Ereignis. Ein massives Trauma kann jedoch laut den Wissenschaftlern um Lui offenbar auch den Grundzustand des Gehirns verändern.

Präfrontaler Cortex bei Betroffenen hyperaktiv

Bei vergleichbaren bisherigen Studien hatten Psychologen und Hirnforscher die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse untersucht, die häufig bereits Jahre oder Jahrzehnte zurücklagen. Sie gingen immer von einer langsamen und kontinuierlichen Entwicklung von stressbedingten Veränderungen im Gehirn aus. Im Gegensatz dazu lagen bei Studie an den Erdbebenopfern nur 25 Tage zwischen Erlebnis und Untersuchung. Die Ergebnisse zeigten daher, dass das Gehirn bereits unmittelbar nach einem Schockerlebnis mit Veränderungen reagiert und nicht wie bisher angenommen erst im Laufe der folgenden Jahre.

Bei den Überlebenden des Erdbebens war ein Bereich im vorderen Teil des Gehirns, der sogenannte präfrontale Cortex, hyperaktiv. Diesem Areal wird die Verarbeitung von Emotionen zugeschrieben. Es ist verantwortlich für die Bewertung von Situationen, Eindrücken und angemessenen Reaktionen darauf. Zudem war das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Hirnarealen beeinträchtigt. Ein entscheidender Teil der Gehirnaktivität betrifft nicht nur einzelne Reaktionen des Gehirns, sondern auch die Verbindungen zwischen diesen. Die Ergebnisse könnten helfen, durch posttraumatischen Stress gefährdete Menschen frühzeitig zu identifizieren, schreiben die Forscher.

hda/ddp

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