Ursache Feinstaub: Stadtbewohner haben höheren Blutdruck

Risiko Luftverschmutzung: Hohe Feinstaubbelastung in Großstädten kann den Blutdruck erhöhen, Folgeerkrankungen drohen. Das ergab eine Langzeituntersuchung im Ruhrgebiet.

Stau auf deutscher Autobahn (Archivbild): Autos emittieren große Feinstaubmengen Zur Großansicht
ddp

Stau auf deutscher Autobahn (Archivbild): Autos emittieren große Feinstaubmengen

Erhöhte Feinstaubwerte sorgen bei Menschen in städtischen Gebieten dauerhaft für höheren Blutdruck. Bislang war dieser Effekt nur für kurzzeitige Schwankungen von Tag zu Tag nachgewiesen worden. Das berichteten Wissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen in Essen auf der internationalen Tagung der American Thoracic Society in New Orleans.

Die Forscher um Barbara Hoffmann hatten fast 5000 Menschen über mehrere Jahre untersucht. Das Ergebnis lege eine Langzeitwirkung von Feinstaub nahe. Selbst bei Feinstaubkonzentrationen unterhalb der heute gültigen Grenzwerte bestünden negative Folgen für die Gesundheit.

Die Wissenschaftler vom Institut für medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie modellierten zunächst die Hintergrundbelastung an Feinstaub in der rund 600 Quadratkilometer großen Region Mühlheim, Essen und Bochum. Ihr Modell eichten sie dabei anhand realer Messdaten in der Region. Die so errechnete Hintergrundbelastung wurde in Beziehung gesetzt zu Gesundheitsdaten von 4814 Einwohnern der Region.

Die Probanden, die zwischen 45 und 75 Jahre alt waren, sind in den Jahren 2000 bis 2003 und 2006 bis 2008 intensiv im Rahmen einer Langzeitstudie über die Volkskrankheit Herzinfarkt auf Erkrankungen der Herz- und Kreislaufgefäße untersucht worden. Zudem erhoben die Wissenschaftler eine Vielzahl von Risikofaktoren, die zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Dazu zählen beispielsweise Rauchen, Diabetes, Körpergewicht, sozialer Status, mangelnde körperliche Aktivität und falsche Ernährung.

Risiko für Kreislauf-Krankheiten

Durch die umfangreiche Erhebung konnten die Forscher die klassischen Risikofaktoren von einer chronischen Feinstaubdauerbelastung als Auslöser für Bluthochdruck trennen. Die erhöhten Blutdruckwerte erscheinen zwar zunächst gering: Nimmt der Feinstaub durch Verkehr, Heizung oder Industrie um 2,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft zu, so steigt der Blutdruck um einen Druckbetrag, den zwei Millimeter einer Quecksilbersäule ausüben.

Statistisch steigt damit aber die Zahl der Folgeerkrankungen wie Arteriosklerose, die wiederum Ausgangspunkt für zahlreiche weitere kardiovaskuläre Krankheitsbilder bis hin zum Herzinfarkt und Schlaganfall sind. "Unsere Ergebnisse dürften erklären, warum Menschen, die in Umgebungen leben, die stärker von Feinstaub belastet sind, ein höheres Risiko tragen, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu erkranken und zu sterben", erklärt Baumann.

Studien bringen oft die Lärmbelastung durch eine stark befahrene Straße in der Nachbarschaft mit höherem Blutdruck und Herzkrankheiten in Verbindung. "In unserer Untersuchung beruht das Maß des Feinstaubs auf durchschnittlichen Konzentrationen, die nicht mit der Nähe zu belebten Straßen in Beziehung zu bringen sind. Der beobachtete Blutdruckanstieg lässt sich also nicht der Belastung durch Straßenlärm zuordnen", erklärt Baumann.

boj/ddp

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