Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Umstrittene Diät: Sport vor dem Frühstück fördert Fettabbau

Beim Sport auf nüchternen Magen verbrennt der Körper besonders viel Fett, berichten Mediziner. Geeignete Diät, oder gefährliche Askese? Forscher warnen vor übermäßig viel Bewegung ohne vorherige Stärkung.

Frühsport: Jogger im Sonnenaufgang an der Hamburger Außenalster Zur Großansicht
DPA

Frühsport: Jogger im Sonnenaufgang an der Hamburger Außenalster

London - Sommerzeit ist Frühsportzeit. Tausende joggen durch Parks, viele in der Hoffnung, damit Speckpolster zu verlieren. Sie sollten gelegentlich morgens auf nüchternen Magen trainieren, berichten Forscher. Vor dem Frühstück verbrenne der Körper besonders viel Fett.

Professionelle Ausdauerathleten wie Lance Armstrong oder Michael Phelps schaufeln sich vor einem Wettkampf enorme Mengen Nahrung in den Körper. Der Grund: Die Kohlenhydrate sollen den Muskeln die notwendige Energie für die angestrebten Höchstleistungen liefern. Ohne Kalorienzufuhr fehlt dem Organismus diese Brennstoffreserve. Wissenschaftler leiten daraus ab, der Körper müsse dann gezwungenermaßen mehr Fett verbrennen.

Tatsächlich bestätigen einige Studien, dass ein hungernder Körper beim Sport Speckpolster besonders effizient abbaut. "Wenn man auf nüchternen Magen trainiert, ist der Adrenalinspiegel hoch und der Insulinwert niedrig", erläutert der Sportphysiologe Peter Hespel von der belgischen Universität Löwen. "Dann verbrennen die Muskeln mehr Fettsäuren."

Eine englische Studie belegt nun diese Behauptung. Die Forscher der Universität Birmingham ließen 14 Probanden dreimal pro Woche radeln. Eine Stunde nach jeder Trainingseinheit sollten sie noch einen Sprint absolvieren. Eine Hälfte der Teilnehmer durfte vorher nach Belieben schlemmen, die anderen mussten darben. Resultat: Die fastenden Teilnehmer waren im Sprint zwar langsamer. Sie verbrannten aber im Verhältnis zu den anderen Probanden eher Fett als Kohlenhydrate, wie die Forscher im Fachblatt "Medicine & Science in Sports & Exercise" schreiben.

Körperfett oder Muskelfett?

Hespel, der vor zwei Jahren eine ähnliche Studie an Ausdauerathleten leitete, rät Interessenten, schon vor dem Frühstück zu trainieren. Zwar basieren bisherige Studien auf jungen, gesunden Menschen. Aber der Forscher glaubt, dass davon auch etwa Diabetiker profitieren könnten. Die Bewegung ohne vorherige Stärkung fördere die Fähigkeit der Muskeln, Glukose aufzunehmen. Dies könne Diabetikern helfen, ihren Insulinspiegel besser zu kontrollieren.

Nicht alle Wissenschaftler halten das Trainieren auf nüchternen Magen für vorteilhaft. Selbst wenn der Körper dabei mehr Fett verbrenne, betreffe dies nicht die Speckrolle am Bauch, argumentieren sie. "Wenn man ohne Essen trainiert, mag das die Fettverbrennung in den Muskeln stimulieren", sagt der Stoffwechselforscher Andrew Greenberg von der Tufts Universität in Boston. "Das beeinflusst aber nicht das Gesamtkörperfett."

Manche Experten raten sogar grundsätzlich vom Training auf leeren Magen ab. "Ich halte das für eine ziemlich schlechte Idee", sagt die Sportmedizinerin Alexis Chiang Colvin vom Mount Sinai Hospital in New York, die Hockey- und Footballteams berät. "Wenn der Blutzucker sinkt, kann einem am Ende schwindelig werden, und man trainiert auch schlechter als bei guter Ernährung." Das Fasten könne gar die Verletzungsgefahr steigern, mahnt sie und rät dazu, vor dem Training wenigstens eine Banane zu essen.

Dagegen hält Ron Maughan es durchaus für sinnvoll, die vorherige Stärkung gelegentlich auszulassen. "Die Wissenschaft erklärt gerade, was kluge Läufer schon immer wussten", sagt der Sportwissenschaftler von der englischen Universität Loughborough. "Ein Langlauf pro Woche vor dem Frühstück lehrt den Körper, mehr Fett zu verbrennen. Aber den Rest der Woche sollte man reichlich Kohlenhydrate konsumieren, um hart trainieren zu können."

Auch im Hinblick auf die sportlichen Leistungen rät der Experte vom ständigen Training ohne Energiezufuhr ab. "Da kann man vielleicht gut Fett verbrennen, aber man steigert seine Leistung weniger", sagt er. "Ohne Brennstoff erreicht man nicht die Trainingsintensität, die man für Verbesserungen braucht."

Von Maria Cheng, apn

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: