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USA: Fettsucht-Welle rollt mindestens bis 2050

Schon heute ist mehr als jeder dritte US-Amerikaner fettleibig. Forscher haben berechnet, dass auch in den kommenden Jahren die Zahl der Dicken weiter steigen wird. San Francisco will die Fettsucht-Epidemie jetzt bekämpfen - mit ungewöhnlichen Maßnahmen.

Übergewichtiger Mann in Washington: Weiterhin massiv steigende Fallzahlen Zur Großansicht
DPA

Übergewichtiger Mann in Washington: Weiterhin massiv steigende Fallzahlen

San Francisco - Fettsucht, auch Adipositas genannt, ist ein weltweites Problem. In den Industrieländern steigt die Zahl der Betroffenen von Jahr zu Jahr - und mit ihnen die zur Behandlung nötigen Gesundheitskosten, die schon längst Milliardenhöhe erreicht haben.

Sogar traditionelle Urvölker sind von der Erkrankung massiv betroffen. Diese, so sehen es die Gesundheitsbehörden, müsste ähnlich rigide bekämpft wie hochansteckende Infektionen. Doch für die USA scheint nun klar, dass der problematische Trend noch über Jahrzehnte weitergehen wird.

Erst wenn mindestens 42 Prozent der US-Bürger extrem übergewichtig sind, wird der Höhepunkt der "Fettsucht-Epidemie" erreicht sein. Das haben Forscher der Harvard-University in Cambridge (US-Staat Massachusetts) errechnet. Anders ausgedrückt: Wohl noch bis zum Jahr 2050 klettert die Zahl fettleibiger Menschen im Land munter weiter.

Wissenschaftler um Alison Hill berichten im Fachblatt "PLoS Computational Biology" über ihre Erkenntnisse. Sie hatten 40 Jahre zurückreichende Daten von Teilnehmern der sogenannten Framingham Heart Study ausgewertet. Die Medizinarchive belegen den unaufhaltsamen Trend zum Übergewicht: Im Jahr 1971 galten 14 Prozent der Probanden als "fettsüchtig" - das heißt, sie hatten einen Body-Mass- Index (BMI) von 30 oder darüber. Mittlerweile fallen nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC schon 34 Prozent der Bevölkerung in diese Kategorie.

Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40
Dazu kommen weitere 34 Prozent der Amerikaner, die als übergewichtig gelten. Ihr BMI liegt zwischen 25 und 30. Die Zahl der Betroffenen dürfte auch in den kommenden Jahren steigen, prognostizieren nun Hill und ihre Kollegen. Zwar werde sich die Fettsucht in den nächsten Jahren langsamer ausbreiten als in der Vergangenheit. Doch bis der Höhepunkt der Welle erreicht sei, könne es noch 40 Jahre dauern. Schlimmstenfalls steige der Anteil der Fettleibigen auf 42 Prozent der Gesellschaft.

Als einen der Hauptgründe für die rasante Ausbreitung der Fettsucht in den vergangenen Jahrzehnten nennen die Wissenschaftler die "soziale Ansteckung": Wer demnach als Normalgewichtiger Kontakte zu fünf fettleibigen Menschen hat, trägt ein doppelt so hohes Risiko, selbst fettleibig zu werden, wie jemand, der keine extrem dicken Freunde hat.

Neben der sozialen Ansteckung sind weitere Gründe für die Ausbreitung der Fettsucht verantwortlich: Da ist zum Beispiel die leichte Verfügbarkeit von ungesunden Lebensmitteln und der bequeme, überwiegend sitzende Lebensstil. Tierversuche haben sogar gezeigt, dass Fast Food im klassischen Sinne süchtig machen könnte. Das Gehirn von Ratten reagiert demnach auf fettiges Essen ähnlich wie auf Drogenkonsum.

Forscher haben außerdem zeigen können, dass Menschen einmal angefuttertes Übergewicht nur schwer wieder loszuwerden können - ein Satz, den viele Diätgeplagte sicherlicht ohnehin bejaht hätten. Ein fettsüchtiger Erwachsener hat demnach nur eine Chance von vier Prozent, zumindest so viel abzunehmen, dass er wieder in die Kategorie "übergewichtig" fällt. Diese Zahl ist seit 1971 unverändert geblieben.

Im Kampf gegen die Fettsucht plant der Stadtrat von San Francisco unterdessen, einen einigermaßen ungewöhnlichen Weg einzuschlagen: Der Stadtrat will Fast-Food-Ketten verbieten, den Verkauf von ungesunden Menüs für Kinder durch Spielzeuggeschenke anzukurbeln. Wer das trotzdem machen will, soll in Zukunft harte Regeln befolgen müssen: Diese Gerichte müssten dann weniger Fett, Salz und Zucker enthalten und Obst und Gemüse mitliefern. Die Mahlzeit dürfte 600 Kilokalorien nicht überschreiten, mit weniger als 35 Prozent der Kalorien im Fett. Die Regelung soll Ende kommenden Jahres in Kraft treten - allerdings hat der Bürgermeister der Stadt sein Veto angekündigt.

chs/dpa

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insgesamt 145 Beiträge
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1. Fett und Waffen
Skarrin, 05.11.2010
in unbegrenzter Menge sind Grundlagen des "american way off life". Spätestens in 2 Jahren, wenn die tea-diots endgültig an der Macht sind, werden sie jegliche Einschränkungen dieser beiden amerikanischen Grundwerte also garantiert beenden.
2. Wasserkopfproblematik
codemonk, 05.11.2010
Neben der Fettsüchtigkeit der westlichen Völker erkenne ich ein weiteres Problem: Eine latente Wasserkopfsüchtigkeit der dort etablierten Journalie scheint mit der o.g. Fettsüchtigkeit einher zu gehen. Insbesondere die Überzeugtheit der v.g. halbgebildeten Journalie mittels ihrer Halbbildung erschreckt zusehend. Ich würde im SPON ja gerne über die Wahlen in Weissrussland lesen, wegen mir auch über den Geisteszustand des derzeitigen Nato-Ober-PR-Managers, oder über Muttis derzeitige Anwandlungen bez. Romas, die niemals nicht abgeschoben werden bei uns, im Gegensatz zu diesem zutiefst faschistischen Frankreich. Aber der Fettsuchtzustand der von Armut und Krankenversicherungslosigkeit gebeutelten amerikanischen Bevölkerung verkauft vermutlich 3 Klicks je Minute zusätzlich, so, why not?! Ich bin kein junger Mensch, ich habe Augstein gekannt und geliebt, und, werte Chefredaktion, wenn er es könnte, würde er heute auf EUER Grab pinkeln, statt revers. Der Titel 'ehemaliges Nachrichtenmagazin' ist heute mehr als zutreffend. Gruss codemonk
3. ...
faustjucken_tk 05.11.2010
Wer wie ein Schwein frisst, der sieht auch bald wie ein Schwein aus. XXL-Portionen von süchtig machendem, maschinell hergestellten Dreck. Unsere Großeltern kannten keine Fertignahrung und kein McDonald's, die waren LANGE nicht so fett wie wie wir heute. Wer das frisst, hat es nicht besser verdient.
4. Wenn du Hunger hast, wirst du zur Diva...
Meckermann 05.11.2010
Zitat von codemonkNeben der Fettsüchtigkeit der westlichen Völker erkenne ich ein weiteres Problem: Eine latente Wasserkopfsüchtigkeit der dort etablierten Journalie scheint mit der o.g. Fettsüchtigkeit einher zu gehen. Insbesondere die Überzeugtheit der v.g. halbgebildeten Journalie mittels ihrer Halbbildung erschreckt zusehend. Ich würde im SPON ja gerne über die Wahlen in Weissrussland lesen, wegen mir auch über den Geisteszustand des derzeitigen Nato-Ober-PR-Managers, oder über Muttis derzeitige Anwandlungen bez. Romas, die niemals nicht abgeschoben werden bei uns, im Gegensatz zu diesem zutiefst faschistischen Frankreich. Aber der Fettsuchtzustand der von Armut und Krankenversicherungslosigkeit gebeutelten amerikanischen Bevölkerung verkauft vermutlich 3 Klicks je Minute zusätzlich, so, why not?! Ich bin kein junger Mensch, ich habe Augstein gekannt und geliebt, und, werte Chefredaktion, wenn er es könnte, würde er heute auf EUER Grab pinkeln, statt revers. Der Titel 'ehemaliges Nachrichtenmagazin' ist heute mehr als zutreffend. Gruss codemonk
Halten sie es denn für möglich rund ums Jahr stündlich neue Artikel zu produzieren, die höchsten Qualitätsstandards entsprechen und dann auch noch umsonst, ohne dass mal was triviales dabei ist?
5. Bildung
GrinderFX 05.11.2010
Zitat von codemonkNeben der Fettsüchtigkeit der westlichen Völker erkenne ich ein weiteres Problem: Eine latente Wasserkopfsüchtigkeit der dort etablierten Journalie scheint mit der o.g. Fettsüchtigkeit einher zu gehen. Insbesondere die Überzeugtheit der v.g. halbgebildeten Journalie mittels ihrer Halbbildung erschreckt zusehend. Ich würde im SPON ja gerne über die Wahlen in Weissrussland lesen, wegen mir auch über den Geisteszustand des derzeitigen Nato-Ober-PR-Managers, oder über Muttis derzeitige Anwandlungen bez. Romas, die niemals nicht abgeschoben werden bei uns, im Gegensatz zu diesem zutiefst faschistischen Frankreich. Aber der Fettsuchtzustand der von Armut und Krankenversicherungslosigkeit gebeutelten amerikanischen Bevölkerung verkauft vermutlich 3 Klicks je Minute zusätzlich, so, why not?! Ich bin kein junger Mensch, ich habe Augstein gekannt und geliebt, und, werte Chefredaktion, wenn er es könnte, würde er heute auf EUER Grab pinkeln, statt revers. Der Titel 'ehemaliges Nachrichtenmagazin' ist heute mehr als zutreffend. Gruss codemonk
Was wollen sie eigentlich mit ihrem total sinnlosen und inhaltslosen Kommentar sagen? Nein, an ihrem Kommentar ist sogar überhaupt nichts richtig! Wären sie wirklich so klug wie sie tun, dann wüssten sie, dass sich die Gesetze mit der Krankenkasse geändert haben und ähnliche Gesetze wie in Deutschland herrschen. Sprich, jeder hat eine Krankenversicherung.
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