Eine Studie der Universität Hokkaido könnte japanischen Gourmets den Appetit verderben: Bei der Analyse von Wal-Innereien, die in Geschäften als Delikatesse verkauft werden, entdeckten Forscher extrem hohe Quecksilberwerte. Über die Untersuchung berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner aktuellen Ausgabe.
Zwar ist seit langem bekannt, dass die Meeressäuger in ihrem Gewebe Schwermetalle anreichern, die sie über die Nahrung aufnehmen. Doch die nachgewiesenen Konzentrationen überraschten selbst Experten: So enthielten zwei der 26 untersuchten Leberproben pro Gramm über 1970 Mikrogramm Quecksilber, womit sie den offiziellen japanischen Grenzwert von 0,4 Mikrogramm fast um das Fünftausendfache übertrafen.
Beim Verzehr von nur 0,15 Gramm dieser Leber würde ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener die wöchentliche Quecksilberdosis zu sich nehmen, die von der Weltgesundheitsorganisation als tolerabel angesehen wird, berichten die japanischen Wissenschaftler in ihrer noch nicht erschienenen Studie. "Eine einmalige Aufnahme könnte zu einer akuten Vergiftung führen", zitiert der "New Scientist" aus der Arbeit.
In einer anderen unveröffentlichten Untersuchung zeigte das Team, dass Ratten nach nur einem Bissen von der am höchsten belasteten Leber eine akute Nierenvergiftung erlitten. Im Durchschnitt lagen die Quecksilberwerte von Wal- und Delfinleber bei 370 Mikrogramm pro Gramm, was dem 900fachen des Grenzwerts entspricht. Auch Nieren und Lungen der Meeressäuger waren stark belastet.
Die Forscher fordern die japanische Regierung auf, den Konsum von Wal-Innereien strenger zu regulieren. Insbesondere für schwangere Frauen sei das Risiko groß, ihre ungeborenen Kinder zu vergiften. In den fünfziger und sechziger Jahren waren in Japan rund um die Minamata-Bucht Hunderte Säuglinge mit schweren Missbildungen zur Welt gekommen, nachdem die Mütter mit Quecksilber verseuchte Fische gegessen hatten.
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