Manche Fischarten haben offenbar ein deutlich besseres Gehör als bislang angenommen: Studien amerikanische Meeresbiologen zufolge kann der Menhaden-Hering, immerhin der zweitwichtigste Fisch für die US-Fischfangflotte, auch Tönen im Bereich des Ultraschalls lauschen.
Wie ein Forscherteam um David Mann vom Mote Marine Laboratory im "Journal of the Acoustical Society of America" berichtet, kann die Heringsart Frequenzen bis zu einer Höhe von 80 Kilohertz wahrnehmen. Bei den meisten anderen Fischen ist - wie auch beim Menschen - viel früher Schluss. Sardellen, Sardinen oder andere Heringsarten hören nur Töne bis zu vier Kilohertz. Lediglich Alse, die mit rund 50 Zentimetern Länge zu den größten Heringsfischen gehören, können, wie David Mann bereis 1997 herausgefunden hat, ebenfalls Ultraschall wahrnehmen.
Warum sich die verschiedenen Heringsarten trotz eines weitgehend identischen Hörsystems derart unterscheiden, stellt die Forscher vor ein Rätsel. Alle Fische besitzen, so "Nature Science Update", eine luftgefüllte Schwimmblase, in der Schallwellen Resonanzen auslösen können. Diese Schwingungen werden dann von einem dem menschlichen Innenohr vergleichbaren Organ aufgenommen.
Wahrscheinlich hat sich bei Menhaden-Heringen und Alsen im Laufe der Zeit das Innenohr verändert. David Mann und seine Kollegen vermuten, dass Delfine hierfür verantwortlich sein könnten. Die Meeressäuger, einer der Hauptfeinde der Fische, kommunizieren und navigieren mittels Ultraschall. Diese Töne zu hören, kann für die Fische mitunter lebensnotwendig sein.
Doch nicht nur Delfine, auch der Fischfang könnte unter den empfindlichen Ohren der beiden Fischarten leiden. Viele Boote sind mit kleinen Ultraschallsendern ausgerüstet, deren primäres Ziel es ist, Delfine von den Netzen fern zu halten.
Ob das funktioniert, bezweifeln die Meeresbiologen allerdings. Möglicherweise, so die Vermutung von David Mann, meiden die Säugetiere die Netze einfach deshalb, weil sie andere Tiere jagen: die von den Ultraschallsendern abgeschreckten Menhaden-Heringe.
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