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15.05.2001
 

Satellitenbilder

Hunderttausenden Robbenbabys droht angeblich der Hungertod

Eingeschlossen von einem ungewöhnlich starken Eispanzer könnten im Norden Russlands bis zu 200.000 junge Seehunde dem Tod geweiht sein. Jetzt hat die Nasa erstmals Satellitenaufnahmen der Region veröffentlicht.

Ein dicker weißer Schleier liegt über dem Weißen Meer nahe der russischen Stadt Archangelsk. Wo normalerweise - wie in der nördlicher gelegenen Barentssee - der Satelliten-Blick aufs Wasser frei sein sollte, ist noch immer eine große Eisschicht zu erkennen.

Vom Hungertod bedroht: Seehund im Weißen Meer
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AP

Vom Hungertod bedroht: Seehund im Weißen Meer

Die jetzt veröffentlichten Aufnahmen des Terra-Satelliten der Nasa scheinen eine Naturkatastrophe zu bestätigen, die der Wissenschaftler Wladimir Potelow vom russischen Polarinstitut für Fischerei und Ozeanografie bereits vergangene Woche vorhergesagt hatte. In der Weißen See sind Hunderttausende junger Robben eingeschlossen.

Normalerweise schwimmen die Seehunde ans südliche Ende des Weißen Meers - einer großen Bucht, die nur durch eine enge Meerenge mit der Barentssee verbunden ist -, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Anschließend lassen sie sich auf kleinen Eisflößen sechs Wochen lange wieder in Richtung Barentssee treiben, wo sie ausreichend Nahrung finden.

Eispanzer: Die Barentssee (oben, mitte) und das Weiße Meer(südwestlich davon) aus dem All betrachtet
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NASA / orbimage

Eispanzer: Die Barentssee (oben, mitte) und das Weiße Meer(südwestlich davon) aus dem All betrachtet

Eigentlich sollte die Fahrt nach Norden bereits Anfang März beginnen. Doch starke nordöstliche Winde haben dieses Jahr die übliche Drift der Eisschollen verhindert. Gleichzeitig hat sich, wie die Aufnahmen der Nasa-Satelliten zeigen, an der Verbindung zur Barentssee ein eisiger Flaschenhals gebildet, der eine Reise nach Norden erschwert. Da die in der Regel zwei Monate alten Robben bereits von ihren Müttern verlassen wurden, droht ihnen nun der Hungertod. "Ein Massensterben ist unvermeidbar", sagt Potelow.

Wie die britische "Times" berichtet, hat sich bereits 1966 eine ähnliche Katastrophe ereignet, als rund 300.000 junge Seehunde sterben mussten - rund 60 Prozent der gesamten Zahl an Neugeborenen in diesem Jahr.

Auch andere Tiere mussten dieses Jahr unter dem extrem strengen russischen Winter leiden. Viele Rentiere und Wildschweine haben, so "BBC News Online", den harten Frost nicht überlebt. Jetzt zieht die Katastrophe weitere Kreise: Weil sie sich zu einem großen Teil von diesen Tierarten ernähren, steht den ohnehin schon bedrohten sibirischen Tigern ein hungriger Frühling bevor.

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