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US-Studie: Übergewicht kann Gehirnschwund auslösen

Schlechte Ernährung und starkes Übergewicht wirken sich offenbar negativ auf die grauen Zellen aus: Forscher haben entdeckt, dass Dicke im hohen Alter deutlich weniger Hirnmasse haben als Schlanke. Das macht sie anfälliger für Krankheiten wie Alzheimer.

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Übergewicht: Mehr am Bauch und weniger im Kopf?

Nirgendwo sonst in Europa ist der Anteil der Übergewichtigen an der Gesamtbevölkerung so hoch wie in Deutschland. Drei von vier Männern und mehr als jede zweite Frau sind hierzulande zu dick. Mehr als jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann sind sogar fettleibig (adipös), denn sie haben einen Body-Mass-Index (BMI) über 30. Das wirkt sich nicht nur negativ auf das Herz-Kreislauf-System sowie den Zucker- und Insulinhaushalt aus. US-Forscher vermuten jetzt sogar, dass Adipositas auch zum Schwund von Nervenzellen im Gehirn führen kann.

In den USA ist das Problem noch drängender als in Europa: 33 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer sind laut einer Studie der International Association for the Study of Obesity (IASO) aus dem Jahr 2007 fettleibig. Um die Auswirkungen auf das Zentrale Nervensystem zu untersuchen, hat ein Team um den Pathologen Cyrus Raji von der University of Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) jetzt 94 Probanden im Alter von mehr als 70 Jahren in einen Kernspintomographen geschoben und machten Aufnahmen von deren Gehirnen.

Auf den Bildern zeigte sich, dass fettleibige Personen deutlich weniger Gehirnmasse in unterschiedlichen Bereichen, beispielsweise im Stirnlappen, aufwiesen. Dieses Gebiet ist neben der Koordination von Bewegung auch für kognitive Leistungen zuständig, die eine an verschiedene Situationen angemessene Handlungsweise steuert. Insgesamt hatten die Fettleibigen acht Prozent und die Übergewichtigen vier Prozent weniger Nervengewebe im Gehirn als Normalgewichtige, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Human Brain Mapping" .

"Schwerer Rückgang von Gehirnmasse"

In ihren Analysen rechneten die Autoren nach eigenen Angaben Störfaktoren heraus, die das Ergebnis beeinflussen können. Während bei den Fettleibigen sowohl der Stirnlappen als auch der sogenannte Hippocampus, der Thalamus und der vordere Gyrus cinguli verkleinert waren, waren bei Übergewichtigen die Basalganglien und die sogenannte Corona radiata geschrumpft. Die gesamte Masse des Gehirns unterschied sich jedoch nicht zwischen Fettleibigen und Übergewichtigen.

Es handele sich um einen "schweren Rückgang von Gehirnmasse", sagte Studienleiter und Neurologe Paul Thompson vom University of California Los Angeles: "Das vermindert die kognitiven Reserven und erhöht das Risiko von Alzheimer und anderen Erkrankungen, die das Gehirn angreifen." Zum Zeitpunkt der Untersuchung litt noch keiner der Probanden unter kognitiven Defiziten. Die Gehirne von Fettleibigen hätten aber im Schnitt 16 Jahre älter ausgesehen als die von Schlanken, sagte Thompson.

hei

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