Neuartiges Coronavirus WHO sieht Erreger als Gefahr für die ganze Welt

Zum Abschluss der 66. Weltgesundheitsversammlung warnt die Generaldirektorin der WHO vor dem neuartigen Erreger, der sich vor allem im Nahen Osten verbreitet. Inzwischen sind 22 Menschen an der Virusinfektion gestorben.

Neuartige Coronaviren unterm Elektronenmikroskop: Ansteckend von Mensch zu Mensch
REUTERS/CDC

Neuartige Coronaviren unterm Elektronenmikroskop: Ansteckend von Mensch zu Mensch


Genf - Angesichts von mehr als 20 Todesfällen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eindringlich vor dem neuen Coronavirus gewarnt. Unter allen Gesundheitsproblemen mache ihr dieser Erreger "derzeit die größten Sorgen", sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. "Das neue Coronavirus ist eine Gefahr für die ganze Welt." Es ähnelt dem Sars-Erreger, an dem vor zehn Jahren etwa 800 Menschen starben.

Der WHO wurden seit September 2012 bis zum 23. Mai 2013 aus acht Ländern insgesamt 44 bestätigte Infektionen mit dem neuen Erreger gemeldet. Männer waren deutlich häufiger betroffen als Frauen. 22 Patienten starben. Die Krankheit weist grippeähnliche Symptome auf und kann unter anderem zu lebensgefährlichen Entzündungen der Atemwege führen. Das Virus, das zuerst als hCoV-EMC bezeichnet wurde, nennen die Wissenschaftler inzwischen Mers-CoV(Middle east Respiratory Syndrome Coronavirus).

"Gemessen an den potentiellen Gefahren wissen wir zu wenig über dieses Virus", sagte Chan laut WHO-Mitteilung zum Abschluss der 66. Weltgesundheitsversammlung. Eine neue Krankheit, die sich schneller entwickle, als das Wissen über sie wachse, sei nie unter Kontrolle. Die Staaten müssten gemeinsam reagieren: "Das neue Coronavirus ist nicht ein Problem, das ein einzelnes betroffenes Land allein für sich lösen kann."

Krankheitsfälle vor allem im Nahen Osten

Laut WHO wurden bestätigte Ansteckungen vor allem im Nahen Osten registriert - in Saudi-Arabien, Jordanien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Allein die Gesundheitsbehörden Saudi-Arabiens meldeten demnach 22 Erkrankungen mit zehn Todesfällen.

In Deutschland, Frankreich, Tunesien und Großbritannien seien Fälle von Ansteckungen aufgetreten, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit Reisen in die betroffenen Nahost-Länder stehen. In München war im März ein 73-jähriger Patient an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben, der aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammte.

Die WHO ist inzwischen sicher, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Unklar ist jedoch, auf welchem Weg das passiert. In mehreren Fällen waren Familienmitglieder eines Infizierten erkrankt, auch Krankenhauspersonal hat sich angesteckt.

Am Dienstag teilten die französischen Gesundheitsbehörden mit, dass ein 65-Jähriger Franzose gestorben ist, der sich bei einem Aufenthalt in Dubai mit dem Virus infiziert hatte.

wbr/dpa



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Ylex 28.05.2013
1. Alternativ-Szenario
Zitat von sysopREUTERS/CDCZum Abschluss der 66. Weltgesundheitsversammlung warnt die Generaldirektorin der WHO vor dem neuartigen Erreger, der sich vor allem im Nahen Osten verbreitet. Inzwischen sind 22 Menschen an der Virusinfektion gestorben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/who-sieht-neuartiges-coronavirus-als-gefahr-fuer-die-ganze-welt-a-902298.html
Also keine Klima-Katastrophe, kein dritter Weltkrieg, kein massenhaftes Verhungern: Schlicht eine globale Grippe-Epidemie könnte die Weltbevölkerung innerhalb weniger Jahre von 7 Milliarden auf 700 Millionen zusammenschrumpfen lassen, welche eine Perspektive... irgendwie profan.
meinmein 28.05.2013
2.
Zitat von sysopREUTERS/CDCZum Abschluss der 66. Weltgesundheitsversammlung warnt die Generaldirektorin der WHO vor dem neuartigen Erreger, der sich vor allem im Nahen Osten verbreitet. Inzwischen sind 22 Menschen an der Virusinfektion gestorben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/who-sieht-neuartiges-coronavirus-als-gefahr-fuer-die-ganze-welt-a-902298.html
800 Tote! Sicher verunglücken jährlich mehr tödlich beim Zehennägelschneiden. Aber die Pharmaindustrie stellt schon mal Impfstoff für 7 Milliarden Menschen her.
baynado 28.05.2013
3.
Es ist unverantwortlich, wie von der Presse und der WHo immer wieder versucht wird Panik unter der Bevölkerung zu schüren. Irgendwann wird es sicherlich eine ernste gefahr geben. Die Bevölkerung wird aber bis dahin durch diese Pseudeokatastrophenmeldungen abgestumpft sein.
cassandros 28.05.2013
4. der kleine Unterschied
Zitat von meinmein800 Tote! Sicher verunglücken jährlich mehr tödlich beim Zehennägelschneiden. Aber die Pharmaindustrie stellt schon mal Impfstoff für 7 Milliarden Menschen her.
Ein schöner Vergleich. Wenn du jetzt nochmal ganz dolle geistig Anlauf nimmst, schaffst du vielleicht den gedanklichen Spagat und verstehst, daß Zehennägelschneiden *nicht* ansteckend ist!
Newspeak 28.05.2013
5.
Die Leute, die jetzt wegen angeblicher Panikmache meckern, sind die ersten, die sich beklagen, wenn sich ein neues Virus mal weltweit verbreitet und nicht mehr einzudämmen ist. Man wünscht sich fast, daß es mal wieder zu einer echten Pandemie kommt. Muß ja kein tödliches Virus sein. Vielleicht eines, das so richtig lästig ist und die Leute zwei Wochen an ihr Bett fesselt. Dann würden vielleicht einige die Dynamik verstehen, die sich hinter solchen Viren verbergen kann. Daß bisher so wenig passiert ist, seit der Spanischen Grippe, ist vielleicht dem aufmerksamen Gesundheitssystem geschuldet und ganz sicher zu einem großen Teil auch einfach nur Glück. Nur scheint das wieder kaum jemand zu würdigen.
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