Von Harald Zaun
Extrasolarer Planet (um 47 Ursae Majoris): Bislang nur in Jupiter-Größe
Vor sechs Jahren hat er den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Dennoch ist Michel Mayor bodenständig geblieben. Gegenüber SPIEGEL ONLINE äußert sich der renommierte Schweizer Astronom pessimistisch über die Chance, noch in dieser Dekade einen erdähnlichen extrasolaren Planeten zu entdecken. Die Suche nach Leben im All wird zum Geduldsspiel.
Als Mayor im Jahr 1995 zusammen mit Didier Queloz vom Genfer Observatorium beim Stern 51 Pegasus b den ersten Planeten einer noch nicht erloschenen Sonne entdeckte, schockte er die Fachwelt. Mit einem Mal wurde Gewissheit, was zuvor reine Spekulation gewesen war, was einige Astronomen sogar vehement bestritten hatten: Planetensysteme in den Tiefen des Alls sind vorhanden.
Damals eine Sensation. Heute sind extrasolare Planeten sowohl in Astronomie als auch Exobiologie salonfähig. Dank immer präziserer Beobachtungstechniken und -strategien, dank immer leistungsstärkerer Teleskope dringen Forscher tiefer ins Universum vor. Inzwischen ist der Katalog der Sterntrabanten, der auf Grund der Erfolgsquote der Planetenjäger ständig aktualisiert werden muss, auf 68 bestätigte Exoplaneten angewachsen.
"Allerdings sind die Planten allesamt sehr lebensfeindlich. Sie bewegen sich in der Größenklasse von Jupiter und stellen ausschließlich extrem heiße Gaskugeln dar", sagt Michel Mayor. Der Leiter des Genfer Observatoriums, inzwischen sogar als Nobelpreiskandidat im Gespräch, wird gerne als "Guru" bei der Suche nach neuen Planten bezeichnet. "Den Begriff Planetenjäger finde ich weitaus angemessener", gesteht der 59-Jährige.
Weniger angemessen sei dagegen die vor einigen Wochen durch die Presse geisternde Meldung, wonach Forscher eine zweite Erde entdeckt hätten. "Davon kann überhaupt keine Rede sein", so Mayor gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir haben zwar ein ausgefeiltes Instrumentarium, um massereiche Planeten zu entdecken. Ein zweites Sonnensystem wurde jedoch bislang von keinem entdeckt, ganz zu schweigen von einer zweiten Erde."
Allerdings scheint die gegenwärtige Suchmethode, die das verräterische Taumeln der Sterne misst, so langsam an die Grenzen des Machbaren zu stoßen: Durch die Gravitationskraft ihrer rotierenden Begleiter schwanken die Sterne gegenüber Beobachtern auf der Erde leicht vor und zurück.
Gegenwärtig lässt sich diese Bewegung bis auf drei Meter pro Sekunde genau messen. Doch um einen Planeten in der Größe der Erde aufzuspüren, müsste die Messgenauigkeit bis auf acht Zentimeter pro Sekunde optimiert werden. "Wir sind an einem Endpunkt angelangt", stellt Mayor fest. "In meinen Augen haben wir nur eine Chance, wenn wir neue Techniken und Methoden anwenden."
Die beste Möglichkeit könnte, so Mayor, die "Transit-Technik" sein, die im Rahmen der "Eddington"-Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA zum Einsatz kommen soll. Der Satellit wird - einmal im All - in großem Umfang Sterne anvisieren. Dabei konzentriert sich das neue Weltraumteleskop nicht auf tanzende Sterne, sondern direkt auf Planeten, die vor ihrem Heimatstern vorbeiziehen. Steht der Trabant zwischen Teleskop und Stern, wird dessen Licht geringfügig abgeschwächt. Die "Eddington"-Mission soll allerdings erst in zehn Jahren starten. "Wir sind noch weit davon entfernt, eine zweite Erde zu entdecken", dämpft Mayor die Erwartungen "In zehn bis fünfzehn Jahren könnte es aber so weit sein".
Vielleicht wird aber auch der "Terrestrial Planet Finder" (TPF), den die Nasa etwa 2010 ins All schießen will, die historische Aufgabe lösen. Das Teleskop soll erdähnliche Planeten auf höchst direkte Weise ins Visier nehmen. TPF kann Sterne in bis zu 50 Lichtjahren Entfernung unmittelbar beobachten und das eingefangene Licht mit Hilfe der Spektroskopie analysieren. Auf diese Weise wollen die Astronomen Kenntnisse über Temperatur und chemische Zusammensetzung der planetaren Atmosphären gewinnen.
Wenngleich die Technik noch nicht ausgereift ist, so könnte sie in naher Zukunft vielleicht die Frage beantworten, die sich alle Planetenjäger insgeheim stellen: Gibt es irgendwo da draußen eine wie auch immer geartete intelligente Lebensform, die sich womöglich just in diesem Augenblick dieselbe Frage stellt? Für Michel Mayor ist die Sache klar: "Wissenschaftlich kann man dies nicht definieren. Gefühlsmäßig würde ich aber sagen, dass wir ganz bestimmt nicht allein sind. Irgendwo da draußen gibt es auch intelligentes Leben."
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Mensch | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH