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Wichtige Regeneration: Fehlender Schlaf lässt sich nachholen

Wer niemals ausschläft, der steuert schnell auf gesundheitliche Probleme zu. Forscher haben nun aber herausgefunden, dass selbst sporadische Langschläfer ihrem Körper etwas Gutes tun können: Selbst eine lange Nachtruhe zeigt schon überraschend viel Wirkung.

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Schlafende Frau: "Zurückgewinnung der geistigen Munterkeit"

Philadelphia - Wer dauerhaft zu wenig schläft, der lebt gefährlich. Chronischer Schlafmangel, da sind sich Forscher einig, macht krank: Das Risiko von Diabetes, Übergewicht und Herzerkrankungen steigt, unter anderem. Auch das Immunsystem ist auf regelmäßigen Schlaf angewiesen.

Wissenschaftler um David Dinges von der University of Pennsylvania in Philadelphia haben nun herausgefunden, dass sich die Folgen von chronischem Schlafmangel zumindest teilweise schnell wieder ausgleichen lassen - durch eine lange und geruhsame Nachtruhe. Um die Akkus komplett wieder aufzuladen sind aber mehrere Nächte ausgedehnten Schlafens nötig.

Die meisten gesunden Erwachsenen benötigen zwischen sieben und neun Stunden Schlaf pro Tag, um ihre körperlichen und geistigen Kräfte zu regenerieren. Das Gehirn nutzt den Schlaf, um das zu verarbeiten, was es tagsüber gelernt hat. Die nächtliche Ruhephase dient dazu, überflüssige Nervenverknüpfungen abzubauen und neue Synapsen indirekt zu festigen sowie die frischen Informationen vom Zwischenspeicher ins Langzeitgedächtnis zu transferieren, erklären Schlafforscher.

Menschen, deren Lebensrhythmus beispielsweise von Schichtarbeit bestimmt ist, bauen bereits nach wenigen Wochen ein erhebliches Schlafdefizit auf. Es kommt zu verringerter Aufmerksamkeit und Unkonzentriertheit, wie die Psychologen um David Dinges bereits vor einigen Jahren wissenschaftlich belegt hatten.

Miese Werte nach Mini-Schlaf

Für ihre Studie, über die sie im Fachmagazin "Sleep" berichten, hatten die Wissenschaftler zu rabiaten Mitteln gegriffen: Sie hielten ihre 159 Probanden zeitweise vom Schlafen ab. In den ersten beiden Nächten durften alle zehn Stunden im Bett sein. An den folgenden fünf Tagen reduzierten die Wissenschaftler die Schlafdauer auf vier Stunden.

Während die Probanden schliefen, beobachteten die Forscher die verschiedenen Schlafphasen. Dabei wurde auch der sogenannte REM-Schlaf bewertet, der unter anderem durch schnelle Augenbewegungen charakterisiert ist. Für den anschließenden Erholungsschlaf teilten die Psychologen die Probanden in sechs Gruppen ein, die zwischen null und zehn Stunden lang schlafen durften.

Tagsüber absolvierten die Teilnehmer verschiedene Verhaltenstests und neurologische Untersuchungen. So wollten die Wissenschaftler Informationen zu Reaktionszeit, Müdigkeitslevel und Konzentrationsfähigkeit sammeln. Dabei zeigte sich wenig überraschend, dass alle Werte nach einem Mini-Schlaf eher mies aussahen. Mit zunehmender Länge des Erholungsschlafs verbesserten sie sich wieder nach und nach.

Auf ihre Ausgangswerte kamen allerdings nur die Teilnehmer, die zehn Stunden schlafen durften. "Jede zusätzliche Stunde Schlaf nach einer Phase chronischen Schlafmangels fördert die Zurückgewinnung der geistigen Munterkeit", sagt Dinges.

Das Experiment zeige, wie wichtig der Erholungsschlaf für Menschen ist, die wegen ihres Berufs oder ihrer Lebensweise mit Schlafmangel zu tun haben, erklärten die Forscher. Für die vollständige Erholung seien aber neben der Dauer auch die verschiedenen Schlafphasen und die Schlafintensität mitverantwortlich.

chs/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
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1. Sensation!!
jazzinger 01.08.2010
Da wurde in einer wissenschaftlichen Untersuchung bewiesen, was Lebenserfahrung und gesunder Menschenverstand schon immer wussten! Das ist Wissenschaft, wie wir sie wirklich brauchen. Der zivilisatorische Fortschritt dieser Erkenntnis lässt sich gar nicht hoch genug ansetzen. Die Suche nach Elementarteilchen oder neuen, vielleicht sogar wirksamen Therapien, Tiefseeerkundungen, neue Energie- und Umweltschutzkonzepte usw. alles Mumpitz!!
2. @jazzinger
sschoenberger 01.08.2010
Nur weil sich Ihre Lebenserfahrung mit dem Ergebnis einer Untersuchung deckt, ist Ihre Schlußfolgerung: Alles Käse, das zu untersuchen, weiß doch jeder schon. Viele Alltagserfahrungswerte sind allerdings kaum mehr als gut gehüteter Irrglaube und es ist gut diese auf den Prüfstand zu stellen. Kommt hinterher heraus, daß es nur ein Vorurteil war, haben Sie das sicher auch schon vorher gewußt. Klar.
3. Erholsamer Schlaf
Inuk 01.08.2010
Zitat von sysopWer niemals ausschläft, der steuert schnell auf gesundheitliche Probleme zu. Forscher haben nun aber herausgefunden, dass selbst sporadische Langschläfer ihrem Körper etwas Gutes tun können: Selbst eine lange Nachtruhe zeigt schon überraschend viel Wirkung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,709508,00.html
Mehrere Nächte hintereinander ruhig zu schlafen, ist bei uns ein Ding der Unmöglichkeit. Die Umweltgeräusche nachts liegen knapp bei 40 dB A und das trotz Doppelverglasung der Fenster. In der Ferne hört man die Güterzüge rauschen, Motorradfahrer drehen ihre Maschinen auf Höchsttouren auf und das brummende Geräusch auf der Luftlinie 1 km entfernten Autobahn lässt sich auch nicht unterdrücken. Wenn dann um 4:30 Uhr der Zeitungsbote an den Briefkästen klappert, trägt das auch nicht zu einem erholsamen Schlaf bei. Vielleicht wäre der Hunsrück doch eine Alternative um ruhige Nächte verbringen zu können.
4. Schlaf kann man nicht nachholen
meinefresse 01.08.2010
sagt der Volksmund. Da hatte er wohl unrecht ;-)
5. Hindsight Bias
sewenz 02.08.2010
Zitat von jazzingerDa wurde in einer wissenschaftlichen Untersuchung bewiesen, was Lebenserfahrung und gesunder Menschenverstand schon immer wussten! Das ist Wissenschaft, wie wir sie wirklich brauchen. Der zivilisatorische Fortschritt dieser Erkenntnis lässt sich gar nicht hoch genug ansetzen. Die Suche nach Elementarteilchen oder neuen, vielleicht sogar wirksamen Therapien, Tiefseeerkundungen, neue Energie- und Umweltschutzkonzepte usw. alles Mumpitz!!
Scheint, als wären Sie in die Falle des "Hindsight Bias" getappt: in zigfach replizierten Experimenten zeigt sich, dass Menschen dazu neigen, wissenschaftliche Ergebnisse überzufällig oft unter der Rubrik "das war klar" bzw. "habe ich vorher schon gewusst" abzulegen. Das Schöne an diesen Experimenten: sie präsentieren einer Gruppe von Probanden Ergebnis A, einer anderen Ergebnis B -- in beiden Fällen sagen mehr als 50% "habe ich gewusst". Was selbstredend nicht möglich ist. Siehe für kurze Beschreibungen: http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckschaufehler http://en.wikipedia.org/wiki/Hindsight_bias
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Gehirn: Steuerzentrale des Körpers
Als Gehirn bezeichnet man den im Kopf gelegenen Abschnitt des Nervensystems, der die zentrale Steuerungszentrale des Körpers bildet. Bei höher entwickelten Tieren bildet das Gehirn zusammen mit dem Rückenmark das Zentralnervensystem. In ihm sind die Sinneszentren und übergeordnete Schaltzentren (Koordinations- und Assoziationszentren) zusammengefasst. Es ist für die Ausbildung komplizierter Handlungsabläufe, für die Fähigkeit des Gedächtnisses und für die Ausprägung von Denken, Gefühlen, Bewusstsein und Intelligenz verantwortlich.
Gehirnteile: Vorderhirn, Mittelhirn, Rautenhirn
Das menschliche Gehirn und auch das Gehirn vieler Tiere ist in drei Hauptteile gegliedert: Vorderhirn, Mittelhirn und Rautenhirn. Schon bei niederen Wirbeltieren entstehen aus dem Vorderhirn (Prosencephalon) das der Nase zugeordnete Endhirn (Großhirn) und das den Augen zugeordnete Zwischenhirn. Das Mittelhirn (Mesencephalon) bleibt ungegliedert erhalten. Das Rautenhirn (Rhombencephalon) gliedert sich weiter auf in das Hinterhirn mit dem Kleinhirn und der Brücke sowie in das verlängerte Mark, das den Übergang zum Rückenmark bildet. Mit zunehmender Höherentwicklung vergrößern sich die Teile und differenzieren sich weiter.
Großhirn: Spezialität des menschlichen Gehirns
Speziell für das menschliche Gehirn ist die Größe und Komplexität des Großhirns. Die Faltung seiner Oberfläche bewirkt eine enorme Oberflächenvergrößerung, so dass es die übrigen Hirnteile überwölbt. Das Großhirn ist das Zentrum für unsere geistigen und seelischen Fähigkeiten und damit für die komplexesten Gehirnleistungen. Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch ein dickes Bündel Nervenfasern, den sogenannten Balken, miteinander verbunden sind.
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Die äußere Schicht des Großhirns wird als Großhirnrinde (Cortex cerebri, kurz Cortex) bezeichnet. Sie ist nur etwa zwei bis fünf Millimeter dick und enthält die erstaunliche Menge von 10 bis 14 Milliarden Nervenzellen. Wenn Gehirne in Formalin haltbar gemacht werden, sieht die Großhirnrinde grau aus. Sie wird deshalb auch als graue Substanz bezeichnet und umgangssprachlich spricht man oft von "grauen Zellen". Der übrige Teil des Großhirns besteht aus Nervenfasern, welche die Nervenzellen mit anderen Hirnteilen verbinden. Dieser Teil wird auch als weiße Substanz bezeichnet.

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