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26. März 2012, 13:18 Uhr

Rauschgift-Statistik

Zahl der Drogentoten sinkt rapide

Es ist ein Erfolg im Kampf gegen harte Rauschmittel: Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist innerhalb nur eines Jahres um ein Fünftel gesunken. Doch die Statistiken von Bundesregierung und BKA enthalten auch eine schlechte Nachricht - sie betrifft ausgerechnet jüngere Menschen.

Berlin - 2011 kamen 986 Menschen durch den Konsum harter Drogen ums Leben - 20 Prozent weniger als 2010, als 1237 Tote erfasst worden waren. Damit sei der niedrigste Stand seit 1988 erreicht, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), und das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Berlin mitteilten.

Dyckmans führte die Entwicklung auf Erfolge bei Hilfs- und Behandlungsangeboten zurück. Die Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, die diamorphingestützte Therapie, Drogenkonsumräume und auch medizinische und soziale Hilfsangebote trügen maßgeblich dazu bei, "dass Drogenabhängige überleben können und gesundheitlich stabilisiert werden", erklärte die Drogenbeauftragte. Das Durchschnittsalter der Todesopfer sei seit 2002 von 32 auf 37 Jahre gestiegen. Dennoch gelte: "Jeder Mensch, der aufgrund von Drogenkonsum stirbt, ist einer zu viel."

Zahl der Erstkonsumenten deutlich gestiegen

Der Bericht enthält auch ein deutliches Warnsignal: Die Zahlen der Drogen-Erstkonsumenten steigen stellenweise stark an. So wurden im vergangenen Jahr 21.315 Menschen erstmals wegen des Konsums harter Drogen polizeilich erfasst. Das ist gegenüber 2010 ein Anstieg um fast 15 Prozent.

Ein zunehmendes Problem bei Erstkonsumenten stellt sogenanntes kristallines Methamphetamin dar, besser bekannt als Crystal oder Crystal Meth. 2011 wurden insgesamt 1693 Konsumenten erstmals auffällig, das waren 164 Prozent mehr als im Jahr davor. Zugleich gab es damit in Deutschland erstmals mehr Erstkonsumenten von Crystal als von Ecstasy. Allerdings stieg auch bei Ecstasy, Kokain und Amphetamin die Zahl der Erstkonsumenten, während es bei Heroin weniger wurden. Gleichwohl starben die meisten Drogenabhängigen dem Bericht zufolge nach wie vor an einer Überdosis Heroin, oft auch in Verbindung mit Alkohol oder anderen Drogen.

Nach Angaben des BKA wurde 2011 in Deutschland eine Rekordmenge von rund 1,4 Tonnen Amphetamin und Methamphetamin beschlagnahmt. Vor allem bei Crystal fanden die Sicherheitsbehörden deutlich größere Mengen als im Jahr zuvor. Darüber hinaus wurden in Deutschland 717 Cannabis-Plantagen entdeckt, davon 34 "Profiplantagen" mit Kapazitäten von mehr als tausend Pflanzen.

Laut BKA-Präsident Jörg Ziercke müssen neben Amphetaminen und Crystal, die überwiegend aus den Nachbarländern nach Deutschland eingeschmuggelt werden, auch die sogenannten synthetischen Legal-High-Produkte weiter im Auge behalten werden. Diese werden zum Beispiel als Kräutermischungen oder Badesalze verkauft und enthalten Betäubungsmittel oder andere chemische Substanzen, die laut Ziercke schwerste Vergiftungen auslösen und auch zum Tod führen können.

mbe/AFP/dpa

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