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Ukraine: Der aussichtslose Kampf gegen Alkohol und Tabak

In kaum einem anderen Land Europas wird so viel geraucht und getrunken wie in der Ukraine. Eine der Folgen: Ukrainische Männer erreichen im Durchschnitt kaum das Rentenalter. Dennoch stehen die Suchtbekämpfer in den Behörden  auf verlorenem Posten.

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ddp

Alkoholtrinker: Ukrainische Behörden kämpfen gegen die Sucht

Konstantin Krassowski hat einen Traum. Der Beamte des Gesundheitsministeriums der Ukraine will die Ex-Sowjetrepublik in ein Land von Nichtrauchern verwandeln. Dazu plant er Steuererhöhungen, Aufklärungskampagnen und Bußgelder. Die von Medien als "Revolution" bezeichnete Idee tut Not. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO über die Sterberaten in 30 europäischen Ländern fordern Nikotin und auch Alkohol in der Ukraine viel mehr Menschenleben als anderswo auf dem Kontinent. Trotzdem erhielt Krassowski für seine Idee kein Lob: In Internetforen wird ihm vorgeworfen, die ukrainische Kultur zu zerstören.

Auch Igor und Gena gehören zu jenen, die für Krassowski nur Spott übrig haben. In der ukrainischen Hauptstadt stehen sie täglich zigmal vor ihrem Arbeitsplatz in einem PC-Laden und greifen zum Glimmstängel. "Was ist das für eine Bevormundung? Ich lasse mir das Rauchen von niemandem verbieten", wettert Gena. Sein Kollege Igor sieht das genauso. "Meine Arbeit ist stressig genug, dazu das tägliche Hin und Her. Ohne Zigarette würde ich überhaupt keine Entspannung finden."

Zwar ist Rauchen in öffentlichen Gebäuden und einigen Restaurants tabu, zudem existiert ein weitgehendes Werbeverbot für Alkohol. Doch solche Vorschriften führen nicht zum Umdenken. In der Ukraine gibt es allein 40 Wodka-Hersteller, große Supermärkte bieten mehrere Regalreihen hochprozentiger Getränke an. Bier gilt als Erfrischungsgetränk, das in einer Reihe mit Softdrinks und Wasser verkauft wird.

Fast jeder dritte 25- bis 30-Jährige ist alkoholsüchtig

Das Statistikamt in Kiew veröffentlicht regelmäßig beeindruckende Zahlen: Laut einer Studie von 2008 sind in der Ex-Sowjetrepublik 30 Prozent der Männer im Alter zwischen 25 und 30 Jahren alkoholabhängig. Fast 40.000 Männer starben an Alkoholvergiftung, und mehr als 140.000 alkoholbedingte Unfälle wurden registriert. Vor kurzem holte die Polizei in Simferopol auf der Halbinsel Krim gerade noch rechtzeitig eine Flugzeugcrew mit teils drei Promille Alkohol im Blut aus dem Cockpit. Angesichts der alarmierenden Spitzenwerte kritisieren Experten, dass es in Europas zweitgrößtem Flächenstaat keine umfassende Strategie gegen das Saufen gibt. Eine der Folgen dürfte die durchschnittliche Lebenserwartung ukrainischer Männer sein. Sie liegt nach Angaben der WHO bei 61 Jahren - und ist damit die geringste Europas.

Statistiken zufolge sind nirgends in Europa Alkohol und Tabak so billig wie in der Ukraine. Eine Schachtel Zigaretten kostet seit Jahresbeginn im Durchschnitt umgerechnet 90 Cent - und selbst dieser für deutsche Verhältnisse lächerliche Betrag wird deutlich unterboten von illegalen Händlern, die ihre Ware an jeder Ecke zum halben Preis verkaufen.

Alkohol gilt in einigen Regionen sogar als Medizin. Zum Vorbeugen gegen Krankheiten wird das meist selbstgebrannte "Wässerchen" nicht nur getrunken, sondern auch zum Einreiben und Desinfizieren benutzt.

Beispielhaft für den aussichtslos scheinenden Kampf gegen die Sucht ist eine Umfrage aus der Provinzstadt Winniza. Fast 100 Prozent der Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren trinken täglich Alkohol und rauchen. Lehrerin Irina Rudenko klingt resigniert: Dass ein Teil ihrer Schüler betrunken in den Unterricht komme, sei leider Alltag.

mbe/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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    Seite 1    
1. super
d_sam 28.02.2011
das klingt nach viel Sapß und entlastet die Rentenkassen sichtlich, ... wir sollten dorthin zurückfinden.
2. Dann
decebalus911 28.02.2011
Zitat von d_samdas klingt nach viel Sapß und entlastet die Rentenkassen sichtlich, ... wir sollten dorthin zurückfinden.
fangen Sie mal an, und entlasten uns.
3. Auf Thema antworten
c.PAF 28.02.2011
Zitat von d_samdas klingt nach viel Sapß und entlastet die Rentenkassen sichtlich, ... wir sollten dorthin zurückfinden.
Don't drink and write... ;-)
4. ...
renee gelduin 28.02.2011
Zitat von d_samdas klingt nach viel Sapß und entlastet die Rentenkassen sichtlich, ... wir sollten dorthin zurückfinden.
Das Problem würde wohl die Gesundheitskasse sein. Ergo müsste man die Steuern dem entstehenden finanziellen Schaden anpassen. Damit wäre ich einverstanden. Wenn sich jemand versucht durch Alkohol frisch und fruchtig zu halten, kann er das ruhig tun... Aber dann müssten die Hartz IV-Sätze wohl erhöht werden, weil das Leben sonst unfair ist und ja jeder Mensch ein Recht auf seinen täglichen Suff hat.
5. Westen ist Schuld
elbröwer 28.02.2011
Anders war Timoschenko nicht zu ertragen und jetzt ist es eine Sucht.
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