Wirkstoffkombination Mütter können trotz HIV-Infektion stillen

Für viele Mütter in Afrika ist es eine schwere Bürde: Sind sie HIV-positiv, sollten sie auf das Stillen verzichten - riskieren damit aber eine Mangelernährung ihres Babys. Doch Medikamente verhindern fast immer die Übertragung des tödlichen Virus, wie eine Studie jetzt zeigt.

Stillende Mutter: Babys müssen sich nicht anstecken
DPA

Stillende Mutter: Babys müssen sich nicht anstecken


HIV-infizierten Frauen wird häufig empfohlen, ihre Kinder nicht zu stillen, um eine Übertragung des Virus mit der Muttermilch zu verhindern. In vielen afrikanischen Ländern stellt diese Empfehlung infizierte Mütter jedoch vor ein Problem: Aufgrund der schlechten Verfügbarkeit von Babynahrung liegt die Sterblichkeit nicht gestillter Babys dort um ein Vielfaches höher als die gestillter. Die Frauen mussten sich bisher also entscheiden, ob sie eher eine Infektion oder eine Mangelernährung bei ihren Kindern riskieren wollen.

Eine Studie weckt jedoch Hoffnung: Offenbar können Frauen ihr Baby doch ohne Ansteckungsgefahr stillen. Allerdings müssen sie dafür während der Schwangerschaft und Stillzeit sogenannte antiretrovirale Medikamente einnehmen. An der Studie nahmen insgesamt 730 schwangere HIV-Infizierte Frauen aus Botswana teil. Das internationales Forscherteam um Roger Shapiro von der Harvard-University untersuchte den Einfluss der Medikamente auf die Übertragungsrate des Virus von der Mutter aufs Kind.

Beim Stillen habe es lediglich zwei Fälle gegeben, in denen sich die Babys ansteckten, berichten die Wissenschaftler jetzt im "New England Journal of Medicine". Und auch insgesamt lag die Infektionsrate mit gut einem Prozent weit unter dem, was frühere Studien gezeigt hatten. Zum Vergleich: Ohne die Therapie infizieren sich mindestens 25 Prozent der Babys in den ersten sechs Monaten der Stillzeit. Das Ergebnis zeige, dass HIV-infizierte Frauen nicht unbedingt auf das Stillen verzichten müssten, schreiben die Forscher.

Die Forscher testeten bei den Studienteilnehmerinnen drei verschiedene gängige Wirkstoffkombinationen der hochwirksamen antiretroviralen Therapie (HAART). Die Frauen sollten die Medikamente ab Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels einnehmen und diese Einnahme auch während der ersten sechs Lebensmonate des Kindes beibehalten. Zusätzlich bekamen auch die Säuglinge vorsorglich antiretrovirale Medikamente verabreicht. Ergebnis: Alle Kombinationen waren gleich effektiv beim Verhindern einer Ansteckung, insgesamt lag die Infektionsrate bei 1,1 Prozent.

Für die Forscher ist das ein Durchbruch: "Frühere Studien mit kürzeren oder weniger umfassenden Therapievarianten waren nicht in der Lage, Raten unter fünf Prozent zu erzielen", berichtet Studienleiter Shapiro. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits auf Ergebnisse der bereits seit 1996 laufenden Studie reagiert: Sie gab kürzlich eine Empfehlung heraus, dass alle stillenden HIV-Infizierten oder deren Kinder antiretrovirale Medikamente einnehmen sollten.

boj/ddp

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Seite 1
mhampel, 17.06.2010
1. Patente
Und? Die können sich die Medikamente sowieso nicht leisten. Die erforderlichen Medikamente sind mit Patenten versehen, so dass die Preise zu hoch sind. Damit können die nicht eingesetzt werden. Es ist von den USA abgelehnt worden die Patente für Notstandsgebiete außer Kraft zu setzen. Das verstößt halt gegen den freien Markt. Da wäre ja sonst auch Kommunismus! Siehe auch: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung118068.html
Montanaman 17.06.2010
2. Bitte Nachdenken
Zitat von mhampelUnd? Die können sich die Medikamente sowieso nicht leisten. Die erforderlichen Medikamente sind mit Patenten versehen, so dass die Preise zu hoch sind. Damit können die nicht eingesetzt werden. Es ist von den USA abgelehnt worden die Patente für Notstandsgebiete außer Kraft zu setzen. Das verstößt halt gegen den freien Markt. Da wäre ja sonst auch Kommunismus! Siehe auch: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung118068.html
Mmmmm. Wer hat noch mal die Medikamente entwickelt? Ach so! Die bösen, bösen Pharmaunternehmen. Warum? Weil sie damit Geld verdienen können. Wie geht das ? Durch Patentschutz. Was würde passieren, wenn es keinen Patentschutz mehr gäbe? Dann gäbe es auch keinen Anreiz mehr, Medikamente herzustellen und zu entwickeln. Ach ja.
pax, 17.06.2010
3. Entwicklungshilfe
Zitat von MontanamanMmmmm. Wer hat noch mal die Medikamente entwickelt? Ach so! Die bösen, bösen Pharmaunternehmen. Warum? Weil sie damit Geld verdienen können. Wie geht das ? Durch Patentschutz. Was würde passieren, wenn es keinen Patentschutz mehr gäbe? Dann gäbe es auch keinen Anreiz mehr, Medikamente herzustellen und zu entwickeln. Ach ja.
Bemerkenswert , dass die Pharmabranche die einzige ist , bei der wir meinen dass Entwicklungshilfe von den Unternehmen selbst aus eigener Tasche geleistet werden muss. Denn das Argument des "Überlebenswichtigen" trifft genauso auch auf Nahrung , Wasser oder andere medizinische Ausrüstung zu. Nur würde niemand einen Bauern dazu zwingen wollen , sein Korn unter Herstellungspreis aus humanitären Gründen zu verkaufen oder einen Brunnenausrüster gratis Pumptechnik zur Verfügung zu stellen. Eben dazu sind ja die Mittel für Entwicklungshilfe , sowohl der Staaten als auch der Hilfsorganisationen , da, dass sie teure Waren und Dienstleistungen für die Entwicklungsländer bereitstellen, die sich diese sonst nicht leisten könnten.
Mr...T 17.06.2010
4. nettes ergebniss
Zitat von sysopFür viele Mütter in Afrika ist es eine schwere Bürde: Sind sie HIV-positiv sollten sie auf das Stillen verzichten - riskieren damit aber eine Mangelernährung ihres Babys. Doch Medikamente verhindern fast immer die Übertragung des tödlichen Virus, wie eine Studie jetzt zeigt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,701113,00.html
Also rein mechanistisch betrachtet ist dies sicherlich ein nettes Ergebniss welches weitere Forschung in dem Berreich beguenstigen kann. Jedoch denke ich nicht, dass HAART fuer Kinder und Muetter in Afrika eine Zukunft hat. Die Einhaltung der Medikation ist bekanntlich eher gering und nicht Einhaltung erhoet letztendlich die Gefahr einer Infektion und Verteilung resistenter Viren. Bevor man es schaft die Medikamente in Afrika gut zu verteilen, woran es ja momentan noch hapert, und genug aufklaerung und screenings veranlast welche eine Einhaltung der Therapie garantieren, ist es evt. doch einfacher Flaeschen mit Wasser und Milchpuder zu verteilen.
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