US-Studie Ballaststoffreiche Ernährung verlängert das Leben

Vollkornprodukte gelten zu recht als gesund: Laut einer großen US-Studie können die darin enthaltenen Ballaststoffe sogar für ein längeres Leben sorgen. Doch auch die Deutschen essen nicht genug von den pflanzlichen Fasern.

Vollkornbrot: Getreidekörner, Nüsse, Obst und Gemüse liefern Ballaststoffe
DPA

Vollkornbrot: Getreidekörner, Nüsse, Obst und Gemüse liefern Ballaststoffe


Vollkornbrot statt Toast: Wer reichlich Ballaststoffe zu sich nimmt, lebt anscheinend länger. Die entsprechende Ernährung senkt nicht nur das Risiko von Herzkreislauferkrankungen, sie schützt auch vor Infektionen und Atemwegserkrankungen, berichten Forscher des nationalen Krebsforschungsinstituts in Rockville. Bei Männern sinkt laut der in den "Archives of Internal Medicine" veröffentlichten Untersuchung zufolge auch das Krebsrisiko, bei Frauen allerdings nicht.

Für ihre Analyse griffen die Forscher auf Daten der sogenannten NIH-AARP Diet and Health Study zurück - so konnten sie den Einfluss der Ernährung mit Hilfe von rund 388.000 Teilnehmern erforschen. Diese waren zu Beginn der Studie zwischen 50 und 71 Jahre alt und gaben Mitte der neunziger Jahre per Fragebogen Auskunft zu ihrer Ernährung. Die Forscher teilten sie - je nach Ballaststoffkonsum - in fünf Gruppen.

Etwas mehr als 31.000 starben in den rund neun Jahren, in denen die Teilnehmer beobachtet wurden. In der Gruppe der Männer und Frauen, die am meisten Ballaststoffe aßen, waren deutlich weniger Todesfälle zu verzeichnen - insgesamt war ihr Risiko, innerhalb dieser Zeit zu sterben, 22 Prozent geringer als das der Teilnehmer, die die wenigsten Ballaststoffe zu sich nahmen.

Zwar führten die Ballaststoff-Esser generell ein gesünderes Leben: Unter ihnen gab es weniger Raucher, der Alkoholkonsum war geringer, und sie waren nach eigenen Angaben zufolge eher sportlich aktiv und hatten einen niedrigeren Body-Mass-Index. Auch der Bildungsstand war höher. Doch auch wenn die Forscher alle diese Faktoren herausrechneten, blieb der gesundheitsfördernde Einfluss der Ballaststoffe bestehen.

Deutsche essen zu wenig Ballaststoffe

Die Wissenschaftler um Yikyung Park beklagen, dass die US-Amerikaner zu wenig Ballaststoffe zu sich nehmen. In der Studie aßen die Frauen pro Tag zwischen elf und 26 Gramm, die Männer zwischen 13 und 29. Empfohlen werden in den USA pro Tag 38 Gramm für Männer und 25 Gramm für Frauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät Frauen wie Männern zu mindestens 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag - im Schnitt essen die Deutschen jedoch nur 23 bis 25 Gamm.

Ballaststoffe kann der Körper nicht verdauen, sie beeinflussen jedoch die Arbeit von Magen und Darm: Sie fördern das Sättigungsgefühl, beeinflussen den Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte. Ballaststoffe finden sich in Obst, Gemüse, Nüssen und Vollkornprodukten. In der Studie zeigten vor allem die aus Getreide stammenden Ballaststoffe einen positiven Effekt.

Lawrence de Koning von Harvard School of Public Health, der an der Studie nicht beteiligt war, weist darauf hin, dass auch in Getreidekörnern enthaltene Vitamine und Mineralstoffe das Krankheitsrisiko verringern könnten. Deshalb würden Nahrungsergänzungsmittel wahrscheinlich nicht so effektiv der Gesundheit nutzen. Er schlägt als einfache Maßnahme vor, Weißbrot durch Vollkornbrot zu ersetzen, um mehr Ballaststoffe zu konsumieren.

wbr/dapd

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Dumme Fragen 15.02.2011
1. Wenn die übrigen Faktoren herausgerechnet werden...
wieviel bleibt dann an den Ballaststoffen hängen? Ist das nur statistisch signifikant, oder auch real? Ich verbinde mit "Ballast" ja etwas, was überflüssig ist. Und ich vermute mal, unsere Vorfahren werden sich was dabei gedacht haben, als sie versucht haben, die Ballaststoffe los zu werden und möglichst reines Weißmehl zu bekommen. Vermutlich ist letzteres verträglicher.
GehnSemirwech! 15.02.2011
2. Nicht für Jeden!
Zitat von sysopVollkornprodukte gelten zu recht als gesund: Laut einer großen US-Studie können die darin enthaltenen Ballaststoffe sogar für ein längeres Leben sorgen. Doch auch die Deutschen essen nicht genug*von den pflanzlichen Fasern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,745691,00.html
... sofern man kein Nickelallergiker ist, der auf in Nahrungsmitteln enthaltenen Nickel reagiert. Dann können Vollkorn, Soja, Hülsenfrüchte und Co. nämlich üble bis schmerzhafte Verdauungsbeschwerden (auch Flitzekacke), aber auch fiese Hautprobleme verursachen. Diese undifferenzierte Hochjubelei von Vollkorn ist nervig. Ich habe schweren Herzens meinem geliebten Pumpernickel abgeschworen, nachdem der Zusammenhang erst klar und der Wechsel zu Normalbrot vollzogen war. Wenn ich ausnahmsweise Linsensuppe essen will, muss ich die Nahrungspläne der umgebenden Tage sehr vernünftig planen, sonst kann ich meinen Klapprechner für den Tag mit zum OO nehmen.
Hercules Rockefeller, 15.02.2011
3. Das Unmögliche abverlangen
Die Ballaststofftheorie mal wieder. Die geforderten 30g stecken in, ich zitiere: "Die stecken zum Beispiel in je 30 Vollkornzwiebäcke, 17 gehäuften Esslöffeln Weizenkeimen, 30 Esslöffeln Früchtemüsli, anderthalb Kilo Äpfeln, 750 Gramm Cornflakes oder 21 Schüsseln Salat." Wem da der Darm nicht vor Blähungen in Fetzen fliegt oder wegen Dauerverstopfung versteinert, der soll unser neuer Gott werden! Man soll ja zusätzlich noch 2-3 Liter Flüssigkeit (jedes Jahr wirds a Liter mehr!) trinken...wer will den so leben? Dann doch lieber kurz und schmackhaft!
Marcath 15.02.2011
4. Wasser....
Zitat von Hercules RockefellerDie Ballaststofftheorie mal wieder. Die geforderten 30g stecken in, ich zitiere: "Die stecken zum Beispiel in je 30 Vollkornzwiebäcke, 17 gehäuften Esslöffeln Weizenkeimen, 30 Esslöffeln Früchtemüsli, anderthalb Kilo Äpfeln, 750 Gramm Cornflakes oder 21 Schüsseln Salat." Wem da der Darm nicht vor Blähungen in Fetzen fliegt oder wegen Dauerverstopfung versteinert, der soll unser neuer Gott werden! Man soll ja zusätzlich noch 2-3 Liter Flüssigkeit (jedes Jahr wirds a Liter mehr!) trinken...wer will den so leben? Dann doch lieber kurz und schmackhaft!
2-3 Liter Flüssigkeit am Tag sind ja nun wirklich nicht schwer zu erreichen. ;) Und wenn es zig Tassen Kaffee sind. (dem ja auch allerhand positive Wirkungen nachgesagt werden)
mischpot 15.02.2011
5. Erinnert mich irgendwie an die 70er
Da gab es immer Fernsehreklame Dr. Kousa Ballaststoffpillen. Der hatte einfach Weizenschrot oder ähnliches feingemahlen in Pillen verpackt. Hat sich dumm und dämlich verdient. Das die Wissenschaft erst heute feststellt, daß Ballaststoffe für den Körper wichtig ja sogar lebensverlängernd wirken ist doch schon mal lobenswert. Diese ganzen Fernsehköche und Kochprofis haben doch gar keine Ahnung was Sie da alles zusammen rühren und bruzzeln. Frei nach dem Spruch, wenn die alle die Finger heben könnten die an Lebensmittelvergiftung gestorben sind würde der Friedhof wie ein Spargelfeld aussehen.
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