Verändertes Protein Forscher blockieren Ausbreitung von HI-Viren

Nachtaffen haben ein Protein, das es dem HI-Virus schwer macht, sich auszubreiten. Auch Menschen haben dieses Eiweiß, doch in leicht abgewandelter Form. Nun haben Wissenschaftler es so modifiziert, dass es dieselbe hemmende Wirkung wie bei den Affen hatte.


Durch die Veränderung eines menschlichen Proteins haben Wissenschaftler die Ausbreitung von HI-Viren blockiert. Das modifizierte Protein greift sehr früh in den Zyklus des Virus ein und hindert es dadurch an seiner Ausbreitung.

Nachtaffen und Menschen besitzen beide ein ähnliches Protein, das in den Zyklus des HI-Virus eingreift. Die Proteine sind aber nicht vollkommen identisch. Das Affenprotein kann das HI-Virus besser bekämpfen, die Nachtaffen stecken sich deshalb nicht mit HIV an.

Die Forscher um Martha Neagu von der Columbia University in New York und ihre Kollegen schreiben im Fachjournal " Journal of Clinical Investigation", wie sie Zellkulturen mit dem veränderten Protein züchteten. Die konnten sich deutlich besser gegen das HI-Virus wehren als solche ohne das neue Protein. Bei ersten Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass die Methode auch bei lebenden Organismen funktioniert.

Die Forscher konstruierten aus den entscheidenden Genabschnitten des Affen- und Menschenproteins ein neues Gen namens hT5Cyp. Dieses schleusten sie mit Hilfe eines Virus, der als Gen-Taxi fungierte, in die zu schützenden Zellen ein. Anschließend produzierten sie das neu konstruierte Protein. Es funktionierte tatsächlich wie gewünscht: Es blockierte den Vermehrungszyklus des HI-Virus.

Nur die Zellen mit dem Protein überlebten

"Die beste Methode, HIV zu bekämpfen, wäre ein Impfstoff. Das Virus hat sich in dieser Hinsicht aber sehr widerstandsfähig gezeigt", erklären die Forscher: "Also versuchen wir, seine Vermehrung möglichst wirksam zu blockieren. Je früher im Virenzyklus dies geschieht, desto besser, weil das Virus so weniger Gelegenheit hat, Resistenzen zu entwickeln."

Die Forscher stellten also Zellen mit hT5Cyp her. Sie vermischten diese mit Zellen ohne das neue Protein und infizierten die Kulturen mit HIV. Nach einem Monat waren in den Petrischalen fast nur noch Zellen mit dem hT5Cyp-Gen zu finden, die anderen waren an dem Virus gestorben. Sie konnten also das Virus blockieren, bevor es sein Erbgut in die Zellen einbaute.

In einem weiteren Schritt injizierten die Wissenschaftler Mäusen menschliche Immunzellen, die hT5Cyp enthielten. Die mit HIV infizierten Tiere wiesen nach zwei Wochen dank des neuen Proteins deutlich mehr Immunzellen und weniger Virenzellen im Blut auf.

Viren wie HIV vermehren sich, indem sie ihr Genom in die Wirtszellen einschleusen. Anschließend produziert die Zelle neue Viren und geht irgendwann zugrunde. HIV ist besonders heimtückisch, weil es sich genau in denjenigen Zellen einnistet, die für die Bekämpfung von Eindringlingen zuständig sind - den Immunzellen.

Die Forscher hoffen, dass das Protein bald auch beim Menschen eingesetzt werden kann - als ein neuer gentherapeutischer Ansatz gegen Aids.

lub/ddp



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