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Weltpremiere: Französische Ärzte implantieren künstliche Bronchie

Französischen Ärzten ist es erstmals gelungen, einem Krebspatienten eine künstliche Bronchie einzusetzen. Dem Krankenhaus zufolge handelt es sich dabei um eine Premiere. Die künstliche Bronchie besteht aus einem biologischen Gewebe - Abstoßungsreaktionen schließen die Ärzte aus.

Ärzte Antoine Carpentier (links) und Emmanuel Martinod: Entwickelten künstliche Bronchie Zur Großansicht
AFP

Ärzte Antoine Carpentier (links) und Emmanuel Martinod: Entwickelten künstliche Bronchie

Einem französischen Ärzteteam ist nach eigenen Angaben die weltweit erste Implantation einer künstlichen Bronchie gelungen. Der Operierte, ein 78-jähriger Mann, litt an einem Tumor im rechten Lungenflügel. Dieser war soweit vorangeschritten, dass dem Patienten zwei Lungenlappen entfernt werden mussten - ein chirurgischer Eingriff, der bei den Experten Bilobektomie heißt. Die menschlichen Lungen bestehen aus einem rechten und einem linken Lungenflügel. Jeder wird durch Furchen in die sogenannten Lungenlappen unterteilt.

Durch diese Operation verringert sich aber in der Regel die Leistung der Lunge - und der Betroffene ist in seiner Atmung mitunter stark eingeschränkt. Das Ziel der Mediziner war es, die Funktion der Lunge durch die künstliche Bronchie wieder zu verbessern. Heute, rund 16 Monate nach dem Eingriff im Oktober 2009, sei der Patient bei guter Gesundheit, heißt es in dem Bericht, den die Ärzte vom Krankenhaus Avicenne in Bobigny nahe Paris im Fachjournal "The Annals of Thoracic Surgery" veröffentlicht haben. Der Patient müsse "regelmäßig überwacht werden, aber es geht ihm gut, er kann gehen und sich in sein Ferienhaus begeben", sagte der Chirurg Emmanuel Martinod, der den Eingriff geleitet hat, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die künstliche Bronchie formten die Mediziner aus einem Stück Aorta aus einer Gewebebank. Die Aorta ist die größte Schlagader des menschlichen Körpers. Stabilisiert wurde das Gefäß durch ein chirurgisches Drahtgeflecht - einen sogenannten Stent. Normalerweise werden die Luftröhren durch Knorpel gestützt.

"Das hat wohl gut funktioniert", kommentiert Bruno Meiser den Eingriff. Der Leiter des Transplantationsprogramms der Ludwig-Maximilians-Universität München war nicht an dem Eingriff beteiligt.

"Aus Sicht eines Chirurgen ist es schön, was die Kollegen gemacht haben", sagt Gregor Warnecke, der das Lungentransplantationsprogramm an der Medizinischen Hochschule Hannover leitet. Bislang gebe es kein gutes Material, um die Luftröhre und die großen Bronchien zu ersetzen. Da die Röhren unmittelbar mit der Außenluft in Kontakt kommen, die mit Keimen belastet ist, seien etwa Kunststoffe ungeeignet - darauf würden sich leicht Bakterien ansiedeln. "Eigentlich kommen nur biologische Transplantate infrage", sagte der Mediziner.

Das künstliche Gewebe, das beispielsweise auch bei Herzoperationen verwendet wird, löse keine Abstoßreaktionen aus, sagte Martinod auf der Pressekonferenz. Der Patient benötige somit keine Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen.

Warnecke zufolge könnte die neue Methode im Einzelfall Patienten mit fortgeschrittenen Lungentumoren helfen. Weltweit gibt es nach Daten der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr rund 1,6 Millionen neue Fälle von Lungenkrebs, 1,4 Millionen dieser Patienten sterben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von "Transplantation" die Rede. Dieser Begriff ist nicht korrekt, es handelt sich um eine "Implantation", also einer Einpflanzung und nicht einer Verpflanzung eines Organs. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

cib/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Abstoßungsreaktionen
ReneMeinhardt, 04.03.2011
wenn es dann doch welche gibt, dann darf der patient die ärtze natürlich verklagen, wegen falscheinschätzung.
2. Lol
johannes9126 18.03.2011
Zitat von ReneMeinhardtwenn es dann doch welche gibt, dann darf der patient die ärtze natürlich verklagen, wegen falscheinschätzung.
Für jemanden, der nicht an ein Immunsystem, also auch nicht an Abstoßungsreaktionen glaubt, hast Du hier eine ganz schön große Klappe...
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