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Vermehrung gestoppt: Forscher finden Ansatz für Therapie gegen Ebola

Eine Infektion mit Ebola endet in vielen Fällen tödlich. Der Erreger verursacht hämorrhagisches Fieber, das zu inneren Blutungen führt. Bisher gibt es weder eine Impfung noch ein Medikament. Jetzt schöpfen Forscher neue Hoffnung: In Affen-Versuchen konnten sie die Vermehrung der Killer-Viren stoppen.

Ebola-Viren unter dem Mikroskop: Verursacher des hämorrhagischen Fiebers Zur Großansicht
dpa

Ebola-Viren unter dem Mikroskop: Verursacher des hämorrhagischen Fiebers

Hamburg - 21 Tage lang musste die Forscherin des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin bangen: Bei einem Experiment im Hochsicherheitslabor hatte sie sich mit einer Nadel gestochen, die mit dem hochgefährlichen Ebola-Virus kontaminiert war. Zwar stand nach der dreiwöchigen Inkubationsphase fest, dass sich die Frau nicht mit dem Erreger angesteckt hatte. Doch das Risiko, an einer Ebola-Infektion zu sterben ist hoch: 50 bis 90 Prozent aller Fälle von Ebola-Fieber enden tödlich - je nachdem, um welche Variante des Virus es sich handelt. Deshalb hatte sich die Wissenschaftlerin in einem experimentellen Heilversuch einen Impfstoff verabreichen lassen, der bis dahin nur an Tieren erprobt worden war.

Einen für Menschen zugelassenen Impfstoff gibt es bisher immer noch nicht. Ebenso wenig gibt es Medikamente gegen Ebola. Forscher von der Boston University haben jetzt aber gemeinsam mit Kollegen vom medizinischen Institut der amerikanischen Armee (USAMRIID) einen neuen Ansatz für eine vielversprechende Therapie gegen eine Ebola-Infektion gefunden: Sie nutzten kleine Moleküle aus genetischem Material, mit denen sie die Vermehrung der Ebola-Viren in der Wirtszelle hemmen konnten.

Wie die Forscher um Thomas Geisbert im Fachmagazin "The Lancet" berichten, konnten sie mit Hilfe der Moleküle infizierte Affen vor dem Ausbruch des sogenannten hämorrhagischen Fiebers schützen. Dieses Fieber ist deshalb so lebensbedrohlich, weil es dabei zu schweren inneren Blutungen kommt; die meisten Betroffenen sterben schließlich an multiplem Organversagen.

In der Forschung werden kleine Schnipsel aus genetischem Material, sogenannte siRNA-Moleküle (man nennt das Verfahren RNA-Interferenz), schon seit längerem genutzt, um Gene in der Zelle stillzulegen: Aus einem Gen auf der DNA produziert die Zelle zunächst eine Blaupause des Bauplans - diese sogenannte mRNA (messenger RNA) ist das erste Transkript des Gens, aus dem die Zellmaschinerie das entsprechende Protein baut. Schleust man in die Zelle aber einen genau zu dieser mRNA komplementären RNA-Strang, bindet dieser an die einsträngige mRNA. Mit der Folge, dass die Zellmaschinerie die mRNA nicht mehr als Transkript nutzen kann - die Produktion des Proteins wird somit gestoppt.

Die RNA-Interferenz ist ein natürlicher Abwehrmechanismus, der weit verbreitet ist: Viele Pflanzen und Tiere sowie Pilze nutzen ihn - für dessen Entdeckung hatten Andrew Fire und Creg Mello 2006 den Nobelpreis erhalten.

In ihrem Fall injizierten die Forscher den Affen siRNA-Moleküle, mit denen die Produktion des sogenannten L-Protein des Ebola-Virus unterbunden wurde. Ohne dieses Enzym können sich die Viren in der Wirtszelle nicht vermehren. Für Affen und Menschen sind diese siRNA-Moleküle ungefährlich, da sich das Gen des L-Proteins deutlich von den Genen in Affen und Menschen unterscheidet. Um die siRNA-Moleküle in die Zelle zu schleusen zu können, verpackten die Forscher sie in Lipid-Nanopartikel.

Eine Gruppe von drei Tieren wurde 30 Minuten nach der Exposition mit Ebola-Viren mit dem siRNA-Präparat behandelt. Dann wiederholten die Forscher die Therapie am ersten, dritten und fünften Tag danach. Eine weitere Affen-Gruppe erhielt ebenfalls 30 Minuten nach dem Kontakt mit Ebola die siRNA-Spritze, zusätzlich auch an sechs aufeinander folgenden Tagen.

Zwei Tiere der ersten und alle vier Affen der zweiten Grippe überlebten die Infektion, die bei Affen sonst auch tödlich verläuft. In der zweiten Gruppe kam es lediglich zu einem leichten Anstieg der Leberwerte, was man aber auch auf die Ebola-Infektion zurückführen könne, berichten die Forscher. Damit sei der generelle Beweis der Wirksamkeit erbracht. Jetzt wollen die Forscher weitere Studien durchführen, um mögliche Nebenwirkungen auszuschließen und den Therapieeinsatz beim Menschen vorzubereiten.

cib

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