Das Maya-Wandgemälde, das Archäologen im Regenwald des nordöstlichen Guatemalas entdeckt haben, wird von Experten als Meisterwerk der altamerikanischen Kultur gepriesen. Wie die "New Nork Times" am Donnerstag meldete, ist das in einem unterirdischen Raum gefundene Bildnis rund 1900 Jahre alt. Es könnte sich, so die Entdecker, um das früheste erhaltene Maya-Wandbild handeln.
Von dem Gemälde, das vermutlich eine Szene aus der Mythologie oder ein Ritual zeigt, versprechen sich die Wissenschaftler neue Einsichten in die frühe Hochkultur. "Der Fund öffnet ein Fenster zum mythischen und höfischen Leben der alten Maya", sagte William Saturno vom Peabody Museum of Archaeology and Ethnology in Harvard der Zeitung. Der Forscher stieß zufällig auf das Wandbild, als er sich in der Ruinenstätte von San Bartolo vor der drückenden Hitze in einen von Grabräubern ausgehobenen Stollen flüchtete.
Auf dem Bild sind den Angaben zufolge mindestens neun von geometrischen Mustern umgebene menschliche Figuren zu erkennen. Beherrscht wird die Szene von einem Mann, der über seine Schulter auf zwei kniende Frauen blickt - Experten zufolge handelt es sich wahrscheinlich um den Maisgott oder seinen Repräsentanten. Der freigelegte Teil des Gemäldes ist rund drei Meter lang und 65 Zentimeter hoch, doch die Forscher vermuten, dass möglicherweise bislang nur zehn Prozent der Gesamtfläche zu sehen sind.
Der Datierung zufolge stammt das Gemälde aus der präklassischen Periode der Maya-Kultur, die in der vorspanischen Zeit in Guatemala, Honduras, Belize, El Salvador und dem Südosten Mexikos verschiedene Blütephasen erlebte. In der klassischen Periode zwischen 250 und 900 nach Christus erreichten die Maya einen hohen Entwicklungsstand und entwickelten als einzige altamerikanische Kultur eine echte Schrift. Auch ihre astronomischen und mathematischen Kenntnisse werden von Wissenschaftlern gerühmt.
Ab 800 nach Christus verfielen jedoch die Städte der klassischen Maya-Kultur aus bis heute nicht geklärten Gründen. Zwar erlebte die Kultur nach dem Jahr 1000 im Norden der mexikanischen Halbinsel Yucatan einen neuen Aufschwung, doch auch die meisten der dortigen Städte waren bei Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert schon wieder untergegangen. Die Maya-Sprachen haben sich aber bis heute erhalten.
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