Rechtzeitig zu Halloween haben US-Forscher aus Knochenfunden ein wahres Monstrum auferstehen lassen, das einem Alptraum entsprungen sein könnte. Das Reptil aus der Kreidezeit, das die Wissenschaftler um Paul Sereno von der University of Chicago in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science" vorstellen, ähnelt zwar verblüffend den heute lebenden Krokodilen. Doch neben den mächtigen Kiefern des Sarcosuchus imperator muten die Beißwerkzeuge unserer Reptilien geradezu bescheiden an.
Auch die übrigen Körpermaße sind Furcht erregend: Das Ungetüm, das vor rund 110 Millionen Jahren lebte, brachte es auf die Länge eines Schulbusses und wog acht Tonnen - so viel wie ein kleiner Wal. Erste Knochen des Riesen-Reptils hatten französische Geologen bereits 1964 in der Ténéré-Wüste in Niger entdeckt, später kamen weitere Fragmente hinzu. Allerdings ermöglichten erst jetzt neue Schädel- und Knochenfunde die genaue Rekonstruktion der Sarcosuchus-Anatomie.
Auch Details über Lebensweise und Stammbaum des monströsen Geschöpfes kommen nun ans Licht. Sereno zufolge ist Sarcosuchus mit den krokodilähnlichen Ur-Reptilien Pholidosaurus und Terminonaris verwandt, unterschied sich von ihnen aber vermutlich durch seine Lebens- und Fressgewohnheiten. Fossilien der beiden anderen Urkrokodile hatten Paläontologen in Meeresablagerungen entdeckt. Der Sarcosuchus dagegen lebte im Flussbett, gut 150 Kilometer von der Küste des heutigen Niger entfernt.
Der Kopf des Reptils bestand fast nur aus dem Maul: Es nahm 75 Prozent der gesamten Schädellänge ein. Zudem war die Schnauze wesentlich breiter proportioniert als beispielsweise beim modernen indischen Gharial-Krokodil oder bei den verwandten Pholidosaurus und Terminonaris. Aus dem beträchtlichen Überbiss des Sarcosuchus und seinen kräftigen, weich abgerundeten Zähnen schließen die Forscher, dass er anders als seine Fisch fressenden Vettern auch Fleisch zu sich nahm, vielleicht in Form kleiner Dinosaurier.
Der Sarcosuchus war vom Kopf bis zur rund zwölf Meter entfernten Schwanzmitte durch einen dicken Knochenpanzer geschützt. Die Wachstumsringe der einzelnen Knochenplatten verrieten den Paläontologen eine andere Eigenart des Superkrokodils: Es brauchte offenbar 50 bis 60 Jahre, um seine volle Größe zu erreichen, und war damit überraschend langlebig.
Ungeklärt ist noch die Funktion der so genannten Bulla, eines knollenförmigen Knochenwuchses am äußeren Ende des Mauls. Da sowohl die männlichen wie auch die weiblichen Reptilien mit einer Bulla vergleichbarer Größe ausgestattet waren, handelt es sich nach Meinung von Sereno und seinen Kollegen nicht um ein Geschlechtssymbol.
Möglich dagegen wäre, was manche Forscher vorschlagen: Dass die Bulla den Riesen mit ihren steifen Nacken halfen, Gerüche besser wahrzunehmen und deren Richtung genauer zu bestimmen. Da Krokodile zu den geräuschvollsten Reptilien gehören, könne die Bulla aber auch der Verstärkung von Lauten gedient haben, spekuliert Sereno.
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