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22.05.2002
 

Antikes England

Römischer Transvestit kastrierte sich selbst

Britische Archäologen wollen das Rätsel um einen mit Frauenschmuck begrabenen Römer gelöst haben. Der junge Mann kastrierte sich offenbar zu Ehren der Göttin Kybele.

Rekonstruktion des Gallus: Kastration mit verzierten Klemmen
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REUTERS

Rekonstruktion des Gallus: Kastration mit verzierten Klemmen

Die Überreste eines Transvestiten aus spätrömischer Zeit haben Archäologen erstmals Einblicke in einen bislang unbekannten Teil der britischen Geschichte verschafft. Das Skelett des mit Frauenschmuck begrabenen Mannes war vor fast 20 Jahren in Nordengland entdeckt worden.

Nun glauben die Forscher, eine Erklärung für die Grabbeigaben des jungen Römers gefunden zu haben: "In seinem Leben hätte er als Transvestit gegolten und war vermutlich ein Gallus - ein Anhänger der Göttin Kybele, die sich ihr zu Ehren selbst kastrierten", erklärte der Archäologe Pete Wilson von der Denkmalschutzbehörde English Heritage.

Auf das Skelett, das eine schwarze Halskette und Armband, einen Armreif aus Schiefer und eine Fußkette aus Bronze trug, waren Forscher 1981 bei Ausgrabungen nahe Catterick gestoßen. "Es ist der einzige Mann, der mit einem solchen Schmuckaufgebot jemals in einem spätrömischen Friedhof in Großbritannien gefunden wurde", so Wilson. Der Fund zeige auch, wie kosmopolitisch der Norden Englands zu dieser Zeit war.

Die ursprünglich phrygische Muttergottheit Kybele wurde von den Römern übernommen und als Göttin der Fruchtbarkeit verehrt. Zukünftige Priester der "Magna Mater" kastrierten sich ihr zu Ehren mit besonders verzierten Klemmen. Nach der Kastration trugen sie Schmuck, bunte Frauengewänder sowie Diademe oder Turban-ähnliche Kopfbedeckungen, um ihre weiblichen Frisuren zu ergänzen.

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