Übergewicht: Eine halbe Milliarde Menschen ist fettleibig

Die Zahl der Übergewichtigen steigt stetig, das zeigt eine Langzeitstudie mit Daten aus 199 Staaten: Anderthalb Milliarden Menschen gelten als zu dick, 500 Millionen sogar als fettleibig. Den größten Anteil von Dicken findet man an überraschender Stelle - auf Inseln mitten im Pazifik.

Übergewichtiges Paar (in Filderstadt, 2006): Probleme nicht nur in Industrienationen Zur Großansicht
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Übergewichtiges Paar (in Filderstadt, 2006): Probleme nicht nur in Industrienationen

Die Zahl der fettleibigen Menschen weltweit hat sich in den vergangenen dreißig Jahren nahezu verdoppelt - und zwar auf eine halbe Milliarde. Im Jahr 2008 seien geschätzte 205 Millionen Männer und 297 Millionen Frauen auf der Welt fettleibig gewesen, heißt es in einer groß angelegten Langzeitstudie zu Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Cholesterin-Werten, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlicht wurden.

Das Problem ist dabei längst nicht mehr nur eines der westlichen Industrienationen, sondern hat sich in Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen ausgebreitet, sagte Majid Ezzati von der Harvard School of Public Health, einer der Autoren der Studie.

Um festzulegen, wer fettleibig ist oder nicht, wurde der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Er bildet das Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße ab, indem er das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Größe in Metern teilt. Ab einem BMI von 25 gilt jemand als übergewichtig, ab 30 als fettleibig.

Die Daten stammen von Erwachsenen in 199 Ländern. Einige Ergebnisse der Analyse, die auf Daten von rund 9,1 Millionen Teilnehmern beruht:

  • 2008 waren 13,8 Prozent der Frauen und 9,8 Prozent der Männer fettleibig. 1980 waren es noch 7,9 Prozent der Frauen und 4,8 Prozent der Männer.
  • Weltweit gesehen lag der durchschnittliche BMI der Männer bei 23,8, für Frauen war er mit 24,1 etwas höher. Pro Jahrzehnt ist der BMI der Männer um 0,4 gestiegen, bei Frauen war sogar um 0,5.
  • Den größten Anteil von Dicken hat der kleine Pazifikstaat Nauru (siehe Tabelle).
  • Beim Vergleich der Industrienationen leben die meisten Übergewichtigen in den USA, gefolgt von Neuseeland - die wenigsten in Japan.
  • Deutschland liegt mit der Zahl der Dicken bei den Männern auf Platz zehn (durchschnittlicher BMI von 27) und bei den Frauen auf Platz 17 (durchschnittlicher BMI von 26).
  • In den europäischen Ländern ist der durchschnittliche BMI von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten kaum gestiegen.
  • Den höchsten BMI-Durchschnitt in Europa haben tschechische Männer sowie türkische Frauen mit je rund 28.
  • Die wenigsten Übergewichtigen leben in den asiatischen Staaten Bangladesch und Indien sowie in der afrikanischen Republik Kongo.

Etwas bessere Nachrichten gab es in Sachen Bluthochdruck und hohe Cholesterin-Werten. In den vergangenen dreißig Jahren konnte den Wissenschaftlern zufolge vor allem in den Industrienationen einiges erreicht werden. Hier scheinen sich verbesserte Früherkennung und Behandlung sowie weniger Salzkonsum und der geringerer Verzehr gesättigter Fette in den Industriestaaten auszuzahlen, sagen die Forscher. Deutschland allerdings liegt zusammen mit Grönland, Island und Andorra an der Spitze bei zu hohem Cholesterin in den westlichen Ländern. Griechenland schneidet am besten ab. Probleme mit Bluthochdruck sind seit 1980 in Europa, den USA, Kanada und Australien weniger geworden. Am größten waren sie 2008 in den baltischen Ländern sowie Ost- und Westafrika.

Die Forscher sehen nun die Politik in der Pflicht, dem Trend zum Übergewicht entgegenzuwirken. "Unsere Studie hilft, der Adipositas-Problematik auf die Spur zu kommen. Dadurch können sich politische Maßnahmen zur Umkehr des bedenklichen Trends ergeben oder Strategien zur Begrenzung von schädlichen Auswirkungen des Übergewichts gefördert werden", sagt Gretchen Stevens von der WHO.

wbr/dpa/dapd/AFP

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1. Staatliche Förderung einer gesünderen Ernährung erforderlich!
grüne ente 04.02.2011
Zitat von sysopDie Zahl der Übergewichtigen steigt stetig, das zeigt eine Langzeitstudie mit Daten aus 199 Staaten: Anderthalb Milliarden Menschen gelten als zu dick, 500 Millionen sogar als fettleibig...
Habe in der Vegangenheit selbst beobachtet, dass gerade in den Entwicklungsländern unter den Reicheren das Übergewicht den Leuten zuschaffen macht. Bei uns dürfte normalerweise jeder wissen, was dick macht und was er dagegen tun kann. Beispielsweise sollten Dickmacher und ungesunde Waren wie Alkohol, auch Zigaretten noch teurer zum Verkauf angeboten werden als bisher. Gesunde Artikel dagegen müssten mit geringeren Preisen die Kundschaft zu einer besseren Ernährung animieren. Leider ertappen wir uns alle dabei, dass wir zuerst nach der billigeren Variante greifen. Denn wer nur auf staatliche Almosen angewiesen ist, kann sich keine teuren Produkte leisten. Fitnesscenter fällt für Arbeitslose und Leute mit geringem Einkommen auch flach. Um abzuspecken und im Winter nicht zu versauern bei dem Schmuddelwetter, ziehe ich in südlichere Gefielde um, auch wenn ich dabei auf den heimischen Sessel, die Waschmaschine u.ä. Bequemlichkeiten verzichten muss. Mein Auto habe ich weggegeben, statt dessen die weltweite Mobilität gewählt. Vorher hatte ich auch ab und zu einen BMI von etwas über 30. Manchmal ist ein Zelt mein Dach überm Kopf. Die Antriebskraft übernehmen 2 Beine über 2 Räder oder aber verteilt auf die Füße. Du musst täglich 10.000 Schritte tun und um die Taille schwabbelt es nicht mehr so viel.
2. Logisch....
fatherted98 04.02.2011
Zitat von sysopDen größten Anteil von Dicken findet man an überraschender Stelle - auf Inseln mitten im Pazifik. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,743388,00.html
...diese Leute haben sich schon immer die Bananen in den Mund wachsen lassen. Außerdem sind die Inseln meist so klein, da bleibt für Bewegung wenig Platz...also nicht erstaunlich. Spaß beiseite...hier spielt wohl auch die genetische Disposition eine Rolle. Was uns Europäer angeht...wer immer mehr ißt und sich immer weniger bewegt wird fett...ist das so erstaunlich????
3. Warnungen ohne Wirkung
dehnübung 04.02.2011
Ich erlebe es seit Jahren in Foren, dass die Gefahr immer wieder von den Teilnehmern heruntergespielt wird. "Ich esse, solange es mir schmeckt". Ich hatte letzte Woche ein Buch in der Hand, es zeigte Fotos einer deutschen Stadt aus den 5060 iger Jahren. Es waren in dem ganzen Buch kein einziger fetter Erwachsener und insbesondere kein einziges fettes Kind zu sehen.
4. ohne
Dunkeltroll 04.02.2011
das thema reizt zu sarkasmus. wozu unterernährung, hunger und bürgerkriege doch gut sind. stimmt wenigstens der bmi.
5. Die Anzhal der Fettleibigen hat sich also verdoppelt..
blueyes1 04.02.2011
[QUOTE=sysop;7090828]Die Zahl der Übergewichtigen steigt stetig, das zeigt eine Langzeitstudie mit Daten aus 199 Staaten: Anderthalb Milliarden Menschen gelten als zu dick, 500 Millionen sogar als fettleibig. Den größten Anteil von Dicken findet man an überraschender Stelle - auf Inseln mitten im Pazifik. [url] vor ca. dreißig Jahren wurde der viermilliardste Mensch geboren, inzwischen sind es über 7 Milliarden. In die richtige Relation gesetzt mit diesen ungefaehren Zahlen bedeutet dies also max einen Anstieg von 33% anstelle knapp 100%, wie im Artikel beschrieben. Unabhängig von der fehlerhaften Aussage bleibt noch immer ein Anstieg übrig. freundliche Gruesse an den Autor
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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40

Länder mit höchstem Durchschnitts-BMI (Männer)
1. Nauru 33.9
2. Cook Islands 32.7
3. Tonga 31
4. Französisch-Polynesien 30.9
5. Palau 30.4
5. Samoa 30.4
7. Marshallinseln 29.4
8. Kuwait 29.2
8. Kiribati 29.2
10. USA 28.5
Länder mit höchstem Durchschnitts-BMI (Frauen)
1. Nauru 35
2. Tonga 34.3
3. Cook Islands 33.9
4. Samoa 33.7
5. Französisch-Polynesien 32.1
6. Palau 31.8
7. Marshallinseln 31.4
8. Mikronesien 31.3
8. Kiribati 31.3
10. Kuwait 31.2