Uniklinik Greifswald Mädchen in 22. Schwangerschaftswoche zur Welt gebracht

Paulina Emily kam viel zu früh auf die Welt, doch das nur 490 Gramm leichte Mädchen überlebte. Die in der 22. Schwangerschaftswoche Geborene ist inzwischen fast zwei Kilogramm schwer und soll bald gemeinsam mit ihren Eltern aus der Klinik entlassen werden.

Intensivstation für Frühgeborene (Uni Mainz): "Seltener Einzelfall"
dpa

Intensivstation für Frühgeborene (Uni Mainz): "Seltener Einzelfall"


Greifswald - Mediziner an der Universitätsklinik in Greifswald haben ein extrem frühgeborenes Mädchen erfolgreich am Leben erhalten. Paulina Emily kam am 8. Juni in der 22. Schwangerschaftswoche zur Welt, weil sich in der Schwangerschaft Komplikationen ergeben hatten, wie ein Kliniksprecher am Samstag mitteilte. Geburten vor der 24. Schwangerschaftswoche gelten als besonders kritisch, weil die Kinder noch nicht weit genug entwickelt sind.

Sven Armbrust, der Leitende Oberarzt an der Universitätsklinik Greifswald, bezeichnete das Überleben des Mädchens als "seltenen Einzelfall". Paulina Emily wog bei der Geburt 490 Gramm bei einer Größe von 27 Zentimetern. Inzwischen wiegt das Mädchen 1800 Gramm. Es liegt weiterhin im Brutkasten, die Nahrungsaufnahme erfolgt noch durch eine Sonde.

Die Überlebenschancen Frühgeborener haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, so dass auch Kinder mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht eine reelle Überlebenschance haben. Allerdings steigt mit zunehmender Unreife das Risiko langfristiger Entwicklungsstörungen. Der Ausgang bei der Behandlung extrem kleiner Frühgeborener ist oft ungewiss, da die Medizin technisch, aber auch wegen der Unreife der Kinder, oft an ihre Grenzen stößt.

Für Paulina Emily ist offenbar alles gut gegangen. Schon bald soll sie ins Wärmebettchen umziehen und mit ihren Eltern nach Neubrandenburg entlassen werden. Dort werde sie aber weiterhin in einem Krankenhaus behandelt.

"Das Mädchen und sein Überlebenswille sind ein kleines Wunder", sagte der Frühchenexperte Armbrust. "Sicher müssen wir sehr intensiv die weitere Entwicklung verfolgen. Aber Paulina hat sich bisher mit unglaublich viel Kraft ins Leben gekämpft, so dass wir guter Dinge sind", erklärte der Leitende Oberarzt.

Im April hatten Mediziner aus Fulda über ein noch früher geborenes Mädchen berichtet. Die kleine Frieda kam Anfang November nach nur 21 Wochen und fünf Tagen Schwangerschaft auf die Welt. Ihr Geburtsgewicht betrug 460 Gramm, bei der Entlassung im April wog sie 3,5 Kilogramm. Gewöhnlich dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen, Babys wiegen bei der Geburt im Schnitt 3,5 Kilo. In Deutschland kommen jährlich 60.000 bis 63.000 Neugeborene als Frühchen vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche zur Welt - 8000 davon vor der 30. Schwangerschaftswoche.

hda/dapd



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