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03.04.2002
 

Automatische Aufklärer

Ein Roboter für jede Krise

Von Thorsten Dambeck

Wenn's brenzlig wird, hat der Blechkamerad den Vortritt: Aus Kampfzonen und Katastrophengebieten sollen künftig Roboter wie der urbane Kletterkünstler "Urbie" wertvolle Informationen liefern.





Begabter Kletterer: Treppenstufen sind für Urbie kein Problem
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Nasa/ JPL

Begabter Kletterer: Treppenstufen sind für Urbie kein Problem

Ein brennendes Wohngebäude nach einem Beben: Durch die verheerenden Erdstöße droht das Haus einzustürzen. Die Feuerwehr vermutet zwar Überlebende in den oberen Stockwerken, doch für die Retter, die keine genauen Informationen aus dem Gebäudeinnern haben, wäre ein Eindringen äußerst riskant. Bevor sie sich auf den Weg durch das Treppenhaus machen, schicken sie deshalb einen neuen Kollegen voraus: einen Roboter, entwickelt zur Aufklärung in städtischen Krisengebieten.

Bislang ist der Einsatz noch Fiktion, doch den mechanischen Späher gibt es bereits: Ingenieure am Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena arbeiten an einem Spezialroboter, der sich in Hochhäusern und Straßenschluchten zurechtfinden soll. Nüchtern betrachtet ist "Urbie", wie seine Schöpfer den urbanen Automaten liebevoll nennen, ein Spin-off der Weltraumtechnik, mit der sich das Nasa-Institut üblicherweise beschäftigt.

Zielerfassung: Urbie hat die städtische Landschaft fest im Blick
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Nasa/ JPL

Zielerfassung: Urbie hat die städtische Landschaft fest im Blick

Ihr Fachwissen über Planetenkundschafter hatten die Wissenschaftler genutzt, um einen Roboter für die militärische Aufklärung in Stadtgebieten zu entwerfen. Doch das robuste Fahrzeug könnte auch als Katastrophenhelfer wertvolle Dienste leisten: "Wenn Orte zu gefährlich für Menschen sind, zum Beispiel wegen radioaktiver Strahlung, Gaslecks oder durch Brände, dann könnte Urbie zum Einsatz kommen", umreißt Projektleiter Robert Hogg den möglichen Aufgabenbereich seines Geschöpfes.

Urbie besticht vor allem durch seine Kletterkünste: Auf seinen Raupenketten arbeitet sich der batteriegetriebene Roboter mit beeindruckendem Tempo über Stufen und durch ganze Treppenhäuser. Damit der Späher auch auf Asphalt schnell voran kommt, haben die Forscher zusätzlich eine Hybrid-Version konstruiert, die sich vom Kettenfahrzeug zum vierrädrigen City-Mobil verwandeln kann.

Bei der Orientierung helfen Urbie zwei Stereokameras, mit denen er sich ein räumliches Bild von seinem Umfeld verschaffen und Hindernissen selbständig ausweichen kann. Bis zu zehnmal pro Sekunde taxiert der Roboter die Entfernung zu umliegenden Gegenständen, zwei Pentium-Prozessoren sorgen für die Interpretation der Bilddaten. Per Funk gelangen die Informationen zu einem menschlichen Vorgesetzten, der nur noch allgemeine Kommandos zu geben braucht: So könnte er Urbie befehlen, zum nächsten Gebäude vorzustoßen und sich von dort wieder zu melden.

Auch bei defekter Treppenhausbeleuchtung findet sich der mechanische Großstadtschreck zurecht: "Wir haben Urbie einen Laser eingebaut, mit dem er seine Umgebung abtasten kann", erklärt Hogg. Bei nächtlichen Einsätzen hilft zudem eine Infrarotkamera, die noch bei schwärzester Dunkelheit Personen ausmachen kann.

Interviews aus Krisengebieten: Presseroboter Afghan Explorer
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MIT

Interviews aus Krisengebieten: Presseroboter Afghan Explorer

Auch außerhalb des Asphaltdschungels ist das Gefährt nicht verloren. Stolz verweist Hogg auf Urbies Fähigkeit, sich ins Gebüsch zu schlagen: "Einen Roboter entscheiden zu lassen, ob das Unterholz umfahren werden muss, oder ob ein Weg quer durchs Gestrüpp genommen werden kann, ist ein hartes Stück Arbeit", so der Forscher. Bei zu rauem Terrain kommt das als Leichtgewicht konzipierte Kettenfahrzeug aber auch anders ans Ziel. Hogg: "Ein Soldat soll Urbie notfalls im Rucksack zum Einsatzgebiet tragen können."

Wenn der militärische Blechkamerad irgendwann einmal zum Krisenherd rollt, könnte er dort auch auf verwandte zivile Informationssammler stoßen: Am Massachusetts Institute of Technology in Boston denken Forscher bereits über den automatischen Journalisten nach. Der von ihnen entwickelte "Afghan Explorer" soll Bilder und Interviews aus internationalen Kampfgebieten liefern. Mit Satellitentelefon ausgestattet, könnte der ferngesteuerte Reporter in Regionen vordringen, die die Militärs für Kollegen aus Fleisch und Blut gesperrt haben - so hofft jedenfalls Erfinder Chris Csikszentmihalyi.

Geht es nach Csikszentmihalyi, dann könnte sein vierrädriges Fahrzeug solarbetrieben und mit halbautonomer Navigation den Weg zu möglichen Interview-Partnern finden. Ob der Robo-Reporter wirklich helfen kann, die Zensur zu umgehen, wird sich aber wohl erst im Praxiseinsatz entscheiden. Falls es jemals dazu kommt, sollte der Afghan Explorer schlechten Umgang meiden: Seine vergleichsweise kostbare technische Ausstattung könnte sonst als willkommene Ergänzung zum kargen Sold eines Guerillakämpfers missverstanden werden.

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