Malaria-Mücke Anopheles
Gentechnik könnte in Zukunft dazu beitragen, eine der schlimmsten Seuchen der Dritten Welt unter Kontrolle zu bringen. Ein amerikanisch-deutsches Forscherteam hat genmanipulierte Mücken geschaffen, die kaum noch als Überträger von Malaria in Frage kommen.
Nach dem Eingriff ins Erbgut verloren die Insekten weitgehend ihre Fähigkeit, Mäuse mit einer Variante der Krankheit zu infizieren, berichten die Wissenschaftler um Marcelo Jacobs-Lorena von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachmagazins "Nature".
Das Tropenfieber, an dem jedes Jahr vor allem in den Entwicklungsländern schätzungsweise ein bis drei Millionen Menschen sterben, wird durch die Anopheles-Mücke übertragen. Mit dem Biss eines befallenen Insekts kann der Malaria-Erreger, der Einzeller Plasmodium, ins Blut des Gestochenen gelangen.
Jacobs-Lorena und Kollegen hatten bereits im vergangenen Jahr ein Peptid namens SM1 identifiziert, das eine Ausbreitung des Parasiten vom Verdauungstrakt der Mücke in deren Speicheldrüsen blockiert. In seinem neuen Experiment baute das Team, zu dem auch der Genetiker Ernst Wimmer von der Universität Bayreuth gehört, ein entsprechendes künstliches Gen in das Erbgut einer Anopheles-Art.
Anschließend ließen die Forscher die manipulierten Mücken das Blut von Mäusen saugen, die mit einer Malaria-Variante infiziert waren. Nach 25 Tagen wurden die gemästeten Insekten untersucht: Die Erreger in den Speicheldrüsen waren um mindestens 80 Prozent reduziert. Zwei der drei untersuchten Mückengruppen konnten Malaria nicht auf Mäuse übertragen, bei der dritten war die Übertragungsrate halbiert.
Allerdings ist den Forschern zufolge noch unklar, ob das eingebaute Gen auch bei der für den Menschen gefährlichen Malariaform wirksam wäre. Zudem ist der Ansatz noch nicht reif für die Anwendung, warnen die Autoren: Die Schwierigkeiten und Risiken, die das Einschleusen eines fremden Gens in Wildpopulationen mit sich bringt, sind noch nicht ausreichend erforscht.
Dennoch ist die Arbeit nach Ansicht von Experten bedeutsam. Das Experiment der Forschergruppe sei "ein Beweis der prinzipiellen Machbarkeit und damit ein Meilenstein der Malariaforschung", schreiben Gareth Lycett und Fotis Kafatos vom Europäischen Labor für Molekularbiologie in Heidelberg in einem "Nature"-Begleitkommentar.
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