Folgen des Klimawandels Tigermücken erobern Europa

In Südostasien heimische Stechmücken breiten sich in Europa immer weiter aus, belegt eine neue Studie. Grund für die Invasion ist der Klimawandel. Die Insekten übertragen gefährliche Tropenkrankheiten. Auch Deutschland gehört zu den Risikoländern.

Studie: Asiatische Tigermücken könnten in 20 Jahren in Deutschland verbreitet sein
DPA/ CDC

Studie: Asiatische Tigermücken könnten in 20 Jahren in Deutschland verbreitet sein


London - Viele Tierarten müssen wegen des Klimawandels ums Überleben kämpfen. Doch asiatische Tigermücken profitieren, wenn es wärmer wird. Sie können neue Lebensräume erobern, auch in Europa. Das Problem: Die gestreiften Insekten übertragen diverse Tropenkrankheiten. Dazu gehört neben Gelbfieber auch Denguefieber, das in schweren Fällen tödlich enden kann.

"Belgien, die Niederlande und Deutschland müssen zukünftig als Hot Spots für solche Infektionskrankheiten angesehen werden", berichten britische und belgische Forscher im Journal "Interface" der Royal Society. Grund für die Invasion der Tigermücken sei der Klimawandel, schreiben die Wissenschaftler um Cyril Caminade von der University of Liverpool.

Bei der Studie hatten die Wissenschaftler anhand von drei unterschiedlichen regionalen Klimamodellen überprüft, wo in Europa die Bedingungen für das Überleben und die Ansiedelung der Mücken geeignet sind. Diese Daten berechneten sie sowohl für den Zeitraum von 1960 bis 1980, von 1980 bis heute sowie für die Klimabedingungen, wie sie gegen Ende dieses Jahrhunderts in Europa herrschen sollen. Die Klimadaten verglichen sie dann mit Berichten über das Vorkommen der Stechmücken in den vergangenen 50 Jahren.

Tigermücken können milde Winter überleben

Bis 1980 waren Tigermücken den Forschern zufolge in Europa vor allem im Mittelmeerraum verbreitet. In den vergangenen 20 Jahren hätten sie aber auch Mitteleuropa und den Balkan für sich entdeckt. "Wärmere Winter und mehr Niederschlag machten dies möglich. Für Tigermücken sind dies gute Lebensbedingungen", erklären Caminade und seine Kollegen.

Asiatische Tigermücken sind zäh. Sie halten im Vergleich zu ihren ägyptischen Artgenossen, die ebenfalls Denguefieber übertragen können, auch milde Winter aus. Die Insekten gehören deshalb zu den hundert sich am schnellsten verbreitenden Tierarten der Welt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Klima für den Zeitraum von 2030 bis 2050 so verändert, dass Tigermücken bis dahin in weiten Teilen Europas überleben können.

Eine gute Nachricht gibt es: Die Mücken werden wohl nicht den ganzen Kontinent bevölkern. Während sie sich in unseren Gefilden immer wohler fühlen sollen, werde der Klimawandel sie aus den südlichen Regionen Europas wieder verdrängen. Der Grund: "In Südspanien und Korsika werden die Sommer zum Beispiel immer trockener und heißer", schreiben die Autoren.

Keine akute Gefahr in Deutschland

Zu den Risikoländern gehören neben Zypern, Bulgarien, die Slowakei, die Türkei und Portugal auch die Benelux-Länder, Deutschland und Großbritannien. "Hier muss die Ausbreitung von Tigermücken genau überwacht werden, besonders weil es in den vergangenen Jahren zu Ausbrüchen von Denguefieber gekommen ist", warnt Caminade.

Momentan sehen Experten aber noch keinen Grund zur Sorge: "Die Mücken alleine machen es ja nicht. Sie brauchen immer eine Infektionsquelle", sagt Gundel Harms-Zwingenberger, Leiterin des Instituts für Tropenmedizin an der Berliner Charité. Stark gefährdet sei Deutschland zur Zeit ohnehin nicht. "Das kann man sich zukünftig sicher mal vorstellen, aber momentan gibt es keine akute Gefahr."

Auch Caminade und seine Kollegen berichten, dass die tropischen Stechmücken bisher nur vereinzelt in Deutschland und anderen Ländern Nordwesteuropas beobachtet worden seien. Obwohl das Klima bereits heute das Überleben der Wärme liebenden Insekten erlaube, deute dies darauf hin, dass die Art sich noch nicht dauerhaft dort angesiedelt habe. Dies könne aber jederzeit geschehen.

ajo/dpa/dapd



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