Zuckerberg, Milner, Brin: Web-Milliardäre stiften Preis für Bioforscher

Der Nobelpreis bekommt Konkurrenz. Facebook-Milliardär Zuckerberg, Google-Gründer Brin, der Russe Juri Milner und andere Tech-Größen rücken die Biowissenschaften ins Rampenlicht. Sie haben einen mit je drei Millionen Dollar dotierten Preis gestiftet - und gleich elf Forscher auf einmal bedacht.

Breakthrough Prize: Milliardäre in Spenderlaune Fotos
REUTERS

Hamburg - Der sogenannte Breakthrough Prize in Life Sciences wird von einer Stiftung finanziert, deren Budget von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Google-Mitgründer Sergej Brin sowie dem russischen Investor Juri Milner stammt. Ebenfalls beteiligt sind Brins Ehefrau Anne Wojcicki, die Gründerin des Biotech-Unternehmens 23andMe, sowie Zuckerbergs Ehefrau Priscilla Chan, berichtet das "Wall Street Journal" ("WSJ").

Der Preis für Biowissenschaftler ist mit drei Millionen Dollar (2,2 Millionen Euro) dotiert - und damit deutlich besser als der Nobelpreis. Dort lag das Preisgeld im vergangenen Jahr bei umgerechnet 930.000 Euro.

Milner, so heißt es, habe die anderen angesprochen, ob sie sich an dem Projekt beteiligen wollen. Der Russe hat vergangenes Jahr bereits den Fundamental Physics Prize ins Leben gerufen. Auch dieser ist mit drei Millionen Dollar dotiert.

Nun folgt also eine Auszeichnung für Bioforscher.

Laut "WSJ" soll der neue Preis pro Jahr an mindestens fünf Wissenschaftler vergeben werden. Wie bei der Auszeichnung für Physiker sollen die Preisträger des Vorjahres ihre Nachfolger auswählen. Wissenschaftler seien wunderbare Menschen, die jedoch für die Öffentlichkeit meist unsichtbar blieben, sagte Milner laut einem Bericht des "WSJ".

Gleich elf Forscher erhalten nun die Auszeichnung - und je drei Millionen Dollar. Die "New York Times" listet die Forscher auf, die größtenteils in den USA arbeiten. Zu ihnen zählen Eric Lander, einer der Leiter des Humangenomprojekts, Robert Weinberg, der das erste Krebsgen entdeckte und Titia de Lange, die Telomere erforscht - die schützenden Enden der Chromosomen. Auch der japanische Forscher Shinya Yamanaka, der im Jahr 2012 den Nobelpreis für Medizin für seine Arbeit zur Umprogrammierung von Zellen erhielt, ist einer der ersten Preisträger. Weitere Preisträger sind laut dem Bericht Cornelia Bargmann, David Botstein, Lewis Cantley, Hans Clevers, Napoleone Ferrara, Charles Sawyers, Bert Vogelstein und Robert Weinberg.

Eric Lander sagte der "New York Times", dass die Idee des Preises wohl sei, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf die Wissenschaft zu lenken - und die Botschaft zu vermitteln, dass Forschung "spannend, wichtig, cool, und für unsere Zukunft" sei: "Das ist hier in den USA eine wichtige Botschaft", so Lander.

Apple-Vorstand Arthur Levinson, der an der Auswahl der ersten Preisträger beteiligt war, bezeichnet den Zusammenschluss der Unternehmensgründer und Investoren als ungewöhnliche Allianz im Sillicon Valley, die es so noch nicht gab. Gegenüber dem britischen "Guardian" betonte er, dass der Preis Aufmerksamkeit auf Forschung und Forscher lenken solle. "Wissenschaftler, die grundlegende Beiträge leisten, erhalten oft kaum Anerkennung und wenig Entschädigung dafür. In meinen Augen sind sie die wahren Helden", so Levinson.

Den einen oder anderen Preisträger dürfte diese plötzliche Anerkennung und finanzielle Entschädigung geradezu überwältigen. Neuroforscherin Cornelia Bargmann etwa gestand dem "Guardian", dass diese Summe so weit außerhalb ihres normalen Rahmens liege, dass sie noch keine Idee habe, was sie damit machen werde. "Das Auto reparieren?", scherzte die Forscherin.

wbr

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Egomanie und Gigantomanie
matjeshering 20.02.2013
nehmen langsam überhand. Naja, sie können ja mit ihrem Geld machen was sie wollen. Aber anstatt zukunftsträchtige Forschungsprojekte zu fördern, oder z.B. sauberes Wasser für alle Menschen zu initiieren, werden Forscher die schon ein sicheres Einkommen haben, mit einer dicken Belohnung beschenkt. Aus meiner Sicht wächst damit die Gefahr des Betruges und der Skrupellosigkeit in den Wissenschaften, weil es sich jetzt auch noch monetär lohnt. Die Spender sollten sich mal ein Beispiel an der Bill und Melinda Gates-Foundation nehmen. Kein grosses Aufheben um all die Forschungsfinanzierungen weltweit um Kindern zu helfen.
2. Na also, geht doch…
hein_blöd 20.02.2013
… etwas Sinnvolles mit dem vielen Geld anzufangen. Sollte Beispiel machen, allerdings bleibt zu hoffen, dass das Gremium zur Auswahl der Preisträger unabhängig ist und über eine entsprechende wissenschaftliche Expertise verfügt.
3. Bravo, das finde ich ja so was von gut, dass endlich.......
prologo1 20.02.2013
Zitat von sysopDer Nobelpreis bekommt neue Konkurrenz. Facebook-Milliardär Zuckerberg, Google-Gründer Brin, der Russe Juri Milner und andere Tech-Größen rücken die Biowissenschaften ins Rampenlicht. Sie haben einen mit je drei Millionen Dollar dotierten Preis gestiftet - und gleich elf Forscher auf einmal bedacht. Zuckerberg, Milner und Brin: Millionen-Preis für Bioforscher gestiftet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/zuckerberg-milner-und-brin-millionen-preis-fuer-bioforscher-gestiftet-a-884487.html)
......dass endlich diesen antiquarischen und verstaubten Altprofessoren des Nobelpreiskomitees der Boden entzogen wird. Mit dem Tempo der elektronischen Entwicklungen können oben besagte und betagte ja nicht mehr mithalten, aber genau dieses Tempo brauchen wir jetzt für alle Entwicklungsbereiche. Und eben gerade für BIO!!! Das haben die WEB Milliardäre an erster Stelle erkannt. WEB ist die Epochale Erfindung für die schnelle Entwicklung der Menschheit. Nur mit WEB konnte man die Plagiatsbetrüger entlarven und überführen. Dieser Preis der WEB Milliardäre wird die Forscher beschleungigen, und das tut der ganzen Welt gut. Und das geht ganz ohne Korruption und Verscheisserung. Einfach nur ehrlich zu, da wird Leistung honoriert.
4.
pepe_sargnagel 20.02.2013
Zitat von matjesheringAus meiner Sicht wächst damit die Gefahr des Betruges und der Skrupellosigkeit in den Wissenschaften, weil es sich jetzt auch noch monetär lohnt.
Eine wichtige Feststellug und ausreichend begründet. Jedoch muss ich mich wirklich fragen, ob die Forscher dieses Geld nicht für weitere Forschung investieren statt in ihre Taschen zu stecken. Häufig sind die richtg hohen Preisgelder so ausgestaltet, dass sie nicht zu 100 Prozent am Privatkonto landen, sondern in der Forschung eingesetzt werden. Jedoch mag es da auch Ausnahmen geben. Nun zur Drittmittelfinanzierung (mittlerweile üblich an deutschen Unis): Natürlich besteht die Gefahr, dass man betrügt, denn der Publikationsdruck und der Druck "die Welt neu zu erfinden" sind immens. Wer bekommt schon Geld, wenn er nur das Rad neu erfindet? Hier ist in der Tat wohl ein Bogen überspannt worden - ich rechne fest damit, dass noch einige Professoren oder wissenschaftliches Personal des Betrugs überführt werden. Das liegt aber auch an dem Rückzug der staatlichen Gelder aus der Forschung. Scheinbar sind die Pensionszahlungen an ehemalige Lehrer bereits genug "Forschungsausgaben".
5. Stiftung als Marketing-Instrument ....
discotieren 20.02.2013
.... wenn man "gute Presse" braucht. Und zumindest Google und Facebook benötigen gute Presse, laufen doch ständig neue rechtliche Verfahren von Aufsichtsbehörden wegen Verletzungen von Bürgerrechten (das sind Sie und ich) gegen sie. Nicht ohne Grund sondern mit sehr guten Gründen.
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