Chicago/Hamburg - Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur unser Denkvermögen, sondern auch das Fettgewebe. Die Fähigkeit der Fettzellen, auf das Hormon Insulin zu reagieren, wird bei zu kurzem Schlaf deutlich reduziert, wie US-Forscher berichten. "Wir fanden, dass Fettzellen schlafen müssen, um ordentlich zu funktionieren", berichtete Studienautor Matthew Brandy von der Universität Chicago in einer Mitteilung der Hochschule. Insulin steuert den Energiehaushalt, indem es auf Leber, Muskeln und Fettgewebe wirkt.
Nach Angaben der Universität ist dies die erste Studie, die einen biochemischen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Regulation von Fett und Zucker im Menschen zeigt. Bislang war bekannt, dass schlechter Schlaf das Risiko für Übergewicht, Diabetes und andere Gesundheitsprobleme erhöht. Die Analyse weise darauf hin, dass Schlaf für den Energiehaushalt mindestens eine ebenso große Rolle spiele wie für das Gehirn. Die gemeinsame Arbeit von Schlafforschern und Biologen ist im Journal "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht.
Fett sei lebenswichtig, betonte Brandy. Körperfett speichere Energie und setzte sie wieder frei. "Beim Speichern zieht es Fettsäuren und Fettmoleküle aus dem Körperkreislauf, wo sie andere Gewebearten beschädigen können." Wenn Fettgewebe nicht effektiv auf Insulin reagiere, könnten schwere Störungen auftreten.
Die Forscher untersuchten sechs Frauen und einen Mann. Alle Probanden waren jung, schlank und gesund. In einem Studienabschnitt mussten sie vier Nächte hintereinander jeweils 8,5 Stunden im Bett verbringen. In dem zweiten Abschnitt durften sie dort nur 4,5 Stunden liegen. In beiden Fällen erhielten sie die gleichen Lebensmittel.
Auch Langschläfer nehmen zu
Ergebnis: Nach den vier Nächten mit Schlafmangel reagierte der Körper um 16 Prozent weniger gut auf Insulin. Die Empfindlichkeit der in der Nabelgegend entnommenen Fettzellen für Insulin sank sogar um 30 Prozent. Eine solche Reduktion finde sich auch bei Übergewichtigen und bei Diabetikern, schreiben die Forscher.
Die Studie sei zwar klein, aber gründlich, erklärte Co-Autorin Eve Van Cauter von der Universität Chicago. Alle sieben Probanden hätten eine deutliche Änderung in der Empfindlichkeit für Insulin gezeigt.
Ein Team um Sanjay Patel von der Case Western Reserve University in Cleveland hatte bereits 2006 anhand von 68.000 Frauen berechnet, dass Probanden mit höchstens fünf Stunden Schlaf binnen zehn Jahren im Schnitt um 0,7 Kilo mehr zunahmen als Frauen mit mindestens sieben Stunden Nachtruhe. Zudem legten die Kurzschläferinnen dem Magazin "New Scientist" zufolge mehr zu, obwohl sie weniger Kalorien verzehrten als die Langschläferinnen.
Forscher um Jean-Philippe Chaput von der Laval-Universität in Quebec zeigten 2008, dass Kurzschläfer ein um 27 Prozent höheres Risiko hatten, in einer sechsjährigen Studie fünf Kilo zuzunehmen als Normalschläfer. Allerdings war das Risiko bei Langschläfern ebenfalls erhöht und zwar um 25 Prozent. Sieben bis acht Stunden Schlaf seien gut für das Idealgewicht, berichteten sie im Fachmagazin "Sleep".
boj/dpa
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