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03.05.2001
 

Gehirn

Leichen liefern frische Zellen

Folgt auf die Spenderniere das Spenderhirn? Forscher haben aus Leichengewebe Zellen gezüchtet, die in Zukunft Alzheimer oder andere Hirnleiden heilen sollen.

Nervenzellen: Spenderhirne sollen Alzheimer-Patienten helfen
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REUTERS

Nervenzellen: Spenderhirne sollen Alzheimer-Patienten helfen

London - Nicht nur Herz und Nieren, auch die Gehirne von Gestorbenen könnten Kranken künftig einen wichtigen Dienst erweisen: Ein Team kalifornischer Mediziner hat aus Gewebeproben von Leichen neue Hirnzellen gewonnen, die sich im Labor eifrig vermehrten. Die Wissenschaftler um Fred Gage vom Salk Institute in La Jolla stellen ihre Arbeit in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" vor.

Gage und seine Kollegen hatten Leichen innerhalb von 20 Stunden nach dem Tod Hirngewebe entnommen und daraus Zellen isoliert. In Kulturschalen wurden sie mit verschiedenen Wachstumsfaktoren und anderen Substanzen versetzt. Als entscheidende Zutat erwiesen sich Proteine, die aus gentechnisch veränderten, embryonalen Stammzellen von Ratten gewonnen wurden: Diese manipulierten Zellen produzieren bestimmte Wachstumsfaktoren, durch die sich die Überlebenschancen der Hirnzellen in den Zellkulturen und ihr späteres Wachstum dramatisch verbessern ließen.

Aus den meisten der insgesamt 23 Gewebeproben, die von Verstorbenen unterschiedlichen Alters stammten, konnten auf diese Weise lebende Hirnzellen gezüchtet werden. Die neuen Zellen vermehrten sich umso besser, je jünger die Spender waren: Hirnzellen, die einem im Alter von elf Wochen gestorbenen Säugling entnommen worden waren, teilten sich mehr als 70-mal, bevor der Prozess ins Stocken geriet. Bei den Zellen erwachsener Spender war dagegen bereits nach etwa 30 Teilungszyklen Schluss.

Indem die Forscher die Konzentration der Wachstumsfaktoren veränderten und andere Chemikalien beifügten, konnten sie die Differenzierung zu Nervenzellen und anderen Zelltypen des Gehirns steuern. Das so gewonnene Zellmaterial könnte in Zukunft genutzt werden, um bei Parkinson- oder Alzheimer-Patienten abgestorbene Hirnzellen zu ersetzen, hofft das Team.

Bisher wurden dafür unter anderem Zellen aus abgetriebenen Embryonen verwendet. Erste Operationen verliefen jedoch wenig erfolgreich, zudem ist der Einsatz embryonaler Stammzellen aus ethischen Gründen umstritten. Die Transplantation von Hirnzellen aus Leichengewebe würde vermutlich weniger heftige Reaktionen provozieren. Gage und seine Kollegen weisen allerdings darauf hin, dass zuvor noch weitere Forschungsarbeit nötig ist: Insbesondere die Alterungsprozesse bei den kultivierten Hirnzellen seien noch nicht ausreichend untersucht.

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