Zahnmedizin Plasmastrahl soll Bohrer ersetzen

Bei Karies bleibt Zahnärzten meist nur der Griff zum Bohrer. Deutsche Forscher aber haben jetzt eine Methode entwickelt, die Kariesbakterien mit einem Plasmastrahl zu eliminieren.

Behandlung beim Zahnarzt: Künftig öfter auch ohne Bohren?
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Behandlung beim Zahnarzt: Künftig öfter auch ohne Bohren?


Homburg/Leipzig - Der Einsatz von Plasma in der Zahnmedizin könnte künftig eine Alternative zum unangenehmen und mitunter schmerzhaften Einsatz von Bohrern werden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung in Leipzig und der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg haben in Versuchen die Wirksamkeit eines sogenannten Plasma-Jets geprüft.

In dem Gerät wird Helium durch eine enge Düse geleitet und mit Mikrowellen angeregt, so dass es den nach fest, flüssig und gasförmig vierten Aggregatzustand, das Plasma, erreicht. Mit dem feinen Strahl kann ein Zahn gründlich und desinfizierend von schädlichen Bakterien gereinigt werden, ohne die Oberfläche zu beschädigen.

Dennoch werde die Zahnoberfläche durchlässig, etwa für Medikamente, erklärte der Leiter der Forschungsgruppe, der Zahnmediziner Stefan Rupf aus dem saarländischen Homburg. Damit könnte die Behandlung unter anderem von Karies erheblich verbessert werden. Die Versuche mit Zähnen, die zuvor Patienten gezogen worden waren, hätten gezeigt, dass die Bakterienkonzentration nach der Plasmastrahl-Einwirkung um den Faktor 10.000 gesunken sei, berichten die Forscher im Fachmagazin "Journal of Medical Microbiology".

Solange Karies nur auf den Zahnschmelz, die harte äußere Zahnschicht, begrenzt ist, muss nicht zwingend gebohrt werden. Solche Kariesvorstufen können mitunter auch durch Fluorid und eine bewusste Ernährung behandelt werden. Wenn die Bakterien jedoch tiefer eindringen, muss die geschädigte Zahnsubstanz bislang mit dem Bohrer entfernt werden. Mit der neuen Technik ließe sie sich wesentlich schonender und effektiver behandeln, glauben die Forscher. Bislang sei das Verfahren allerdings noch nicht an Patienten getestet worden, sagte Rupf. Bis zur Marktreife brauche es noch einige Jahre.

Plasma kommt derzeit etwa beim Schneiden von Stahl zum Einsatz, aber auch in der Medizin. Mittlerweile können auch sogenannte kalte Plasmastrahlen erzeugt werden. Das Gerät für die Zahnmedizin erreiche Temperaturen von 30 bis 40 Grad Celsius. "Damit ist die Temperatur körperkompatibel", sagte Rupf. Das sei wichtig, weil jede Beschädigung etwa von Nerven durch zu große Hitze unbedingt vermieden werden müsse. So würden die Bakterien getötet, gleichzeitig bleibe der Zahn erhalten.

hda/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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fledermaus62 20.01.2010
1. Angstnehmer
Zitat von sysopBei Karies bleibt Zahnärzten meist nur der Griff zum Bohrer. Deutsche Forscher aber haben jetzt eine Methode entwickelt, die Kariesbakterien mit einem Plasmastrahl zu eliminieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,672797,00.html
Für Menschen, die Angst vor Behandlungen mit Bohrern haben und nur unter Vollnarkose oder Mittels Hypnose behandelt werden können, ist diese Methode eine große Errungenschaft. Die Gefahren der Narkose entfallen ganz. Außerdem ist es kostengünstiger, zumal Narkose-Behandlungen von Erwachsenen selbst bezahlt werden müssen.
Frank Wagner, 20.01.2010
2. Frage
Ich verstehe das nicht ganz. Normalerweise bemerkt der Arzt die Karies doch auch erst, wenn das Loch da ist. Und dann muss er sowiso bohren um zu füllen. Mir wurde letzte Woche ein Weisheitszahn gezogen, der war völlig hohl. Gemerkt hatte ich davon rein gar nix.
Fait Accompli 20.01.2010
3. Ich will aber gar keinen Titel angeben!
Zitat von Frank WagnerIch verstehe das nicht ganz. Normalerweise bemerkt der Arzt die Karies doch auch erst, wenn das Loch da ist. Und dann muss er sowiso bohren um zu füllen. Mir wurde letzte Woche ein Weisheitszahn gezogen, der war völlig hohl. Gemerkt hatte ich davon rein gar nix.
Nein. Wenn Sie rechtzeitig beim Zahnarzt sind, kann er die Karies durchaus früher erkennen. Die sog. "Initialkaries" macht sich durch Verfärbungen bemerkbar. In diesem Stadium kann die Karies auch ohne Bohren bekämpft werden. Wichtig dafür sind regelmässige Zahnarztbesuche, gute Mundhygiene und ggf. Umstellung der Ernährung.
joe_eis 20.01.2010
4. Kostengünstiger?
Zitat von fledermaus62Für Menschen, die Angst vor Behandlungen mit Bohrern haben und nur unter Vollnarkose oder Mittels Hypnose behandelt werden können, ist diese Methode eine große Errungenschaft. Die Gefahren der Narkose entfallen ganz. Außerdem ist es kostengünstiger, zumal Narkose-Behandlungen von Erwachsenen selbst bezahlt werden müssen.
Solange es keine Zahlen für die Behandlung gibt, weiß ich nicht was kostengünstiger ist. Ich vermute mal, ein Narkotikum ist z.Zt. billiger als eine Plama-Bohrausstattung?
franksterling 20.01.2010
5. -
Interessant. allerdings gibt es dann wohlauch wie beim Laser keine Rueckinformation ueber den Druck den man spuert wenn man mit dem Bohrer am Zahn arbeitet. Kosten spielen sicherlich auch eine ernstzunehmende Rolle (gestern oder vorgestern war das ein Artikel bei Spiegel online wo es um computergefraesste Inlays ging und die Forumsteilnehmer habe sich ueber die enstehenden Mehrkosten aufgeregt).
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