Durch den unkontrollierten Walfang war der östliche nordpazifische Glattwal in den sechziger Jahren schon fast ausgestorben. Heute gilt Eubaleana japonica Gray, so der wissenschaftliche Name, als weltweit am stärksten bedrohte große Walart.
In einem unerwarteten Winkel der Beringsee sind US-Meeresbiologen nun auf eine kleine Population der nordpazifischen Glattwale gestoßen. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science" berichten, haben die Tiere ihre Fanggründe gewechselt - und dabei offenbar auch die Lebensweise geändert.
Die Wale, die sonst mit Vorliebe in etwa 200 Meter Meerestiefe auf Futtersuche gingen, halten sich nun in relativ flachen Gewässern der südöstlichen Beringsee auf. Statt wie früher den Ruderfußkrebs Neocalanus cristatus zu fressen, ernährt sich die Gruppe inzwischen hauptsächlich von Calanus marshallae, der in der neuen Heimat der Wale in 50 bis 80 Metern Meerestiefe reichlich vorhanden ist.
Offenbar hat sich das Beutetier durch Veränderungen im Ökosystem in dieser Gegend besonders gut entwickelt: Der Kleinkrebs ist, wie das Team um Cynthia Tynan von der National Oceanic and Atmospheric Administration schreibt, fast doppelt so groß wie in anderen Gebieten gefangene Tiere und zudem noch extrem fettreich.
Die erfolgreiche Anpassung der nordpazifischen Glattwale ändert jedoch, wie die Forscher betonen, nichts an der akuten Bedrohung dieser Art: Die im Sommer 1997 und 1999 beobachtete Population besteht möglicherweise aus nicht mehr als zehn Tieren, berichten die Wissenschaftler.
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