Die drei Kätzchen sind wohlauf und unterwegs in die isolierte Haltung - in großer Begleitung. Zusammen mit etwa 40 Artgenossen würden sie nach Wien gebracht, teilte der Agrarlandesrat der Steiermark, Hans Seitinger, mit. In dem österreichischen Bundesland war heute die H5N1-Infektion von lebenden Hauskatzen bekannt geworden. Seitinger bestätigte diese Diagnose.
Die genaueren Umstände der Ansteckung geben aber Anlass zur Entwarnung: Die drei Katzen stammten aus jenem Tierheim in Graz, in dem bereits in Februar ein Ansteckungsfall für Aufsehen gesorgt hatte. Dort hatte sich Nutzgeflügel infiziert - wie sich herausstellte infolge gemeinsamer Haltung mit eingelieferten Wildvögeln. Eine solche Käfiggemeinschaft war jedoch schon damals wegen der Aufstallungspflicht unzulässig.
Schlamperei, summierten die Behörden. Ein Einzelfall und nicht das befürchtete Übergreifen des Erregers auf Nutztierbestände. Ähnlich scheint es sich nun mit den drei Katzen zu verhalten.
Auch die rund 40 anderen Katzen, mit denen sie zuletzt gehalten wurden, müssen nun in die Tierklinik der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Dort stehen sie unter wissenschaftlicher Beobachtung. Das Tierheim wurde bis auf weiteres gesperrt.
In Deutschland hatte sich jüngst eine Katze auf Rügen mit dem Vogelgrippe-Erreger infiziert. Es ist bislang jedoch weltweit kein Fall bekannt, bei dem sich ein Mensch bei einer Katze angesteckt hätte.
In Deutschland wurden keine weiteren Fälle bekannt. Die Infektionen bei Wildtieren mit H5N1 bleiben bislang abseits der Ostseeküste und des Bodensees Einzelfälle. Das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns teilte mit, dass die Zahlen eingesammelter toter Tiere weiter rückläufig sind. Die Anzahl positiv getesteter Kadaver erhöhte sich über das Wochenende nur um sieben. Vor allem seien alle Tests bei Säugetieren wie Katzen oder Mardern negativ geblieben.
Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) veröffentlichten die Ergebnisse von Experimenten mit Wildschweinen: Nicht nur sei der Erreger bei keinem Tier aus freier Wildbahn bisher nachgewiesen worden. Auch im Experiment hätten sich die Allesfresser nicht mit dem Vogelgrippe-Erreger angesteckt, obwohl sie infizierte Kadaver verspeist hatten.
Langes Zögern der Industriestaaten kritisiert
In Genf erklärten Grippe-Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bislang bleibe die Vogelgrippe in erster Linie eine Tierseuche. Ihr Ausmaß sie jedoch weltweit einmalig. Allein in Asien seien mehr als 160 Millionen Hühner und Enten der Vogelgrippe erlegen oder vorsorglich geschlachtet worden. Die Experten wollen noch bis Mittwoch Maßnahmen diskutieren, die weitere Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern. "Die Ereignisse der vergangenen Wochen bestätigen unsere Sorgen", sagte Margaret Chan von der WHO.
Harsche Kritik übte derweil der Chef einer anderen Uno-Organisation. Jacques Diouf, der der Welternährungsorganisation (FAO), warf den Industriestaaten vor, auf die Möglichkeit einer Pandemie fixiert zu sein. Dies habe zu einer extremen Vernachlässigung des Kampfes gegen die Tierseuche geführt.
Der französischen Zeitung "Libération" sagte Diouf, der Westen hätte früher und entschlossener reagieren müssen, als das Virus in Asien ausbrach. Hätte man damals entschlossen die Tierseuche bekämpft. "Dann hätte man auch die kollektive Psychose vermieden, die sich in den Industriestaaten zeigt", sagte Diouf.
stx/AP/dpa/rtr
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