Hamburg - Während der Körperkult beim weiblichen Geschlecht immer noch in Richtung Zahnstocher geht, orientiert sich die männliche Physis an der Form einer Karotte. Ob Hollywood-Star, Popsänger, Model oder Fernsehmoderator ohne Sixpack traut man sich nichts mehr zu.
Was vor einigen Jahren bei Bodybuildern noch mit einer Mischung aus Neugier und Ekel bestaunt wurde, gilt mittlerweile als männliches Schönheitsideal, in dessen Schatten Magazine wie "GQ" oder "Men's Health" ihre Auflagen wachsen sehen. Die psychischen Probleme, die mit kategorischem Körperaufbau einhergehen, wurden in einer amerikanischen Studie mit dem Titel "The Adonis Complex" untersucht. Während Anorexie und Bulimie generell als Frauen-Leiden betrachtet werden, hat sich mit dem muskelbesessenen Mann ein neues Krankheitsbild entwickelt: Muscle dysmorphia, genannt Bigorexie, gewissermaßen das Gegenteil der Anorexie.
Bigorexie-Kranke empfinden sich als zu mickrig und verstecken ihre Körper unter weiten T-Shirts, die angeblichen Hühnerbeine unter Schlabberhosen. Die Autoren des Adonis-Komplexes untersuchten 160 Männer, die regelmäßig Gyms aufsuchen, und fanden mindestens 16 Bigorexie-Fälle. Co-Autor Roberto Olivardia: "Hätten wir all jene mit weniger ernsthafter Muskelmanie dazugezählt, könnte sich die Prozentrate leicht verdoppeln."
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