Rauschgift-Statistik: Zahl der Drogentoten sinkt rapide

Es ist ein Erfolg im Kampf gegen harte Rauschmittel: Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist innerhalb nur eines Jahres um ein Fünftel gesunken. Doch die Statistiken von Bundesregierung und BKA enthalten auch eine schlechte Nachricht - sie betrifft ausgerechnet jüngere Menschen.

Crack-Pfeife: Zahl der Drogentoten sinkt, Zahl der Erstkonsumenten steigt Zur Großansicht
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Crack-Pfeife: Zahl der Drogentoten sinkt, Zahl der Erstkonsumenten steigt

Berlin - 2011 kamen 986 Menschen durch den Konsum harter Drogen ums Leben - 20 Prozent weniger als 2010, als 1237 Tote erfasst worden waren. Damit sei der niedrigste Stand seit 1988 erreicht, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), und das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Berlin mitteilten.

Dyckmans führte die Entwicklung auf Erfolge bei Hilfs- und Behandlungsangeboten zurück. Die Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, die diamorphingestützte Therapie, Drogenkonsumräume und auch medizinische und soziale Hilfsangebote trügen maßgeblich dazu bei, "dass Drogenabhängige überleben können und gesundheitlich stabilisiert werden", erklärte die Drogenbeauftragte. Das Durchschnittsalter der Todesopfer sei seit 2002 von 32 auf 37 Jahre gestiegen. Dennoch gelte: "Jeder Mensch, der aufgrund von Drogenkonsum stirbt, ist einer zu viel."

Zahl der Erstkonsumenten deutlich gestiegen

Der Bericht enthält auch ein deutliches Warnsignal: Die Zahlen der Drogen-Erstkonsumenten steigen stellenweise stark an. So wurden im vergangenen Jahr 21.315 Menschen erstmals wegen des Konsums harter Drogen polizeilich erfasst. Das ist gegenüber 2010 ein Anstieg um fast 15 Prozent.

Ein zunehmendes Problem bei Erstkonsumenten stellt sogenanntes kristallines Methamphetamin dar, besser bekannt als Crystal oder Crystal Meth. 2011 wurden insgesamt 1693 Konsumenten erstmals auffällig, das waren 164 Prozent mehr als im Jahr davor. Zugleich gab es damit in Deutschland erstmals mehr Erstkonsumenten von Crystal als von Ecstasy. Allerdings stieg auch bei Ecstasy, Kokain und Amphetamin die Zahl der Erstkonsumenten, während es bei Heroin weniger wurden. Gleichwohl starben die meisten Drogenabhängigen dem Bericht zufolge nach wie vor an einer Überdosis Heroin, oft auch in Verbindung mit Alkohol oder anderen Drogen.

Nach Angaben des BKA wurde 2011 in Deutschland eine Rekordmenge von rund 1,4 Tonnen Amphetamin und Methamphetamin beschlagnahmt. Vor allem bei Crystal fanden die Sicherheitsbehörden deutlich größere Mengen als im Jahr zuvor. Darüber hinaus wurden in Deutschland 717 Cannabis-Plantagen entdeckt, davon 34 "Profiplantagen" mit Kapazitäten von mehr als tausend Pflanzen.

Laut BKA-Präsident Jörg Ziercke müssen neben Amphetaminen und Crystal, die überwiegend aus den Nachbarländern nach Deutschland eingeschmuggelt werden, auch die sogenannten synthetischen Legal-High-Produkte weiter im Auge behalten werden. Diese werden zum Beispiel als Kräutermischungen oder Badesalze verkauft und enthalten Betäubungsmittel oder andere chemische Substanzen, die laut Ziercke schwerste Vergiftungen auslösen und auch zum Tod führen können.

mbe/AFP/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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1.
Dromedar 26.03.2012
Zitat von sysopEs ist ein Erfolg im Kampf gegen harte Rauschmittel: Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist innerhalb nur eines Jahres um ein Fünftel gesunken. Doch die Statistiken von Bundesregierung und BKA enthalten auch eine schlechte Nachricht - sie betrifft ausgerechnet jüngere Menschen. Rauschgift-Statistik: Zahl der Drogentoten sinkt rapide - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,823763,00.html)
Die härteste Droge, die im fünfstelligen Bereich Opfer Jahr für Jahr kostet, ist offensichtlich nicht aufgeführt.
2. ..........
tonybkk 26.03.2012
Zitat von sysopEs ist ein Erfolg im Kampf gegen harte Rauschmittel: Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist innerhalb nur eines Jahres um ein Fünftel gesunken. Doch die Statistiken von Bundesregierung und BKA enthalten auch eine schlechte Nachricht - sie betrifft ausgerechnet jüngere Menschen. Rauschgift-Statistik: Zahl der Drogentoten sinkt rapide - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,823763,00.html)
Die Zahl der Drogentoten sinkt seit Jahren. Zu danken ist dies vor allem der Tatsache das Heroin "aus der Mode gekommen ist". Bei den restlichen Rauschmitteln heisst es naemlich, dank voellig gescheiterter Drogenpolitik, mehr Konsumenten und noch mehr Konsumenten........
3. Kindergarten
n.holgerson 26.03.2012
Zitat von DromedarDie härteste Droge, die im fünfstelligen Bereich Opfer Jahr für Jahr kostet, ist offensichtlich nicht aufgeführt.
Es ist einfach nervig immer wieder die gleiche Scheindebatte zu führen. Also einfach mal nachdenken, ging es bei der Pressemitteilung um das Problem "legale bzw. illegale Drogen"? Also, Alkohol, Nikotin.... versus Heroin, Marihuana....? Oder ging es wohl um verbotene "Rauschmittel"?
4.
dale_gribble 26.03.2012
Zitat von n.holgersonOder ging es wohl um verbotene "Rauschmittel"?
Es ist doch VOLLKOMMEN EGAL ob ein Rauschmittel "verboten" oder "erlaubt" ist. Rauschmittel bleibt Rauschmittel.
5.
Dromedar 26.03.2012
Zitat von n.holgersonEs ist einfach nervig immer wieder die gleiche Scheindebatte zu führen. Also einfach mal nachdenken, ging es bei der Pressemitteilung um das Problem "legale bzw. illegale Drogen"? Also, Alkohol, Nikotin.... versus Heroin, Marihuana....? Oder ging es wohl um verbotene "Rauschmittel"?
Alkohol tötet mit weitem Abstand die meisten Leute, im Vernichtungsgrad liegt es sogar noch weit vor Heroin, es dauert da bloß 5 Jahre länger. Sorry, im Drogenbericht hat die Unterscheidung zwischen legalen oder illegalen Drogen nichts zu suchen. Fakt ist nunmal, dass Alkohol mit Abstand die meisten Leben in Deutschland zerstört. Nur im Gegensatz zu Nikotin wird das immer noch verharmlost. Ich bin nicht für die Prohibition. Aber dafür, das offen aussprechen zu können und das dies auch in offiziellen Stellungsnahmen so gehandhabt wird. Alkohol ist im Gegensatz zu Marihuana eben keine weiche, sondern eine sehr harte Droge.
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