Washington/Gotha - "Dieser Fund ist faszinierend", jubiliert Robert R. Reisz von der University of Toronto im kanadischen Mississauga. "Denn er bestätigt, dass die zweifüßige Fortbewegung als innovative Weiterentwicklung mehrmals stattgefunden hat - bei einigen Dinosauriern, ihren Vogelnachkommen und dann nochmals bei den Säugetieren. Unter evolutionären Gesichtspunkten muss es sich demnach um eine gute Idee handeln."
Im US-Wissenschaftsjournal "Science" präsentiert ein internationales Forscherteam die Überreste des "Eudibamus cursoris", eines Lebewesens, das vor 290 Millionen Jahren im Bromacker bei Tambach-Dietharz in Thüringen gelebt hat. Die Skelettmerkmale des hervorragend erhaltenen Fossils wiesen darauf hin, dass es sich flink auf zwei Beinen, wahrscheinlich auf den Zehen, fortbewegen konnte. Die Körperhaltung war aufrecht, und die Gliedmaßen bewegte das Tier pendelartig und parallel zur Körperachse. Die Haltung ähnele der von laufenden Menschen.
Auffällig sei die extreme Schwanzlänge im Verhältnis zum Rumpf, sagte der Gothaer Paläontologe Thomas Martens vom Museum der Natur Gotha, der das Skelett 1993 zusammen mit US-Forschern auf dem Bromacker ausgegraben hatte. Der Schwanz diente vermutlich dem Pflanzenfresser als "Steuer" bei schneller Fortbewegung und Flucht.
In langsameren Momenten bewegte sich das Reptil wahrscheinlich vierfüßig, vermuten die Forscher. Aber selbst dann würde die auffällige Körperhaltung des Eudibamus zu einer Fortbewegungsart geführt haben, die sich von der ungestümen Art der anderen Vierfüßer dieser Zeit unterschied. Diese bewegten sich mit angewinkelten Armen und Beinen.
Das Fossil stellt nach Meinung der Wissenschaftler eine neue Art dar. "Eudibamus cursoris" sei das älteste bekannte Mitglied einer Hauptgruppe bekannter primitiver Reptilien. Der Eudibamus scheint jedoch kein direkter Vorfahre späterer Reptilien - einschließlich einiger Dinosaurier - zu sein, die Körperhaltung und Gangart der Zweifüßer übernahmen.
Der Fund habe sich nach umfangreicher Präparation und wissenschaftlicher Bearbeitung mit den Spezialisten in den USA und Kanada als der bisher älteste fossile Nachweis eines zweibeinigen Landwirbeltieres entpuppt, sagte Martens. Das Skelett befinde sich noch in Amerika und werde in etwa einem Jahr in Gotha zu sehen sein.
Die Fundstelle im roten Gestein nahe des Rennsteigs sei erst seit etwa 20 Jahren bekannt und gelte als eines der wenigen weltweiten "Fenster" in die frühe Vergangenheit, sagte Martens. Auf dem Bromacker wurden bisher mehr als 30 Skelette von sechs verschiedenen Ursaurierarten entdeckt, die vor etwa 290 bis 268 Millionen Jahren im frühen Perm lebten. Sie haben erstaunliche Ähnlichkeit mit Funden aus den Rocky Mountains. Dies sei ein biologischer Beweis, dass Europa und Amerika verbunden gewesen seien.
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