Von wegen instinktgesteuert: Weißbüschelaffen werden beim Sex bei weitem nicht nur von den Gehirnbereichen gesteuert, die für die sexuelle Erregung verantwortlich sind. Auch andere Hirnareale zeigen deutliche Aktivitäten in Gegenwart eines starken sexuellen Reizes, entdeckten amerikanische Forscher. Das Aktivitätsmuster im Hirn der kleinen Primaten ähnelt dabei stark dem eines Menschen in einer vergleichbaren Situation, wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of Magnetic Resonance Imaging" schreiben.
Charles Snowdon von der University of Wisconsin in Madison und seine Kollegen ließen männliche Äffchen an Sekreten paarungsbereiter Weibchen schnuppern, während sich die kleinen Primaten in einem Magnetresonanztomografen befanden. Das ermöglichte den Wissenschaftlern, zeitgleich mit der Wahrnehmung des Geruchs die Gehirnregionen zu identifizieren, die durch den sexuellen Reiz aktiviert wurden.
Auch Hirnareale für kognitives Denken aktiv
Das Ergebnis verblüffte die Forscher: Der Geruch regte neben den Arealen, die direkt die sexuelle Erregung steuern, auch Bereiche an, die für kognitives Denken, die Verarbeitung von Emotionen, die Entscheidungsfindung und das Speichern von Erinnerungen zuständig sind.
Offensichtlich lassen sich die Äffchen also nicht einfach nur von ihrem Trieb steuern, folgern die Forscher aus ihren Ergebnissen. Vielmehr scheinen sie zweimal darüber nachzudenken, ob und mit wem sie Geschlechtsverkehr haben. Da die Weißbüschelaffen in Familiengruppen lebten, müssten sie sehr genau abwägen, welche Folgen eine Paarung für das komplexe Sozialgefüge haben könnte.
Interessanterweise seien bei den kleinen Primaten fast exakt die gleichen Gehirnregionen an der Partnerwahl beteiligt wie beim Menschen, schreiben Snowdon und Kollegen. Die Äffchen seien daher ein gutes Modell, um die Reaktionen des Gehirns in bestimmten Situationen zu untersuchen, wenn eine solche Untersuchung am Menschen nicht möglich sei.
Mandelkern befeuert menschlichen Trieb
Zugleich kam eine australische Studie zu dem Ergebnis, dass der Sexualtrieb des Menschen von der Größe einer Hirnregion namens Amygdala abhängt. Der für Emotionen zuständige so genannte Mandelkern wurde zwar schon früher mit sexuellem Verlangen in Verbindung gebracht. Auf seine Größe achteten Forscher jedoch bislang nicht.
Wissenschaftler der University of Melbourne untersuchten nun die Gehirne von 45 Patienten mit chronischer Epilepsie, die typischerweise mit einem gedämpftem Sexualtrieb einhergeht. Den Patienten war während der Behandlung ein Teil des Gehirns entfernt worden. Je weniger dabei die Amygdala beschädigt wurde, desto stärker war der Sexualtrieb ausgeprägt, hieß es jüngst in einem Artikel der Fachzeitschrift "Nature".
Die Suche nach der Wurzel des Geschlechtstriebs hat auch einen kommerziellen Hintergrund: Der Erfolg des Potenzmittels Viagra hat gezeigt, dass es für lustfördernde Mittel einen riesigen Ansatzmarkt gibt.
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