Verkehrte Welt: Forscher haben Tuberkulose-Bakterien entdeckt, für die ein Antibiotikum nicht schädlich ist, sondern eine Droge. Die Erreger blühten regelrecht auf, wenn der Wirkstoff Rifampicin verabreicht werde, berichten chinesische und US-Forscher im " International Journal of Tuberculosis and Lung Disease". Warum die Einzeller so auf das Antibiotikum reagieren, ist noch unklar.
Das Team um Ying Zhang von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore hatte die sonderbaren Bakterien bei einem Tuberkulose-Patienten in China entdeckt. Dem 35 Jahre alten Mann war es nach der Behandlung mit Rifampicin nicht besser, sondern immer schlechter gegangen. Erst die Verwendung eines Mittels ohne den Wirkstoff brachte Besserung. Im Labor kultiviert wuchsen die Bakterien fast gar nicht - bis der Nährlösung Rifampicin hinzugefügt wurde. Ein solcher Fall sei zuvor noch nie beschrieben worden, heißt es in einer Mitteilung der Forscher. Mediziner müssten ihn künftig im Kopf haben, wenn sie Patienten behandeln, denen es bei Behandlung mit Rifampicin immer schlechter gehe.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich mehr als eineinhalb Millionen Menschen an Tuberkulose. Immer mehr Antibiotika verlieren gegen Tuberkulose-Bakterien ihre Wirkung. Derzeit reagieren etwa fünf Prozent der Patienten nicht mehr auf Rifampicin und Isoniazid, die zwei wichtigsten Wirkstoffe zur Behandlung der Krankheit. Ursache ist vor allem die mehrmonatige Dauer der Therapie: Viele Betroffene vor allem in ärmeren Ländern setzen die Medikamente zu früh ab, weil sie sich der Konsequenzen nicht bewusst sind oder sie die Mittel nicht mehr bezahlen können. Das fördert die Entstehung resistenter Stämme.
lub/dpa
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