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31. März 2011, 12:46 Uhr

WHO-Bericht für Europa

Lärm raubt jährlich eine Million Lebensjahre

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Flugzeuglärm reißt Anwohner aus dem Schlaf, der Geräuschpegel naher Straßen führt zu Gereiztheit, Bluthochdruck, Tinnitus. WHO-Forscher haben jetzt berechnet, wie stark ständiger Krach die Gesundheit der Europäer belastet - und kommen auf erschreckende Zahlen.

Sobald das erste Flugzeug am nahen Flughafen startet, ist es für manche Anwohner mit dem Schlaf vorbei. Auch der unaufhörliche rollende Verkehr auf großen Straßen bleibt irgendwann als brummender Dauerton im Ohr hängen. Jeder dritte Europäer fühlt sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO tagsüber durch Lärm gestört. Jeder fünfte klagt, das ihm nächtlicher Krach von Autos, Zügen oder Flugzeugen den Schlaf raubt. Dass die ständige Belastung krank machen kann, ist bekannt. Es gibt nur einen Umweltfaktor, der für noch mehr Gesundheitsprobleme verantwortlich gemacht wird, ist die Luftverschmutzung.

Die WHO hat nun in einem Bericht beziffert, wie groß die lärmbedingten Gesundheitsschäden in europäischen Staaten sind. Das Ergebnis: Der Krach kostet die Europäer jedes Jahr mehr als eine Million gesunde Lebensjahre.

Die Datensammlung ist vor allem für politische Entscheidungsträger gedacht, damit sie die Lärmfolgen einschätzen und entsprechend gegensteuern können. Dabei arbeiteten die WHO-Forscher mit einem sperrigen Begriff aus der Gesundheitsökonomie, dem sogenannten Behinderungs-gewichteten Lebensjahr (englisch: Disability-adjusted Life-Year, kurz Daly). Er zeigt an, wie viele Jahre bei guter Gesundheit wegen Lärmbelastung verloren gehen. Ein Faktor ist der vorzeitige Tod, etwa durch einen Herzinfarkt. Ein anderer ist die Einschränkung der Lebensqualität, wenn ein Jahr nicht in guter Gesundheit gelebt wird.

Fünf negative Auswirkungen haben die Wissenschaftler untersucht:

Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen nur um grobe Werte: Die Forscher mussten aufgrund der Daten aus den Fremdstudien abschätzen, wie groß der Anteil des Lärms auf die fünf Probleme ist und wie viele Europäer welchen Lärmpegeln ausgesetzt sind. Rok Ho Kim, unter dessen Federführung der Report entstanden ist, hofft dennoch, dass der Bericht "dazu beiträgt, dass die EU strengere Grenzwerte für Lärmbelästigung einführt".

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