Sie "riechen" ihre Opfer, pirschen sich heran, schlagen zu und saugen ihrer Beute die Lebensenergie aus: Mit mechanischen Raubtieren ist nicht gut Kirschen essen. Zumindest dann nicht, wenn man zu den Beute-Robotern gehört. Die rollen auf kleinen Rädern unter Lampen, klappen ihre Solarzellen aus und naschen nichtsahnend Energie. Die Jäger aber finden sie mit Hilfe ihrer Infrarot-Sensoren. Sind sie nah genug herangekommen, rammen sie eine Stoßzahn tief ins Innere des Beute-Roboters und killen ihn durch Energieentzug.
Der spektakuläre Kampf zwischen fünf Raub- und sechs Beuterobotern, der ab dem 27. März publikumswirksam im Magna Science Adventure Centre im englischen Rotherham tobt, soll vollkommen eigenständig ablaufen - Menschen haben sich herauszuhalten. Jeder Roboter wird von seinem eigenen "Gehirn" gesteuert, das über Sensoren die Umwelt wahrnimmt und den Antriebsmotoren Befehle erteilt. Roboter, die den Daseinskampf eine gewisse Zeit überleben, dürfen ihre Erfahrungen an einen Zentralrechner weitergeben, aus dem neue Steuerungsprogramme hervorgehen.
18 Monate verbrachten Noel Sharkey von der University of Sheffield und seine Mitstreiter an der Konstruktion der Maschinen. "Das ist die weltweit erste Untersuchung, bei der es zu künstlicher Evolution in einer Roboter-Nahrungskette kommt", so Sharkey. "Die Roboter müssen selbständig Nahrung finden und überleben." Das Experiment bilde letztlich die Natur ab: Sonnenenergie wird von Organismen gespeichert, die von Tieren gefressen und so in Energie umgewandelt werden. Diese wiederum dienen Raubtieren als Nahrungsquelle.
"Wenn die Beutetiere neue Fluchtstrategien entwickeln", so Sharkey, "müssen die Raubtiere neue Jagdtaktiken erfinden." Dieses "Wettrüsten" könne nur in Stabilität oder im Aussterben enden: Töteten die Jäger alle Beutetiere, so würden auch sie sterben. Die Roboter, hofft Sharkey, werden früher oder später biomimetisches Verhalten entwickeln: Sie kopieren Strategien, die in der Natur vorkommen. Nach langer Lernphase, glaubt Sharkey, könnten die Roboter gar in Rudeln jagen und zur Verteidigung Herden bilden. "Zunächst aber", so der Wissenschaftler, "werden sich die Räuber wohl gegenseitig bekämpfen, um an ihre Beute zu gelangen."
Das Ziel des Forscherteams ist die Schaffung intelligenter Roboter für schwierige Aufgaben wie etwa die Erforschung fremder Planeten oder schwer zugänglicher Regionen der Erde. Denn unter solchen Bedingungen, meinen die Wissenschaftler, könnte die Fähigkeit zur Anpassung von entscheidender Bedeutung sein.
Markus Becker
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